Vorsicht, Interaktionen mit OTC-Produkten!

Paracetamol und PPI beeinflussen die Wirkung von CPI

37. Deutscher Krebskongress
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Auch rezeptfrei verkäufliche Medikamente können mit Immuntherapien interagieren.

Werden CPI zusammen mit anderen Medikamenten eingesetzt, ist Vorsicht geboten. Zum Beispiel können sie mit Paracetamol und PPI interagieren. Das ist insofern problematisch, als beide für Patient:innen ohne Rezept erhältlich sind.

Dass Antibiotika und Glukokortikoide einen Einfluss auf Immuntherapien haben können, ist bekannt. Weniger erforscht sind die Interaktionen mit Paracetamol und Protonenpumpeninhibitoren (PPI), konstatierte Lars Gubelt, Apotheker der onkologischen Pharmazie, Evang. Kliniken Essen-Mitte. Das stelle ein besonderes Problem dar: Beide Medikamente sind Over-the-Counter-Produkte und damit rezeptfrei verfügbar.

Bei Paracetamol kennt man den Mechanismus der Interaktion bislang nicht. Der Referent vermutet aber, dass die Substanz die Proliferation von Immunzellen beeinträchtigt. Das sei aber womöglich nur bei längerer Gabe und höheren Dosen relevant, z. B. ab 4.000 mg/Woche.

PPI wiederum beeinflussen das Mikrobiom. Ihr Einsatz bei Erkrankten unter CPI-Therapie steigert laut einem systematischen Review mit Metaanalyse das Progressionsrisiko um 12 % und das für den Tod um 18 %. Dabei scheint die Gabe von PPI vor Beginn der CPI-Behandlung besonders problematisch zu sein.

Die verschiedenen Interaktionsphasen

Insgesamt gebe es drei Phasen der Interaktion, erklärte Gubelt. Die pharmazeutische Phase, das heißt von der Applikation bis zum Zerfall des Arzneistoffs/Auflösung des Wirkstoffs, sei bei der Therapie mit CPI irrelevant - vorausgesetzt, die Herstellung und Applikation erfolgen sachgerecht. Gleiches gelte für die pharmakokinetische Phase, in der es zur Resorption und Verteilung des Medikaments kommt.

Beim Metabolismus von CPI seien weder Phase-I-Reaktionen, beispielsweise CYP-Enzyme, noch Phase-II-Reaktionen, zum Beispiel UDP-Glucuronosyltransferasen, beteiligt. Der Abbau erfolge rein katabol über die Proteolyse.

Anders aber sieht es in der pharmakodynamischen Phase aus: Hier kommt der CPI am Wirkort an und übt seinen pharmakologischen Effekt aus. Und genau dann kann es zu relevanten Interaktionen kommen.

Diese Medikamente sollte man außerdem vermeiden

Gubelt gab einen Überblick, welche weiteren Medikamente sich negativ auf Immuntherapien auswirken:

Es gibt aber auch positive Interaktionen, wie der Apotheker berichtete. Eine davon sei die zwischen CPI und Metformin. In einer Real-World-Studie fanden sich zumindest Hinweise, dass sich die Substanz bei Patient:innen mit fortgeschrittenem NSCLC positiv auswirkt. Morphin hingegen hatte einen negativen Effekt auf das OS.

Eine Frage, mit der Gubelt in der Apotheke häufig konfrontiert wird, ist die nach der Misteltherapie unter CPI. Aufgrund der bisherigen Datenlage lautet sein Fazit zu der Kombination: „Das können Sie machen!“

Zuletzt wies der Referent darauf hin, dass Fachinformationen im Hinblick auf Wechselwirkungen oftmals veraltet sind und nur auf den Daten von Zulassungsstudien beruhen. Prospektive randomisierte Studien zu Interaktionen gebe es kaum, sondern es handele sich oftmals um retrospektive Real-World-Daten.

Datenbanken für Arzneimittelinteraktionen

-    Lexicomp/UpToDate

-    Drugs.com

-    ABDA-Datenbank

-    AiD Klinik

Datenbankauskünfte seien aber oft unvollständig oder zu weit gefasst, meinte Gubelt.

Gubelt L. 37. Deutscher Krebskongress 2026; Vortrag „Was nehmen Sie sonst noch? Komedikation und Immuntherapie“