Multiple Sklerose und Menopause

Wie Wechseljahre den Verlauf der MS beeinflussen

Aus der Fachliteratur
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Lebensstilfaktoren wie Bewegung könnten perimenopausal besonders wichtig für MS-Betroffene sein.

Mit dem Alter verändern sich Schwere und Verlauf der Multiplen Sklerose. Diesen Prozess könnte die Menopause zusätzlich beeinflussen. Auch wenn viele Fragen noch offen sind, hat dies Implikationen für die ärztliche Betreuung der betroffenen Frauen.

Multiple Sklerose (MS) betrifft überwiegend Frauen – die unweigerlich im Lauf ihres Lebens in die Wechseljahre geraten. Die dann erfolgenden physiologischen Veränderungen beeinflussen die Blutgefäße, das Immunsystem und neurologische Funktionen. Mit zunehmendem chronologischem Alter verändern sich bei MS-Erkrankten zudem generell häufig der Schweregrad und die Progression der Erkrankung. Wie sich die durch MS bedingte Neuroinflammation und die mit dem chronologischen sowie dem reproduktiven Altern einhergehenden Veränderungen gegenseitig beeinflussen, sei bisher allerdings ungenügend erforscht, schreiben Autorinnen und Autoren um Dawn­ ­Morgan­ von der gemeinnützigen Forschungsorganisation „Accelerated Cure Project for Multiple Sclerosis“ in Waltham (USA).

Fehlende Aufmerksamkeitin klinischen Leitlinien

Weil der Faktor Menopause bisher in den klinischen Leitlinien zu wenig berücksichtigt wird, wertete das Team insgesamt 19 zwischen 2018 und 2025 veröffentlichte Publikationen zum Thema aus, darunter 18 Beobachtungsstudien. Die teilnehmenden Frauen hatten im Alter zwischen 30 und 60 Jahren ihre entweder chirurgisch bzw. medikamentös bedingte oder natürliche Menopause erlebt. Die meisten litten an einer schubförmig remittierenden MS mit leichter bis moderater Beeinträchtigung.

Insgesamt kommt das Autorenteam zu dem Schluss, dass die Menopause einen möglichen (unabhängigen) Wendepunkt im Krankheitsverlauf der MS darstellt. Die Wechseljahre mit ihren biologischen und hormonellen Veränderungen scheinen den allgemeinen Verlauf der MS bei älteren Betroffenen zu beschleunigen, was sich in einer ­Abnahme der inflammatorischen Aktivität und damit der Rückfälle bei zunehmender Neurodegeneration und schwereren funktionalen Beeinträchtigungen äußere.

Allerdings gab es auch widersprüchliche Ergebnisse. Diese Heterogenität sei wahrscheinlich Folge methodischer Differenzen, u. a. bei der Definition der Menopause und bei der statistischen Berücksichtigung des chronologischen Alters, so die Forschenden. In Bezug auf die Betroffenen wurden in einigen Studien PROs (Patient-Reported Outcomes) berücksichtigt. Kritisch sieht das Autorenteam aber, dass sich unter den Studien keine fand, in der mit einem qualitativen oder Mixed-Methods-Design das persönliche Erleben und psychosoziale Aspekte der MS während der Menopause der betroffenen Frauen untersucht wurden.

Ärztinnen und Ärzte sollten ihre MS-Patientinnen in den Wechseljahren besonders sorgfältig betreuen und dabei auf die Entzündungsaktivität und auch geringste Hinweise für eine Progression achten, schließt das Autorenteam. Dabei stellt auch die Überlappung der durch die Menopause auf der einen und die MS auf der anderen Seite bedingten Symptome im Bereich von u. a. Kognition, Stimmung und Erschöpfung eine große Herausforderung für die individuell angepasste MS-Therapie dar. Hilfreich könnten hier auch Lebensstiländerungen sein, darunter Ernährung und Sport. Zukünftige (Langzeit-)Studien sollten neben den oben genannten Punkten auch diese Themen stärker untersuchen, um in dieser Lebensphase eine gesamtheitlichere Versorgung der Patientinnen zu ermöglichen.

Morgan D et al. Maturitas 2026; 206: 108826; doi: 10.1016/j.maturitas.2026.108826

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