Hirngewebe nicht zu schnell aufgeben

Intravenöse Thrombolyse bis 24 Stunden nach Schlaganfall wirksam

Aus der Fachliteratur
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Nach einem ischämischen Schlaganfall ist das Zeitfenster für die Gabe von i.v. Alteplase ausschlaggebend für den weiteren Verlauf.

In einer Multicenter-Studie aus China erreichten 40 % der Patientinnen und Patienten auch bis zu 24 Stunden nach ischämischem Schlaganfall dank i.v. Alteplase funktionelle Unabhängigkeit – signifikant häufiger als unter der Standardtherapie.

Viereinhalb Stunden: Innerhalb dieses Zeitfensters nach einem ischämischen Schlaganfall gilt gegenwärtig eine intravenöse Thrombolyse als Erfolg versprechend. Eine Studie aus China, an der sich 26 Stroke-Zentren beteiligten, stellt dies nun infrage. Denn in vielen Fällen lohnt offenbar auch ein späterer Reperfusionsversuch noch.

In der Praxis liege der Symptombeginn bei der Mehrzahl der Schlaganfallpatientinnen und -patienten bereits länger als 4,5 Stunden zurück, schreiben die Forschenden um Dr. Ying­ Zhou­ von der Universität Zhe­jiang in Hangzhou. Frühere Untersuchungen würden darauf schließen lassen, dass nach einem ischämischen zerebralen Insult bei stabiler Kollateralzirkulation wahrscheinlich auch noch nach 24 Stunden Hirngewebe gerettet werden könne.

In die HOPE-Studie waren 372 Teilnehmende im medianen Alter von 72 Jahren (43 % Frauen) eingeschlossen, bei denen zwischen 4,5 und 24 Stunden nach Beginn eines ischämischen Schlaganfalls eine Perfusions-CT Hinweise auf potenziell rettbares Hirngewebe ergeben hatte. Bei keinem der Betroffenen wurde eine Thrombektomie primäre geplant. Ob eine Okklusion eines großen Gefäßes vorlag oder nicht, war dagegen kein Einschlusskriterium.

Erste Erkenntnisse aus HOPE-Studie: Ausweitung des Zeitfensters für intravenöse Thrombolyse vertretbar

Gemäß Randomisierung absolvierte die Hälfte der Patientinnen und Patienten eine intravenöse Thrombolysebehandlung mit Alteplase. Die Kontrollgruppe erhielt eine plättchenhemmende Therapie sowie weitere Supportivmaßnahmen. 75 (40,3 %) der mit Alteplase behandelten Personen, aber nur 49 Kontrollen (26,3 %) erfüllten nach 90 Tagen die Kriterien für den primären Endpunkt, nämlich die mittels modifizierter Rankin-Skala gemessene funktionelle Unabhängigkeit (Punktwert 0–1). Dieser Unterschied war statistisch signifikant (adjustierte Risk Ratio, aRR, 1,52). Allerdings entwickelten signifikant mehr Personen der Alteplase-Gruppe innerhalb von 36 Stunden eine symptomatische Hirnblutung (3,8 % vs. 0,5 %; aRR 7,34). Bezüglich des Sterberisikos innerhalb von 90 Tagen unterschieden sich die beiden Studienarme dagegen mit jeweils 10,8 % nicht voneinander.

Trotz des erhöhten Hirnblutungsrisikos halten die Forschenden eine Ausweitung des Zeitfensters für die intravenöse Thrombolyse nach ischämischem Insult – bei entsprechend geeigneten Patientinnen und Patienten – prinzipiell für vertretbar. Allerdings bedürften ihre Studienergebnisse der Bestätigung durch weitere Untersuchungen, betonen sie.

Zhou Y et al. JAMA 2025: e2512063; doi: 10.1001/jama.2025.12063

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