Konflikte zwischen Leitlinie und Lebensrealität

Leitliniengerechte Medizin kann doch falsch sein

Jahrestagung 2026*
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|Lesezeit: 5 Min
Leitlinien können individuelle Lebensumstände und Bedürfnisse nur eingeschränkt abbilden.

Die Leitlinie verrät klar, was zu tun ist? Drei Fallbeispiele zeigen, dass sich das in der Praxis nicht immer so einfach gestaltet. Warum Ärzt:innen weitere Faktoren berücksichtigen müssen, um die individuell beste Entscheidung zu treffen.

„Richtige Medizin fängt mit der Leitlinie an, aber sie hört dort nicht auf“, postulierte Dr. Fausta Ribezzo, Vivantes-Klinikum Neukölln. Sie erläuterte anhand dreier Beispiele, wo Leitlinien an ihre Grenzen kommen oder sogar mit dem Patient:innenwohl kollidieren.

Fall 1: Hochbetagte Patientin will letztes Mal an die Ostsee

Der erste Fall betrifft eine 92-Jährige mit rasch fortschreitendem Weichteilsarkom, das bereits bei Erstdiagnose pulmonal metastasiert war und zunehmend Atemnot unter Belastung verursachte. Als Komorbiditäten wies sie u. a. eine Herzinsuffizienz mit einer Auswurffraktion von 40 % auf. In zwei Wochen stand eine Ostseereise mit ihrem Sohn an, die eine Familientradition darstellt. „Für sie ist wirklich relevant, das zu schaffen“, kommentierte die Kollegin.

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