Unabhängig von der Cisplatineignung

ADC und Checkpoint-Inhibitor verhindern Rezidive beim MIBC

Aus der Fachliteratur
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Urothelkarzinome wie das gezeigte sind die häufigste Form eines Blasentumors.

Die Kombination aus Enfortumab-Vedotin und Pembrolizumab scheint auch für cisplatingeeignete MIBC-Erkrankte eine gute Wahl. In KEYNOTE-B15/EV-304 senkte die perioperative Behandlung das Ereignisrisiko gegenüber Chemotherapie um fast die Hälfte.

Personen mit muskelinvasivem Blasenkarzinom (MIBC) haben trotz neoadjuvanter Behandlungen ein hohes Rezidivrisiko. Bei metastasierten Urothelkarzinomen überzeugte bereits eine Kombination aus Enfortumab-Vedotin (EV) und Pembrolizumab, ebenso bei MIBC-Erkrankten, die vor der Zystektomie keine platinhaltige Chemotherapie erhalten können. Ein Team um Dr. Matthew D. Galsky, Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York, testete dieses Regime nun perioperativ für cisplatingeeignete Erkrankte.

Für die Phase-3-Studie KEYNOTE-B15/EV-304 rekrutierten die Forschenden 808 Patient:innen mit MIBC (Stadium T2–T4a, N0, M0 oder T1–T4a, N1, M0) mit vorwiegend urothelialer Histologie. Sie eigneten sich sowohl für eine cisplatinhaltige Chemotherapie als auch für eine radikale Zystektomie inklusive pelviner Lymphknotendissektion. Die Teilnehmenden bekamen 1:1 randomisiert entweder eine perioperative Behandlung mit Enfortumab-Vedotin und Pembrolizumab oder neoadjuvant den Standard Cisplatin/Gemcitabin.

Enfortumab-Vedotin/Pembrolizumab gefährdet die Resektion nicht

In beiden Armen konnte ein ähnlicher Anteil der Erkrankten die Zystektomie erhalten (86,7 % mit EV/Pembrolizumab; 89,6 % mit Cisplatin/Gemcitabin). Zu einer Verzögerung der Operation kam es bei 14,6 % beziehungsweise 12,9 %. Die Rate an unerwünschten Ereignissen vom Grad ≥ 3 während und kurz nach der OP unterschied sich mit 36,2 % vs. 35,4 % ebenfalls kaum.

KEYNOTE-B15/EV-304: Sterberisiko sinkt um ein Drittel

Nach zwei Jahren lebten geschätzt 79,4 % mit EV/Pembrolizumab, aber nur 66,2 % der Chemotherapiegruppe ereignisfrei. Damit war das Risiko für ein Ereignis oder den Tod um fast die Hälfte reduziert (HR DFS 0,53; 95%-KI 0,41–0,70; p < 0,001). Auch beim Gesamtüberleben zeigte sich bereits ein signifikanter Vorteil für das Prüfregime, mit einer geschätzten Zwei-Jahres-Rate von 86,9 % vs. 81,3 % (HR 0,65; p = 0,006). Nicht zuletzt lag die Rate eines kompletten pathologischen Ansprechens mit 55,8 % gegenüber 32,5 % deutlich höher.

75,7 % in der EV/Pembrolizumab-Gruppe und 67,2 % im Chemotherapiearm erlitten unerwünschte Ereignisse vom Grad ≥ 3. Allgemein kam es mit der Prüfmedikation am häufigsten zu Pruritus, Diarrhö und Alopezie, mit Cisplatin und Gemcitabin hingegen zu Zytopenien. Gut ein Drittel der mit EV und Pembrolizumab Behandelten brach mindestens eine Medikation nebenwirkungsbedingt ab. Die häufigsten Gründe waren periphere Neuropathien sowie eine Pneumonitis.

Kaputte Haut, längeres Leben?

In einer retrospektiven Analyse gingen Hautbeschwerden, die durch Enfortumab-Vedotin verursacht werden, beim Urothelkarzinom mit einer besseren Prognose einher. Forschende werteten dazu Daten von 449 Patient:innen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom aus, die das ADC erhielten. 45,9 % erlitten kutane unerwünschte Ereignisse, am häufigsten Pruritus, unspezifizierte, desquamierende Dermatitis und morbilliforme Dermatitis.

Unter Patient:innen, die eine EV-assoziierte kutane Nebenwirkung entwickelten, lag das Risiko für Progress oder Tod um 40 % niedriger (HR 0,60). Das Sterberisiko sank sogar um mehr als die Hälfte (HR 0,46). Dies galt besonders für früh auftretende EV-assoziierte Toxizitäten und schien spezifisch gegenüber anderen Ursachen. Der Effekt hatte auch dann Bestand, wenn das Team für die Exposition gegenüber Immuntherapien korrigierte.

Lee E et al. JAMA Dermatol 2026; doi: 10.1001/jamadermatol.2026.2543

Aus Sicht der Autor:innen bestätigen die Ergebnisse perioperatives Enfortumab-Vedotin/Pembrolizumab als Option für Erkrankte mit resektablem MIBC – unabhängig von deren Eignung für Cisplatin. Die hohe Rate an Komplettremissionen lasse sogar an blasenerhaltende Strategien denken. Allerdings schien das Regime auch mehr unerwünschte Ereignisse zu verursachen als die konventionelle neoadjuvante Chemotherapie.

Galsky MD et al. N Engl J Med 2026; 395(4): 338-348; doi: 10.1056/NEJMoa2601486

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