Endoskopien durch qualifizierte Pflegefachkräfte

Fachgesellschaften wünschen sich mehr Delegation

Pressemitteilung – DGVS
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Speziell qualifizierte Pflegefachkräfte könnten nach dem Willen der Fachgesellschaften künftig diagnostische Gastroskopien und Koloskopien übernehmen.

Ein Positionspapier mehrerer Fachgesellschaften eröffnet neue Perspektiven für die Patientenversorgung. Speziell geschulte Pflegefachpersonen könnten künftig diagnostische Gastroskopien und Koloskopien durchführen.

Der Bedarf an endoskopischen Untersuchungen wird durch die alternde Bevölkerung in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. Parallel dazu verstärkt sich der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen. Hinzu kommt die Krankenhausreform, die mit Umstrukturierungen und wirtschaftlichen Veränderungen einhergeht. Das Positionspapier der Task Force „Diversität und berufsübergreifendes Arbeiten“ der Sektion Endoskopie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) sowie der Deutschen Gesellschaft für Endoskopie und Aesthetische Medizin (DEGEA) adressiert diese Herausforderung durch die Delegation von diagnostischen Untersuchungen an speziell qualifiziertes nicht-ärztliches Personal.

Auf gesundheitspolitischer Ebene wird die Erweiterung der fachlichen Kompetenzen in der Patientenversorgung als Lösungsansatz befürwortet. Der Gemeinsame Bundesausschuss, die Bundesärztekammer, GKV sowie KBV begrüßen prinzipiell die Ausweitung der Kompetenzen von Pflegepersonal.

Vor diesem Hintergrund erörtern die Fachgesellschaften in ihrem Positionspapier, unter welchen Voraussetzungen die Delegation von Gastroskopien und Koloskopien an speziell ausgebildete nichtärztliche Gesundheitsberufe möglich ist. Im Blick ist insbesondere der Einsatz von Nurse Endoscopists bei Gastroskopien sowie Vor- und Nachsorgekoloskopien, wie er sich in verschiedenen Ländern etabliert hat.

Ein neues Berufsbild für Deutschland

Den Beruf Nurse Endoscopist gibt es in Deutschland derzeit nicht. Die Fachgesellschaften wünschen sich jedoch, dass dieser spezialisierte Beruf künftig Verbreitung findet. In Schweden, Großbritannien, Irland, den Niederlanden und Dänemark arbeiten etwa 700 spezialisierte Endoskopiefachpflege­personen.

Studien aus dem Ausland zeigen, dass speziell ausgebildete Pflegekräfte diagnostische Endoskopien mit vergleichbarer Qualität durchführen. Die Patientenzufriedenheit unterscheidet sich nicht signifikant von derjenigen bei ärztlicher Durchführung. Komplikationsraten sind ähnlich niedrig. Bei der Adenomdetektionsrate, die für die Früherkennung von Krebsvorstufen entscheidend ist, zeigen sich nach Korrektur verschiedener Einflussfaktoren vergleichbare Ergebnisse.

Umfassende Ausbildung als Zulassungsvoraussetzung

Die Zulassungsvoraussetzungen für die Teilnahme an einer Weiterbildung zur spezialisiert ausgebildeten Endoskopiefachpflegeperson sollten laut Positionspapier sein: Nachweis der Zulassungsurkunde zum Führen der Berufsbezeichnung Krankenschwester bzw. -pfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger oder Pflegefachfrau bzw. -mann oder der Nachweis eines abgeschlossenen grundständigen Pflegestudiums oder eines abgeschlossenen Studiums zum Physician Assistant sowie mindestens drei Jahre Tätigkeit in der Endoskopie in Verbindung mit dem Nachweis über den Abschluss der zweijährigen Fachweiterbildung Endoskopie.

Die Ausbildung soll an Hochschulen stattfinden und sich aus Theorie, Simulationstraining und praktischer Tätigkeit zusammensetzen. Ein Curriculum sollte sich im Zuge der angestrebten europäischen Harmonisierung der Ausbildung an bestehende Curricula anlehnen.

Die Ausbildungsinhalte umfassen Wissen, Kenntnisse sowie Fähigkeiten und Fertigkeiten, die über die Delegation von diagnostischen Gastroskopien und Koloskopien hinausgehen, um analytische Denkprozesse zu verschiedenen gastrointestinalen Krankheitsbildern zu fördern. Zu den Lehraktivitäten gehören verpflichtende Lehreinheiten in Präsenz, aber auch Online-Einheiten und Selbststudium.

Die Lernziele werden in allen drei Teilen der Ausbildung mit Examina geprüft. Mit dem Erreichen von ECTS-Punkten soll weitere akademische Bildung ermöglicht werden. Ein standardisiertes Curriculum mit europäischer Harmonisierung ist geplant. Die Verantwortlichkeit für die detaillierte Erstellung eines solchen Curriculums liegt bei der DEGEA und der Sektion Endoskopie der DGVS, die gemeinsam für die Ausbildung in Frage kommende Berufsgruppen analysieren und strukturiert begleiten.

Zur Qualitätssicherung sollen Daten wie Untersuchungszahlen, Adenomdetektionsrate und Komplikationen in einem Register erfasst werden. Zur Feststellung und Sicherung geltender nationaler und europäischer Qualitätsparameter sollen diese Parameter in einem Register geführt werden. Jährliche Mindesteinsatzzahlen sollen das Qualitätsniveau sichern. Ein regelmäßiges Monitoring ermöglicht frühzeitige Qualitätskorrektionen und ggf. Nachschulungen.

Rechtliche Klärung erforderlich

Konkrete rechtliche Rahmenbedingungen für die Delegation existieren in Deutschland derzeit nicht. Nach § 28 Abs. 1 Satz 2 SGB V umfasst die ärztliche Behandlung auch die Hilfeleistung anderer Personen, die ärztlich angeordnet oder seitens einer Ärztin oder eines Arztes zu verantworten ist. Dass die Delegation an sich zulässig ist, ergibt sich somit aus dem Gesetz. Allerdings existiert gerade für die Delegation der Gastroskopie und Koloskopie an spezialisiert ausgebildete Endoskopiefachpflegepersonen keine eindeutige Rechtsgrundlage, die eine sichere Delegation abschließend regelt.

Die am Positionspapier beteiligten Fachgesellschaften sprechen sich für ein Gutachten zur rechtssicheren Umsetzung aus, auch bezüglich der Vergütung im stationären und ambulanten Bereich. Ein Rechtsgutachten zur detaillierten Erörterung der Rahmenbedingungen erscheint seitens der Sektion Endoskopie der DGVS zwingend erforderlich, um sowohl für den delegierenden Arzt oder die delegierende Ärztin als auch für die spezialisiert ausgebildete Endoskopiefachpflegeperson eine rechtskonforme Grundlage zu schaffen. Zudem werden multizentrische Studien zur Überprüfung von Sicherheit und Qualität empfohlen.

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