Zeichen stehen auf Deeskalation

ADC erlauben bei frühem HER2+ Brustkrebs Reduktion der Chemo

ESMO Breast Cancer Congress 2026
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HER2-gerichtete ADC bewähren sich in der (Neo)Adjuvanz im Rahmen verschiedener Behandlungsansätze.

In DESTINY-Breast11 verbesserte es die pCR-Rate beim frühen HER2+ Mammakarzinom, das neoadjuvante Anthrazyklin durch Trastuzumab-Deruxtecan zu ersetzen. Jetzt untermauern Daten zur residuellen Tumorlast den klinischen Nutzen weiter. Andere Forschende verfolgten wiederum in PHERGain-2 einen responseadaptierten, zumeist chemofreien Ansatz mit neoadjuvantem Trastuzumab/Pertuzumab und T-DM1.

Angesichts effektiver zielgerichteter Optionen gibt es viele Bestrebungen, die Neoadjuvanz beim frühen HER2+ Mammakarzinom zu deeskalieren. In DESTINY-Breast11 (DB-11) ersetzten Forschende beispielsweise die Anthrazyklinkomponente der neoadjuvanten Chemotherapie durch Trastuzumab-Deruxtecan (T-DXd). Die Teilnehmenden mit behandlungsnaivem, HER2+ frühem Mammakarzinom und hohem Risiko (≥ cT3, N0–3 oder cT0–4, N1–3 oder inflammatorischem Tumor) erhielten vor der OP randomisiert:

T-DXd-THP steigerte die pCR-Rate gegenüber der konventionellen Chemotherapie von 56,3 % auf 67,3 %. Damit erreichte die Studie ihren primären Endpunkt. Aber wie sieht es mit denjenigen aus, die keine Komplettremission erreichten? Prof. Dr. Lajos Pusztai, Yale University School of Medicine, New Haven, stellte nun Daten zur residuellen Tumorlast vor.1

Wie Forschende die Tumorlast bewerten

Die Wissenschaftler:innen verwendeten den RCB-Index zur Bewertung der Tumorlast. Dabei handelt es sich um einen quantitativen Maßstab der invasiven Residualerkrankung in Brust und Axilla nach einer neoadjuvanten Therapie. Zur Vereinfachung unterschied das Team anhand validierter Cut-off-Werte vier Klassen: RCB-0 (entsprechend ypT0/pCR), RCB-1 (minimale Residualerkrankung), RCB-2 (moderate Residualerkrankung) und RCB-3 (ausgedehnte Residualerkrankung). Diese Klassifikation korreliert bei HER2+ Tumoren nach neoadjuvanter HER2-gerichteter Therapie erwiesenermaßen mit dem EFS – unabhängig vom HR-Status.

Wenn man das Behandlungsergebnis gemäß RCB-Klassen aufschlüsselt, zeigt sich mit T-DXd-THP eine klare Verschiebung gegenüber dem Kontrollarm. 81,3 % statt 69,1 % der Teilnehmenden schienen krankheitsfrei oder hatten nur eine geringe residuelle Tumorlast (RCB-0 und -1; ∆ +12,2 %). Insbesondere der Anteil Behandelter ohne Resterkrankung lag mit dem ADC höher (68,8 % vs. 57,5 %). „Wenn RCB-0 oder 1 vorliegt, haben diese Patient:innen ein sehr gutes langfristiges Outcome“, erinnerte der Experte.

Allerdings fand sich eine mittlere Tumorlast bei 10,6 % im Prüfarm verglichen zu 18,8 % mit dem anthrazyklinhaltigen Regime (RCB-2; ∆ -8,2 %). Eine ausgedehnte Resterkrankung (RCB-3) betraf in beiden Armen weniger als 5 %. Der Vorteil für das Prüfregime fand sich über zahlreiche demografische und klinische Subgruppen hinweg. Er war u. a. unabhängig von HR-Status, Lymphknotenstatus, Tumorgröße oder Krankheitsstadium.

Zusammenfassend habe neoadjuvantes T-DXd-THP in DB-11 die pCR-Rate verbessert und sich als sicher erwiesen, resümierte Prof. Pusztai. Die RCB-Analyse ergänze diese Ergebnisse und zeige, dass das Prüfregime auch das Ausmaß der Residualerkrankung bei denjenigen reduziert, die keine Komplettremission erzielen. „Der Nutzen reicht also über die pCR hinaus.“

Erste Daten zu einem responseadaptierten Vorgehen

Ein Team um Prof. Dr. Antonio Llombart-Cussac, Klinikum Arnau de Vilanova, Valencia, verfolgte wiederum in PHERGain-2 einen responseadaptierten Ansatz, der vielen Erkrankten eine Chemotherapie vollständig ersparen könnte.2 Die Teilnehmenden mit frühem HER2+ Brustkrebs erhielten zunächst bis zu acht Zyklen Trastuzumab/Pertuzumab (HP), ggf. plus Endokrintherapie (ET). Vor der OP wurde erneut eine MRT durchgeführt, und das adjuvante Vorgehen hing vom Ansprechen ab:

Somit sah das Studienprotokoll nur für Personen mit makroskopischem Lymphknotenbefall die Option einer Chemotherapie nach ärztlicher Wahl vor. Der Referent wies darauf hin, dass an der Studie ein Niedrigrisikokollektiv teilnahm: Alle schienen bei Einschluss lymphknotennegativ, hatten einen Tumor von maximal 30 mm und eine starke HER2-Expression (IHC 3+). Knapp drei Viertel der Teilnehmenden waren ER+.

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Fast zwei Drittel erreichten ohne Chemotherapie pCR

Nach der chemofreien Neoadjuvanz hatten 59,6 % (236/396 Teilnehmenden) bereits eine pCR erreicht. Die Rate lag unter HR- Behandelten ein wenig höher (63,0 % vs. 58,3 %). Im Kontrast hierzu ließ sich kein Effekt der Tumorgröße (T1 vs. T2) erkennen. Prof. Llombart-Cussac ergänzte, dass es sich in den restlichen Fällen überwiegend um Mikrometastasen handelte: „Wir hatten nur sieben Patient:innen, die die Kriterien für Arm C erfüllten und Chemotherapie zu T-DM1 erhalten konnten.“ Letztlich bekamen nur zwei Personen eine klassische Chemo.

Im Studienverlauf erhob das Team regelmäßig Patient Reported Outcomes. Nach einem Jahr hatte sich die gesundheitsbezogene Lebensqualität (gemäß EORTC-QLQ-C30) bei 42,8 % um mindestens 10 % verschlechtert. Der Kollege wies darauf hin, dass die Rate bei ER+ Erkrankten höher lag (45,2 % vs. 36,1 %): „Das hängt vermutlich mit der Endokrintherapie zusammen, die ihnen in Kombination mit HP gegeben wurde.“ Zudem erlebten Teilnehmende mit pCR nur in 37,3 % der Fälle eine relevante Verschlechterung, im Vergleich zu gut der Hälfte jener mit mikro- oder makroskopischer Resterkrankung. Das führt der Onkologe ebenfalls auf eine unterschiedlich intensive Nachbehandlung zurück.

So vertrugen Behandelte die Therapie

Das Sicherheitsprofil stimmt laut dem Referenten mit dem überein, was man von Trastuzumab/Pertuzumab und T-DM1 kennt. Fast alle Teilnehmenden erlebten unerwünschte Ereignisse, besonders oft Diarrhö, Fatigue, Arthralgien, Übelkeit und Hitzewallungen. Beschwerden vom Grad 3–5, die sich eindeutig auf die Medikation zurückführen ließen, betrafen allerdings nur 5,3 %. Eine Person starb an einer T-DM1-assoziierten Pneumonitis.

Prof. Llombart-Cussac bezeichnete die erzielte pCR-Rate als „ermutigend“, vor allem in einer Population, die auch viele HR+ Erkrankte einschließt. Die Lebensqualität schien in PHERGain-2 zudem über ein Jahr stabil zu bleiben. Der Kollege bilanzierte: „Diese responseadaptierte, chemotherapiefreie Strategie scheint klinisch umsetzbar und könnte eine individualisierte Behandlung bei ausgewählten Niedrigrisikoerkrankten ermöglichen.“ Gleichzeitig verwies er darauf, dass die primären Effektivitätsdaten zum krankheitsfreien Intervall nach drei Jahren als Voraussetzung noch ausstehen.

1. Pusztai J et al. ESMO Breast Cancer Congress 2026; LBA1

2. Llombart-Cussac A et al. ESMO Breast Cancer Congress 2026; Abstract 214O

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