Ovarialsonografie bleibt klinisch unverzichtbar
Trotz negativer IGeL-Bewertung ist der transvaginale Ultraschall kein überholtes Verfahren. Neue Daten belegen seine hohe diagnostische Genauigkeit und zeigen, warum die Methode für die gynäkologische Praxis essenziell bleibt.
Der transvaginale Ultraschall der Eierstöcke gehört zu den am häufigsten in Anspruch genommenen Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). 2024 nutzten rund 3,3 Millionen Frauen diese Untersuchung, so Prof. Dr. Markus Hoopmann, Leiter gynäkologische Sonografie an der Frauenklinik des Universitätsklinikums Tübingen. In der öffentlichen Diskussion werde sie häufig als „Krebsvorsorge“ bezeichnet. Das sei jedoch eine sachlich unzutreffende Verkürzung. Studien haben gezeigt, dass ein bevölkerungsweites Screening auf das Ovarialkarzinom keine Reduktion der Mortalität bewirkt. Entsprechend lehnen Fachgesellschaften ein solches Vorgehen ab.
IGeL-Monitor warnt vor Einsatz zur Früherkennung
Der IGeL-Monitor bewertet den Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung auch nach aktueller Evidenz weiterhin mit „negativ“. Begründet wird dies mit dem fehlenden Nachweis einer verminderten Sterblichkeit, selbst bei Kombination mit Tumormarkern. Zudem könne die Untersuchung zu unnötiger Beunruhigung führen: Bei etwa drei von hundert Frauen würden gesunde Ovarien infolge falsch-positiver Befunde operativ entfernt. Fachgesellschaften und der IGeL-Monitor raten daher von einer Früherkennungsanwendung ohne Symptome oder familiäre Belastung ab.
In der klinischen Praxis wird der transvaginale Ultraschall jedoch überwiegend nicht als Screening, sondern als gezielte diagnostische Methode eingesetzt, etwa zur Abklärung unklarer oder zufälliger Befunde, auch bei asymptomatischen Patientinnen, erklärt Prof. Hoopmann. Im Gegensatz zur bimanuellen Tastuntersuchung, die Ovarialveränderungen erst ab etwa fünf bis sieben Zentimetern erfasst, erlaube der Ultraschall eine deutlich frühere und präzisere Beurteilung.
Die Kritik des IGeL-Monitors sei ausschließlich auf die ungezielte Früherkennung zu beziehen. Die diagnostische Nutzung – insbesondere zur Charakterisierung sonografisch auffälliger Befunde – sei davon klar abzugrenzen.
Studien belegen diagnostische Stärke der Sonografie
Vorwürfe, die Untersuchung führe zu einer Zunahme unnötiger Operationen, fänden in Versorgungsdaten keine Bestätigung, betont Prof. Hoopmann. Laut IQTIG unterliegen gynäkologische Eingriffe einer strengen externen Qualitätssicherung; eine auffällig hohe Rate nicht indizierter Operationen werde dort nicht beobachtet.
Internationale Studien der IOTA-Arbeitsgruppe belegten eine Sensitivität und Spezifität von jeweils rund 93 % bei der Differenzierung zwischen benignen und malignen Ovarialveränderungen. Der positiv prädiktive Wert liege – abhängig vom klinischen Setting – zwischen 70 % und 90 %. Der unterstützende Einsatz künstlicher Intelligenz könnte die diagnostische Genauigkeit künftig weiter verbessern.
Die Mehrzahl der ovariellen Befunde sei gutartig, darunter Zystadenome, Teratome oder Endometriome. Eine Operation sei bei eindeutig benignem Befund in der Regel nicht erforderlich. Gerade beim Endometriom könne der Ultraschall jedoch der entscheidende Einstieg in eine frühzeitige Diagnostik einer Endometriose sein.
Eine Gesundheitsinformation zur Früherkennung von Eierstockkrebs findet man online beim IQWiG. Eine Aktualisierung ist für dieses Jahr angekündigt.