Überarbeitete Richtlinie der Bundesärztekammer

Neue Möglichkeiten durch Maschinenperfusion

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Seit dem 19. Januar 2026 sieht die überarbeitete Richtlinie der Bundesärztekammer zur Nierentransplantation in Deutschland den grundsätzlichen Einsatz der hypothermen Maschinenperfusion bei Nieren von Spendern mit erweiterten Spenderkriterien vor.

Dies betrifft Nieren von Spenderinnen und Spendern über 60 Jahren sowie von 50- bis 59-Jährigen, wenn mindestens zwei zusätzliche Risikofaktoren vorliegen. Dazu zählen eine zerebrovaskuläre Todesursache wie ein Schlaganfall, bestehender Bluthochdruck oder ein erhöhter Kreatininwert im Blut.

Die Maschinenperfusion ermöglicht eine schonendere Konservierung dieser Spendernieren und erhöht damit die Chancen, dass mehr Organe erfolgreich transplantiert werden können. Für die Maschinenperfusion der Niere in Deutschland kommt der LifePort® Kidney Transporter (LKT) der Firma Organ Recovery Systems (ORS) zum Einsatz (siehe Foto).

Verfahren der Maschinenperfusion

Die Organe werden nach der Entnahme mit speziellen Konservierungslösungen maschinell gesteuert kontinuierlich gespült. Verschiedene Verfahren können hierzu angewendet werden, die sich zum Beispiel bei der Temperatur der verwendeten Perfusionslösung (hypotherm, normotherm) und der Sauerstoffzugabe zur Perfusionslösung (oxygeniert /nicht oxygeniert) unterscheiden.

Mögliche Einsatzgebiete der Maschinenperfusion    

Studienergebnisse weisen darauf hin, dass Organe je nach verwendetem Maschinenperfusionsverfahren sorgfältiger untersucht und ihr Zustand besser beurteilt werden kann. Dadurch entsteht mehr Sicherheit bei der Entscheidung darüber, welche Organe zur Vermittlung an Eurotransplant gemeldet werden können und welche nicht. Somit können aufgrund der maschinellen Perfusion auch Organe genutzt werden, die ansonsten aufgrund eines zu schlecht eingeschätzten Zustands oder aufgrund von Erkrankungen des Spenders nicht zur Transplantation angeboten worden wären.

Darüber hinaus wird an Verfahren gearbeitet, um die Phase der Maschinenperfusion dazu zu nutzen, mögliche Beeinträchtigungen des Organs zu behandeln und zu reduzieren. So soll die Funktionstüchtigkeit des Organs durch bestimmte therapeutische Verfahren verbessert werden, zum Beispiel kann möglicherweise dadurch die Verfettung bei Lebern reduziert werden. Langfristig kann die Maschinenperfusion damit dazu beitragen, die Anzahl der zur Transplantation geeigneten Organe zu steigern. Dieser Teilbereich der Maschinenperfusion ist weltweit noch in der Erforschung.

Spezialisierte Zentren für Organbetreuung und -Behandlung

Länder, die im Gegensatz zu Deutschland schon vertiefte Erfahrung mit der Maschinenperfusion haben, gehen mit der Einrichtung von spezialisierten Organbetreuungs- und -behandlungszentren (Asses and Repair Center – ARC) bereits einen Schritt weiter. Spenderorgane werden nach der Entnahme zu diesen Zentren transportiert, dort von Fachleuten betreut und wenn nötig optimiert, um dann transplantiert werden zu können.

Hier findet sich die überarbeitete Richtlinie gemäß § 16 Abs. 1 S. 1Nrn. 2 u. 5 TPG für die Wartelistenführung und Organvermittlung zur Nierentransplantation (RL BÄK Niere):

www.dso.de

Dieser Beitrag ist ursprünglich erschienen in: Nierenarzt/Nierenärztin 1/2026

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