Neoadjuvant oder erst postneoadjuvant?

T-DXd bei operablen HER2+ Mammakarzinomen optimal timen

ESMO Breast Cancer Congress 2026
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In beiden Studien wiesen mehr als 80 % der Teilnehmenden befallene Lymphknoten auf.

Postneoadjuvant scheint T-DXd bei HER2+ frühem Brustkrebs mit Hochrisiko-Residualerkrankung effektiver als T-DM1 − das besagen Ergebnisse aus DESTINY-Breast05. In DESTINY-Breast11 erreichte wiederum ein neoadjuvanter Einsatz des ADC bei zwei Dritteln der Behandelten eine pCR.

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Aus Sicht von Prof. Dr. Dr. Giuseppe Curigliano, IRCCS Mailand, ist klar, dass das ADC Trastuzumab-Deruxtecan (T-DXd) auch bei operablen HER2+ Mammakarzinomen mit hohem Risiko Eingang in die Leitlinien finden wird. Die Frage bleibt allerdings, wo man das Konjugat am besten in das Behandlungsschema einbringt.

Für „eindeutig praxisverändernd“ hält der Experte die Ergebnisse der DESTINY-Breast05-Studie (DB05) zum postneoadjuvanten Einsatz des ADC. Darin verglichen die Forschenden 14 Zyklen von T-DXd bzw. T-DM1 für Hochrisikopatient:innen, die nach der neoadjuvanten Chemo noch einen invasiven Tumorrest in Brust und/oder axillären Lymphknoten aufwiesen. Wie Prof. Curigliano betonte, wurde hier gezielt eine Hochrisikopopulation ausgewählt. Von den Teilnehmenden hatten rund 81 % zum OP-Zeitpunkt positive Lymphknoten und circa 52 % initial eine inoperable Erkrankung.

DB05: postneoadjuvantes T-DXd senkt Rezidivrisiko um die Hälfte

Das Risiko für ein invasives Rezidiv oder den Tod sank mit dem neueren ADC um 53 % (HR 0,47; p < 0,0001). Nach drei Jahren betrug die IDFS-Rate 92,4 % gegenüber 83,7 % mit T-DM1. Alle Subgruppen profitierten, unabhängig von Faktoren wie dem initialen Tumorstadium oder der Intensität der neoadjuvanten Behandlung. Beim krankheitsfreien Überleben, dem OS und dem Risiko von Fernrezidiven und Hirnmetastasen zeigten sich ebenfalls Vorteile für T-DXd.

„Wir wissen bereits perfekt, wie wir diesen Wirkstoff managen“, kommentierte Prof. Curigliano. Die Rate von ILD/Pneumonitis betrug letztlich etwa 10 %, davon nur 0,9 % Grad 3. Kardiale Toxizitäten fielen ebenfalls gering aus. Dennoch gab es mit T-DXd insgesamt etwas häufiger Therapieabbrüche (17,9 % vs. 12,9 %).

T-DXd als neuer Standard bei residueller HER2+ Hochrisikoerkrankung

Damit etablieren die Ergebnisse T-DXd als einen neuen Standard für Erkrankte mit residueller HER2+ Hochrisikoerkrankung nach neoadjuvanter Therapie, schlussfolgerte der Onkologe. Grundsätzlich bleibe aber T-DM1 weiterhin eine Standardbehandlung: „Ich glaube nicht, dass wir allen Patient:innen T-DXd geben müssen.“ Gerade im kurativen Setting bleibe eine sorgfältige Patient:innenselektion und Toxizitätsmanagement essenziell.

DB11: T-DXd als Teil der Neoadjuvanz für fast alle Betroffenen in Stadium II und III?

Kritischer sieht Prof. Curigliano den neoadjuvanten Ansatz aus DESTINY-Breast11 für Personen mit großen Tumoren (≥ cT3) oder positiven Lymphknoten. Dabei wurde die Anthrazyklinkomponente der neoadjuvanten Chemotherapie im relevanten Prüfarm durch vier Zyklen T-DXd ersetzt. In beiden Fällen folgten vier Zyklen Taxan-Trastuzumab-Pertuzumab (THP).

Die pCR-Rate, der primäre Endpunkt, lag in der Gesamtpopulation mit T-DXd-THP bei 67,3 %, 11,2 Prozentpunkte höher als mit reiner Chemotherapie. Unabhängig vom HR-Status zeigte sich ein signifikanter Vorteil. Auch beim ereignisfreien Überleben lässt sich bereits ein positiver Trend erkennen (HR 0,56).

Experte zweifelt an Patient:innenselektion und Wahl des Endpunkts

Angesichts der im Vergleich zu DB05 breiter gewählten Einschlusskriterien (≥ cT3 und N0−3 oder cT0–4 und N1−3 oder inflammatorischer Subtyp) kommen die meisten Patient:innen im Stadium II/III infrage. Allerdings zweifelte der Referent an, dass man in der klinischen Praxis allen Betroffenen im Stadium II ein ADC geben würde, die bereits mit Chemotherapie eine gute Prognose hätten. Er stellte darüber hinaus infrage, wie gut sich die Remissionsrate als Endpunkt eignet. Kohortendaten der Deutschen Brustgruppe zufolge könnten insbesondere Erkrankte mit großen Tumoren doch noch ein Rezidiv erleiden, sodass es dennoch EFS-Daten brauche.

Grundsätzlich stehen auch für das Drittel, das eine Eskalation benötigt, mit T-DM1, Anthrazyklinen, Neratinib und/oder weiterem T-DXd wirksame Optionen zur Verfügung. T-DM1 wirke zwar auch nach T-DXd, allerdings scheine die Effektivität dann suboptimal, gab der Kollege zu bedenken.

Abfolge von ADC und THP besser verträglich als reine Chemotherapie

„Eine Sequenz aus einem ADC gefolgt von einer Chemotherapie ist weniger toxisch als Chemotherapie allein zu geben“, fasste Prof. Curigliano die Sicherheitsdaten zusammen. Beispielsweise traten weniger Ereignisse vom Grad 3 und weniger kardiale Toxizitäten als im Kontrollarm auf. Zudem gestaltet sich das Risiko einer ILD mit nur vier Zyklen des ADC geringer (2,2 % vs. 10 % in DB05).

Curigliano G. ESMO Breast Cancer Congress 2026; Vortrag „Moving ADCs to earlier lines and to the curative setting“

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