Deeskalation durch weitere Daten untermauert

Die wichtigsten Änderungen der AGO Mamma zur operativen Therapie

AGO Mamma State of the Art Meeting 2026
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Auf eine Biopsie der Sentinel-Lymphknoten kann teilweise verzichtet werden, falls sich keine klinischen Konsequenzen ergeben.

Bei der operativen Therapie des frühen Mammakarzinoms setzt sich der Trend zur Deeskalation fort. Laut den aktualisierten Empfehlungen sollten sowohl SLNB als auch Axilladissektion seltener erfolgen.

Die operative Therapie bleibt weiterhin ein wichtiger Aspekt bei der Behandlung des primären Mammakarzinoms, betonte Prof. Dr. Christine Solbach, Universitätsklinik Frankfurt/Main. Operative Therapieentscheidungen seien Bestandteil eines multimodalen Therapiekonzeptes. Im Rahmen einer präoperativen interdisziplinären Tumorkonferenz müsse der therapeutische „Fahrplan“ im Kontext weiterer therapeutischer Maßnahmen beschlossen werden (++-Empfehlung).

Verzicht auf die SLNB bei Low-Risk aufgewertet

Vor dem Hintergrund der INSEMA-, der SOUND- und der BOOG-2013-08-Studie stützen jetzt die Daten von insgesamt gut 7.500 Patient:innen mit kleinem ER+/HER2- Primärtumor und sonographisch unauffälliger Axilla, bei denen eine brusterhaltende Operation mit nachfolgender Ganzbrust-Bestrahlung (BEO + WBRT) erfolgte, dass hier auf eine Sentinel-Lymphknoten-Biopsie (SLNB) verzichtet werden kann, berichtete Prof. Dr. Thorsten Kühn, Filderklinik, Filderstadt. Für wichtig hält der Experte, dass die SLNB ein diagnostisches Verfahren darstelle und nur gerechtfertigt sei, wenn sich daraus eine therapeutische Implikation ableiten lasse.

Ob Ärzt:innen die Informationen aus der SLNB benötigen, müsse vor Therapiebeginn im Rahmen einer präoperativen interdisziplinären Tumorkonferenz festgelegt werden (++). Demzufolge, so Prof. Kühn, sollte bei postmenopausalen Patient:innen mit HR+/HER2- primärem BC (≥ 50 Jahre; T1, cN0, G1–2, BEO + WBRT) auf eine SLNB verzichtet werden, wenn keine therapeutischen Konsequenzen damit einhergehen. Diese Empfehlung wurde mit ++ gegenüber der Vorversion aufgewertet.

Weniger intensive operative Maßnahmen nach NACT bevorzugt

Intensiv diskutiert wurden die operativen Maßnahmen nach neoadjuvanter Chemotherapie (NACT), berichtete Prof. Dr. Maggie Banys-Paluchowski, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Standort Lübeck. In der AXSANA-Studie hatten Forschende verschiedene axilläre Stagingverfahren bei Patient:innen mit initial suspekten Lymphknoten (LK; cN+) verglichen, die nach NACT keinen LK-Befall mehr aufwiesen (ycN0). Die Axilladissektion (ALND), die lange Jahre den Standard bildete, schien hier den weniger invasiven Verfahren (SLNB, TAD [Targeted Axillary Dissection], TLNB [Targeted Lymph Node Biopsy]) nicht überlegen. Auch zwischen der SLNB und der TAD zeigten sich keine klinisch relevanten Unterschiede, berichtete die Referentin.

Auf Grundlage dieser Daten werteten Expert:innen die TAD auf. Sie ist laut AGO Mamma die bevorzugte Technik bei Konversion von cN+ zu ycN0. Für Erkrankte mit initial 1–3 suspekten Lymphknoten wurde eine Doppelplus- und für jene mit ≥ 4 suspekten LK eine Plus-Empfehlung vergeben. Die alleinige SLNB oder TLNB bilden Kann-Optionen (+). Die ALND sollte nur noch im Einzelfall (+/-) erfolgen.

Zudem biete die TAD eine Option bei ycN0-Patient:innen mit initial okkulten Axilla-Metastasen. Die Aufwertung der TAD komme besagten Betroffenen zugute, die zukünftig „hoffentlich“ seltener radikal in der Axilla operiert würden, resümierte Prof. Banys-Paluchowski. Wird eine TAD durchgeführt, sollte der Ziel-LK vorzugsweise mit einem sondengestützten Verfahren markiert werden. Die AXSANA-Studie habe gezeigt, dass die Detektionsraten dann am höchsten ausfallen – vorausgesetzt, die Detektionsmarker werden vor der NACT platziert (+).

Banys-Paluchowski M, Kühn T, Solbach C. AGO Mamma State of the Art Meeting 2026; Vortrag „Operative Therapie unter onkologischen Aspekten“

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