Giradestrant + OFS prämenopausal so gut wie Anastrozol – aber nicht besser
Vier Wochen Giradestrant vor der OP senkten bei prämenopausalen Brustkrebserkrankten den Ki67-Wert sowohl mit als auch ohne Triptorelin effektiv. Dennoch verfehlte die PREcoopERA-Studie ihre Ziele.
Eine Unterdrückung der ovariellen Funktion (OFS) zusätzlich zu Tamoxifen/Aromataseinhibitoren verbessert bei prämenopausalen Brustkrebspatient:innen erwiesenermaßen die Prognose. Sie geht aber mit erheblichen Nebenwirkungen einher, die die Adhärenz gefährden können, schilderte Dr. Elisabetta Munzone, Europäisches Institut für Onkologie, Mailand.1 Sie und weitere Forschende beschäftigten sich in PREcoopERA u. a. mit der Frage, inwiefern potente SERD wie Giradestrant das Potenzial haben, eine OFS überflüssig zu machen.
Prüfregime wirken, Studienziel dennoch verfehlt
An der Window-of-Opportunity-Studie nahmen 231 Erkrankte mit ER+/HER2- operablem Brustkrebs teil (Stadium I–III; Ki67 ≥ 10 %). Die Teilnehmenden erhielten vor der OP 28 Tage lang Giradestrant (G), Giradestrant + Triptorelin (G+T) oder Anastrozol + Triptorelin (A+T). Primärer Endpunkt war die Veränderung des Ki67-Scores an Tag 28 gegenüber dem Ausgangswert.
Alle drei Regime senkten die Proliferationsrate gemessen am Ki67 innerhalb von vier Wochen deutlich (G -68,2 %; G+T -79,6 %; A+T -73,7 %). Einen vollständigen Zellzyklusarrest erreichten 12,5 % der Behandelten mit Giradestrant, 26,8 % mit G+T und 21,4 % mit A+T. Dennoch verfehlte die Studie ihre Hauptziele: Die Ki67-Reduktion fiel mit G+T nicht signifikant stärker aus als mit A+T (p = 0,18). Außerdem erwies sich eine Monotherapie mit dem SERD nicht als gleichwertig zur Kombination aus Giradestrant und OFS.
Die Referentin wies darauf hin, dass das Alter zum antiproliferativen Effekt von Giradestrant beizutragen schien: „In älteren prämenopausalen Patientinnen beobachtete man eine tiefere Ki67-Suppression mit Giradestrant allein.“
Ovarielle Zysten als Nebenwirkung von Interesse
Insgesamt erlebten 70,4 % der Teilnehmenden unerwünschte Ereignisse. Davon erreichten aber nur acht Fälle (3,5 %) CTCAE Grad 3; Ereignisse vom Grad 4/5 gab es nicht. Bei den schwerwiegenden Komplikationen handelte es sich um zwei ovarielle Zysten im Arm mit Giradestrant-Monotherapie und ein postoperatives thromboembolisches Ereignis mit G+T.
Dr. Munzone betonte, dass Giradestrant in prämenopausalen Frauen biologisch aktiv sei – mit oder ohne Triptorelin. Ein Zusammenhang zwischen ER-Degradation und Ki67-Reduktion bestätige den On-Target-Effekt des SERD. Die Kombination aus G+T habe die stärkste antiproliferative Wirkung erbracht, auch wenn der Unterschied gegenüber A+T die statistische Signifikanz verfehlte.
Äquivalente Wirksamkeit und Sicherheit der SERD-Monotherapie nicht bewiesen
Prof. Dr. Erica L. Mayer vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston sah die Ergebnisse kritischer.2 Präoperatives Giradestrant habe zwar vor allem in Kombination mit einer OFS einen substanziellen antiproliferativen Effekt erreicht. Die Studie scheiterte allerdings daran, die Äquivalenz einer SERD-Monotherapie zu belegen. Außerdem sieht die Diskutantin potenzielle Sicherheitsbedenken angesichts der erhöhten Estradiolspiegel, die ohne ovarielle Suppression auftreten.
Es brauche mehr Erfahrungen mit einer längerfristigen SERD-Monotherapie bei prämenopausalen Frauen, um Effektivität, Sicherheit und geeignete Zielgruppen zu beurteilen. Die Expertin schloss: „Bis diese Daten zur Verfügung stehen, sollten orale SERD bei prämenopausalen Erkrankten nur mit OFS genutzt werden.“
1. Munzone E et al. ESMO Breast Cancer Congress 2026; LBA2
2. Mayer EL. ESMO Breast Cancer Congress 2026; Invited Discussant 1O; LBA2