Analkrebs, HPV16 und der kleine Unterschied
Sind Analkarzinome HPV16-positiv, dann stehen die Chancen besser. Aber wie hängt die Viruslast mit dem Geschlecht zusammen, und kann ein ctDNA-Nachweis gelingen?
Bei Analkarzinomen gelten sowohl weibliches Geschlecht als auch HPV-Positivität als etablierte günstige Prognosefaktoren. Dr. Larissa Völler, Universitätsmedizin Frankfurt, stellte nun genauere Daten dazu vor, wie Geschlechtsunterschiede und die HPV16-Viruslast miteinander und mit dem Outcome nach Chemoradiotherapie zusammenhängen.1
Bei den untersuchten Gewebeproben schien weibliches Geschlecht der einzige signifikante Prädiktor für eine detektierbare HPV16-Viruslast (OR 2,7, p = 0,02). Unter den positiven Proben korrelierte wiederum das T-Stadium mit der Höhe der Viruslast, nicht jedoch das Geschlecht. Die Expertin präzisierte: „Eine frühere Erkrankung war mit einer höheren Viruslast assoziiert.“
Prognosevorteil für Frauen bestätigt
Die bereits bekannten Vorteile für biologische Frauen beim krankheitsfreien Überleben und der lokoregionären Kontrolle bestätigten sich auch in dieser Kohorte von 148 Erkrankten. In einer multivariaten Analyse erwiesen sich folgende Faktoren als prädiktiv für das Überleben ohne Therapieversagen (Failure-free Survival):
T-Stadium (T1/2 vs. T3/4)
Geschlecht
Viruslast (hoch vs. nicht detektierbar)
Hingegen ließ sich kein Unterschied zwischen Betroffenen mit niedriger, aber messbarer und solchen mit nicht detektierbarer Viruslast erkennen.
Letztlich kamen die Wissenschaftler:innen zu dem Schluss, dass die Assoziation zwischen Geschlecht und Prognose offenbar prominent über den HPV-Status vermittelt wird. Damit hängt die bessere Prognose biologischer Frauen aus ihrer Sicht eng mit der HPV-assoziierten Tumorbiologie zusammen.
Nachweis von ctDNA im Blut gelang bei der Hälfte
Ein Team um PD Dr. Daniel Martin, Universitätsklinikum Frankfurt, strebte wiederum an, den HPV16-Status minimalinvasiv im Blut zu bestimmen und künftig eventuell als Prognosemarker zu nutzen.2 Sie untersuchten dazu Blutproben von 53 Erkrankten mit überwiegend frühem Analkarzinom, die eine Standard-Chemoradiotherapie mit 5-Fluorouracil und Mitomycin C erhielten, wiederholt auf virale ctDNA. Diese wurden jeweils vor Beginn der Behandlung, unmittelbar nach deren Abschluss, bei der ersten Kontrolluntersuchung und bei einem eventuellen Rezidiv entnommen.
Zunächst einmal stellten die Forschenden fest, dass sich in der prätherapeutischen Probe nur bei der Hälfte (27/53 Teilnehmenden) mittels digitaler PCR HPV16-ctDNA nachweisen ließ. Die Wahrscheinlichkeit dafür stieg mit dem Tumorvolumen (OR 1,95; p = 0,028) sowie bei biologisch weiblichem Geschlecht (OR 3,73; p = 0,036). Die Höhe der ctDNA-Konzentration bei Positiven korrelierte hingegen ausschließlich mit dem Tumorvolumen.
Es rezidivierten die, die positiv blieben
Auch ein Zusammenhang mit der Prognose deutete sich an. Zunächst einmal schien eine hohe Ausgangskonzentration der ctDNA mit der Entwicklung von Fernmetastasen assoziiert zu sein (p = 0,021). Der Referent mahnte aber, dies mit Vorsicht zu interpretieren: „Das ist durch zwei, drei Patienten getrieben, die eine hohe Viruslast hatten.“ Für aussagekräftiger hält er, dass die beiden Untersuchten, die nach der Therapie immer noch messbare ctDNA aufwiesen, relativ schnell ein Fernrezidiv entwickelten. Nur eine zunächst negative Person wurde in Folgeuntersuchungen wieder positiv – und erhielt später die Diagnose eines p16-positiven Oropharynxkarzinoms.
Diese Proof-of-Concept-Daten wollen die Forschenden nun in der Kohorte der RADIANCE-Studie bestätigen. Sollte dies gelingen, stellt sich laut Dr. Martin die Frage, ob man bei fehlender ctDNA-Clearance zusätzliche Behandlungen durchführen oder die Nachsorge intensivieren sollte.
1. Völler L et al. 32. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie; Abstract VS05-6-jD
2. Martin D et al. 32. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie; Abstract VS05-4-jD