Fortgeschrittenes PCa: Nicht alle profitieren von Taxanen

Docetaxel nur für Prostatakarzinome mit hohem Risiko?

2026 ASCO Annual Meeting
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Möglicherweise benötigt nicht jeder Prostatakrebserkrankte eine Chemotherapie.

Docetaxel gehört zu den Standardmedikamenten für Personen mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom. Es gibt aber Hinweise, dass nicht alle das Taxan tatsächlich benötigen. In zwei Auswertungen großer Therapiestudien analysierten Forschende jetzt anhand von Genexpressionsanalysen, wer tatsächlich von der Substanz profitiert.

Die Therapie des hormonsensitiven metastasierten Prostatakarzinoms (mHSPC) wird immer komplexer: Erhielten Erkrankte mit schlechter Prognose zunächst Docetaxel zur Androgendeprivation (ADT), folgte darauf die Addition von Androgenrezeptor-Signalweginhibitoren (ARPI) zur ADT.

Zuletzt wurden ARPI zur Kombination aus ADT und Taxan angewandt. So war etwa in der Phase-3-Studie ENZAMET nach acht Jahren noch etwa die Hälfte aller Teilnehmenden am Leben, die eine ADT, Enzalutamid und Docetaxel bekommen hatten.

 

Worauf zielte die Nachauswertung von ENZAMET ab?

Allerdings war die Gabe von Docetaxel in diesem Kontext nicht randomisiert erfolgt, sodass der wirkliche Nutzen bislang unklar blieb. Prof. Dr. Christopher Sweeney von der Adelaide University präsentierte eine Nachauswertung der ENZAMET-Daten.1 Darin verwendete eine multinationale Arbeitsgruppe den „Decipher Prostate Genomic Classifier“ (DGC), um herauszufinden, ob Docetaxel für bestimmte Risikogruppen vorteilhaft ist.

So wird der DGC-Score berechnet

Die Scores für den Classifier wurden aus der Analyse der Expression von mehr als 25.000 Genen errechnet, die mit dem Metastasierungspotenzial des jeweiligen Tumors assoziiert sind. Die Werte reichen von 0 bis 1,0. In der ENZAMET-Auswertung konnten sie für 634 Personen erhoben werden. Die Hypothese: Lediglich Werte von > 0,85 sind mit einem Überlebensvorteil durch die Zugabe von Docetaxel assoziiert.

Für etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmenden lag der DGC-Score über 0,85. In der Gesamtkohorte ging das mit einem schlechteren Überleben einher (HR 1,53; 95%-KI 1,19­–1,97; p < 0,001).

Die Kohorte, die mit ADT + Enzalutamid +/- Docetaxel behandelt worden war, umfasste 320 Personen. Bei einem Score ≤ 0,85 lebten diejenigen, die ADT + Enzalutamid erhalten hatten, länger als Personen, die zusätzlich mit Docetaxel behandelt worden waren (HR 3,02; 95%-KI 1,59–5,76; p < 0,001). Lag der Score aber über 0,85, so wurde mit der Dreifachkombination ein ähnliches OS erzielt wie bei Patient:innen unter der dualen Therapie (HR 1,08; 95%-KI 0,69–1,71) – und das, obwohl Erkrankte der Docetaxelgruppe mehrere ungünstige prognostische Eigenschaften aufwiesen. Zum Beispiel hatte ein größerer Anteil einen höheren Gleason-Score.

Die Zuverlässigkeit der Daten wurde dadurch erhöht, dass ein Propensity-Score-Matching erfolgte. Dabei gehen weitere bekannte prognostische Faktoren in die Analyse ein, wodurch sich das Fehlen einer Randomisierung teilweise kompensieren lässt.

Ein DGC-Score von mehr als 0,85 kann also Erkrankte mit mHSPC identifizieren, die von der Zugabe von Docetaxel zur ADT-Enzalutamid-Kombination profitieren. Denjenigen mit niedrigerem Score kann man dagegen die Taxan-Behandlung ersparen.

CHAARTED-Ergebnisse mit weiterem Classifier untersucht

In die gleiche Richtung gehen Ergebnisse einer Nachauswertung einer Kohorte der CHAARTED-Studie, die Sebastian R. Medina von der Emory University School of Medicine, Atlanta, vorstellte.2 Darin verwendeten er und sein Team einen weiteren Classifier, in den die Expression von Genen in Tumorgewebe einging, um das Risiko zu bewerten. Darunter befanden sich das Gen für den Androgenrezeptor sowie PTEN, FASN, und ACPP.

In der CHAARTED-Kohorte war randomisiert die Zugabe von Docetaxel zu einer ADT getestet worden. Die Ergebnisse der neuen Analyse legen nahe, dass Personen, bei denen der Classifier ein hohes Risiko prognostizierte, vom Taxan mit einem längeren Überleben profitierten (HR 0,53; 95%-KI 0,31–0,90; p = 0,018), nicht jedoch diejenigen mit einem niedrigen Risiko (HR 1,32; 95 %-KI 0,74–2,34; p = 0,34).

1. Sweeney C et al. 2026 ASCO Annual Meeting; Abstract 5001

2. Medina SR für Rahaman M et al. 2026 ASCO Annual Meeting; Abstract 5002

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