HPV-Screening: Ärztlicher Abstrich offenbar unnötig
HPV-Tests an Menstruationsblut scheinen gemäß einer chinesischen Studie ähnlich akkurat wie an einer gynäkologischen Probe. Eine solche nichtinvasive Strategie könnte zukünftig Barrieren für die Früherkennung von Zervixkarzinomen senken.
Für die Früherkennung intrazervikaler Krebsvorstufen (CIN) braucht es offenbar nicht zwangsläufig einen ärztlichen Abstrich – zu diesem Schluss kamen chinesische Forschende um Prof. Dr. Xun Tian, Huazhong University of Science and Technology, Wuhan. Im Rahmen einer Studie testeten sie in Minipads aufgefangenes Menstruationsblut auf HPV.
Die Wissenschaftler:innen schlossen 3.068 Frauen zwischen 20 und 54 Jahren mit regelmäßigem Zyklus ein. Von allen Teilnehmenden wurden drei Proben erhoben: Menstruationsblut und ein ärztlicher Zervixabstrich für HPV-Tests sowie eine Probe für die Dünnschichtzytologie (ThinPrep). Falls eine dieser Untersuchungen positiv ausfiel, folgte eine Kolposkopie mit Zervixbiopsie.
Wie erfolgte die standardisierte Probenentnahme?
Den Frauen wurden Minipads ausgehändigt, die sich auf herkömmlichen Binden anbringen lassen. Außerdem bekamen sie einen sterilen Probenbehälter und schriftliche Anweisungen. Sie waren aufgefordert, Menstruationsblut in der Einlage aufzufangen und die Probe entweder an lokales Gesundheitspersonal zu übergeben oder per Post zu schicken.
Der Minipad-basierte HPV-Test erreichte eine Sensitivität von 94,7 % für CIN vom Grad 2 oder höher, quasi identisch zum konventionellen Virusnachweis (92,1 %; p = 1,00). Die Spezifität der neuen Methode lag etwas geringer (89,1 % vs. 90,0 %; p = 0,001), aber positiver (9,9 % vs. 10,4 %) und negativer Vorhersagewert (jeweils 99,9 %) unterschieden sich nicht signifikant.
Mit beiden Verfahren der HPV-Detektion kamen etwa zehn Kolposkopien auf einen Nachweis einer hochgradigen Krebsvorstufe (10,1 vs. 9,6; p = 0,82). Damit fiel die Screeningeffizienz ähnlich aus. Insgesamt erwiesen sich 11,0 % der Teilnehmenden als HPV-positiv, 3,5 % waren mit den Hochrisikostämmen HPV 16 und/oder 18 infiziert. Unter Frauen, die eine Kolposkopie erhielten, entdeckten die Ärzt:innen 37 hochgradige CIN und ein invasives Zervixkarzinom.
Selbsttestung könnte Hemmschwelle senken
HPV-Tests an Menstruationsblut böten eine standardisierte, nichtinvasive Alternative zur bisherigen Praxis, resümieren die Wissenschaftler:innen. Sie weisen darauf hin, dass eine solche selbstständige Probenentnahme u. a. mehr Privatsphäre bietet und so potenziell kulturelle und psychologische Barrieren überwindet. Sie böte auch eine Alternative, wenn Berechtigte medizinische Versorgung schwer erreichen, und reduziere den Bedarf an spezialisierten Ressourcen sowie die Kosten eines Screeningprogramms. Damit handelt es sich aus ihrer Sicht um einen praktischen Ansatz, um den Zugang zur Zervixkarzinom-Früherkennung zu verbessern.
Tian X et al. BMJ 2026; DOI: 10.1136/bmj-2025-084831