App-Monitoring verbessert Lebensqualität
Der Innovationsausschuss beim G-BA empfiehlt, das App-basierte PRO-Monitoring bei metastasiertem Brustkrebs in die Routineversorgung aufzunehmen. Grundlage ist der nachgewiesene Nutzen für Lebensqualität, Fatigue und Kosten.
Das Innovationsfondsprojekt PRO B implementierte in 52 zertifizierten Brustkrebszentren ein digitales Konzept zur Erfassung von Patient Reported Outcomes (PROs). Über mindestens zwölf Monate machten Patientinnen mit metastasiertem Mammakarzinom wöchentlich Angaben zu ihrem Gesundheitszustand und ihren Beschwerden per App. Die Daten standen dem Behandlungsteam unmittelbar zur Verfügung. Bei einer Verschlechterung des Zustands wurde automatisch ein Alarm ausgelöst und die Patientin innerhalb von 48 Stunden kontaktiert, um bei Bedarf therapeutische Maßnahmen einzuleiten.
Insgesamt nahmen 924 Patientinnen an der prospektiven, randomisiert kontrollierten Studie teil. Die Interventionsgruppe füllte mehr als 36.000 Fragebögen aus; über 3.000 Alarme wurden ausgelöst, meist aufgrund von Einschränkungen der Rollen, sozialen oder emotionalen Funktionen. Besonders jüngere Frauen und Patientinnen mit triple-negativem Brustkrebs zeigten eine höhere Alarmrate.
Verbesserte Lebensqualität und Überlebensrate
Unter Nutzung der App reduzierte sich die Fatigue signifikant nach sechs und zwölf Monaten. Auch das Gesamtüberleben war in der Interventionsgruppe höher als bei Patientinnen unter Regelversorgung. Die körperliche Funktionsfähigkeit und die gesundheitsbezogene Lebensqualität besserten sich, Letztere nach sechs Monaten statistisch signifikant.
Die gesundheitsökonomische Auswertung zeigte höhere qualitätsadjustierte Lebensjahre und zugleich 846 Euro geringere Gesamtkosten im Vergleich zur Kontrollgruppe. Auch die Krankenhausverweildauer war tendenziell kürzer. Damit erwies sich das Konzept als kosteneffektiv. Behandlungsteams und Patientinnen bewerteten das digitale Monitoring als hilfreich für die Kommunikation über Symptome, betonten jedoch, dass PROs das ärztliche Gespräch nicht ersetzen können.
Empfehlung zur Regelversorgung
Auf Basis der positiven Ergebnisse hat der Innovationsausschuss beim G-BA am 19. Juni 2026 beschlossen, das Konzept zur Überführung in die Regelversorgung zu empfehlen. Das Bundesministerium für Gesundheit soll prüfen, welche gesetzlichen Anpassungen erforderlich sind, um ähnliche digitale PRO-Interventionen mit alarmbasierter Kontaktaufnahme bei onkologischen Erkrankungen mit hohem Monitoring-Bedarf künftig über die gemeinsame Selbstverwaltung zu ermöglichen. Die Projektergebnisse wurden zudem an Fachgesellschaften und Krankenkassenverbände weitergeleitet.