Feinstaubbelastung durch Klimawandel

Waldbrandrauch erhöht langfristig das Schlaganfallrisiko

Aus der Fachliteratur
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Waldbrandrauch enthält besonders viele ultrafeine Partikel, die wesentlich tiefer in die Lunge eindringen und bis ins Blut gelangen können.

Die Gefahr von Waldbränden geht nicht allein von den Flammen aus. Enorme Mengen an Feinstaubpartikeln verbreiten sich über große Entfernungen und können das Schlaganfallrisiko von älteren Personen langfristig erhöhen.

Die Häufigkeit und Intensität von Waldbränden nehmen angesichts des Klimawandels seit Jahren zu. Und es mehren sich Hinweise, dass die damit einhergehende Feinstaubbelastung (PM2,5) merkliche und bislang unterschätzte Langzeiteffekte auf die Gesundheit hat. Eine Gruppe um Dr. Hua Hao der Emory University in Atlanta untersuchte die Auswirkungen der waldbrandspezifischen PM2,5-Exposition auf das Schlaganfallrisiko älterer Menschen.

Wie stark steigt das Schlaganfallrisiko durch PM2,5?

Die Kohorte umfasste über 25 Millionen Medicare-Leistungsempfängerinnen und -empfänger ab 65 Jahren. Mithilfe eines KI-Modells schätzten die Forschenden die Feinstaubexposition aus Waldbränden auf 1 km² genau und grenzten sie zu PM2,5-Emissionen aus anderen Quellen, z. B. Industrie und Straßenverkehr, ab. Die Daten wurden auf Postleitzahlenebene verknüpft und das Schlaganfallrisiko für Expositionszeiträume von ein bis drei Jahren bestimmt.

Insgesamt wurden 2,9 Millionen Schlaganfälle erfasst. Jegliche Feinstaubbelastung stand mit einer erhöhten Ereigniswahrscheinlichkeit in Zusammenhang. Während das Risiko durch „gewöhnlichen“ Feinstaub über die verschiedenen Expositionsintervalle relativ stabil blieb, stieg es für PM2,5 aus Waldbränden mit zunehmender Expositionsdauer deutlich an. Eine Erhöhung pro 1 µg/m³ im Dreijahresdurchschnitt ging mit einem 1,3 % größeren Schlaganfallrisiko einher – bei Feinstaub aus anderen Quellen fiel dieser Effekt nur halb so ausgeprägt aus (0,7%iger Risikoanstieg).

Ultrafeine Partikel als besondere Belastung

Schätzungen des Autorenteams zufolge sind in den USA jährlich mehr als 17.000 Schlaganfälle bei älteren Menschen auf die chronische Belastung mit Waldbrandrauch zurückzuführen. Dieser enthält im Vergleich zu „herkömmlichem“ Feinstaub besonders viele ultrafeine (< 0,1 µm) Partikel, die wesentlich tiefer in die Lunge eindringen und bis ins Blut gelangen können, erklären Dr. Siqi Zhang und Dr. Kai Chen von der Yale School of Public Health in New Haven im begleitenden Editorial.

Zudem beinhaltet der Rauch mehr oxidative und proinflammatorische Substanzen, die wiederum Vasokonstriktion, erhöhten Blutdruck, Endotheldysfunktion und prothrombotische Zustände begünstigen. Das Gefahrenpotenzial wird dadurch verstärkt, dass die Waldbrandbelastung episodisch in deutlich höheren Konzentrationen auftritt.

1. Hao H et al. Eur Heart J 2026; 47: 2673-2682; doi: 10.1093/eurheartj/ehaf875

2. Zhang S, Chen K. Eur Heart J 2026; 47: 2683-2685; doi: 10.1093/eurheartj/ehaf1003

Sabine Mattes

Sabine Mattes

Nach ihrem Masterabschluss in International Management war Sabine Mattes unter anderem bei einem großen deutschen Medizintechnikhersteller beschäftigt. Im Jahr 2021 begann sie als freie Autorin bei der Medical Tribune und absolvierte begleitend einen Journalismus-Lehrgang an der Deutschen Journalisten-Akademie in Berlin. Seit einigen Jahren lebt sie mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in der Nähe von Montreal.

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