Tumorprävalenz variiert zwischen Prädiabetes-Subtypen
Menschen mit Prädiabetes können je nach Risiko in verschiedene Subphänotypen eingeteilt werden. Diese Cluster unterscheiden sich offenbar auch hinsichtlich der Tumorprävalenz und -inzidenz.
Ein Prädiabetes geht mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Neoplasien und Gesamtmortalität einher. Wie Judith Seigner vom Helmholtz Zentrum München im Rahmen einer Postersession berichtete, lässt sich der Prädiabetes in sechs verschiedene metabolische Subphänotypen – sogenannte Cluster – unterteilen, die sich je nach Risiko unterscheiden.
Die fünf Prädiabetes-Cluster
Forschende identifizierten sechs Prädiabetes-Subtypen, die sich in der Krankheitsentstehung, dem Risiko für Diabetes und dem Risiko für Folgeerkrankungen unterscheiden. Cluster 3, 5 und 6 weisen eine erhöhte Glykämie auf, aber nur Personen in den Clustern 5 und 3 haben ein unmittelbar erhöhtes Diabetesrisiko. Im Gegensatz dazu haben Personen im Cluster 6 ein moderates Risiko für Typ-2-Diabetes, jedoch ein erhöhtes Risiko für Nierenerkrankungen und Gesamtmortalität.
Wagner et al. Nat Med 2021; 27:49-57; doi: 10.1038/s41591-020-1116-9
Seigner und Kolleg:innen untersuchten im Rahmen einer neuen Studie clusterspezifische Unterschiede in der Gesamt- sowie organspezifischen Tumorinzidenz. Die Forschenden schlossen 2.260 Menschen ohne manifesten Diabetes aus der Malmö Diet and Cancer Study ein, die etablierten Prädiabetes-Clustern zugeordnet waren. Die Teilnehmenden wurden retrospektiv und prospektiv über median 10,6 Jahren nachbeobachtet.
Mehr Uterustumoren in den Clustern 4 und 6
Die Gesamtprävalenz von Tumoren betrug 21,6 %. Sie war in Cluster 6 erhöht (OR 1,71; p = 0,012). Die Wissenschaftler:innen untersuchten zudem die Prävalenz verschiedener Krebsarten und fanden diesbezüglich Unterschiede: So wurden Uterustumoren mit rund 25 % im Cluster 6 am häufigsten beobachtet. Gegenüber Cluster 2 ergab sich eine Odds Ratio der Prävalenz von 3,13 (p < 0,001). Eine Tendenz gab es auch für eine höhere Prävalenz von Nierentumoren in Cluster 6 gegenüber Cluster 2 (OR 6,85; p = 0,054).
Im Vergleich zu Subphänotyp 2 waren Patient:innen im Cluster 6 zum Zeitpunkt der Erstdiagnose 6,53 Jahre jünger (p = 0,0179). Das männliche Geschlecht wiederum ging mit einem höheren Alter bei Erstdiagnose einher (p < 0,001).
Anders sah es bei der Tumorinzidenz aus: Hier hatten Teilnehmende aus dem Subphänotyp 4 mit einer Hazard Ratio von 6,96 gegenüber Cluster 2 die höchste Inzidenz für Uterustumoren (p = 0,012). Cluster 5 hingegen war im Vergleich zu 2 mit einer erhöhten Inzidenz für Pankreaskrebs assoziiert (HR 16,80; p = 0,0011). Auch das männliche Geschlecht war mit einem erhöhten Risiko für Pankreastumoren assoziiert (HR 4,28; p = 0,038).
Seigner J et al. Diabetes Kongress 2026; P11.13