Bei mildem Asthma jetzt ICS/LABA statt Salbutamol
Leichtes Asthma ist nicht harmlos.Um das Exazerbationsrisiko zu senken, sollte man früh mit ICS/LABA als Bedarfstherapie, niedrige ICS-Dosierungen reichen meist aus. Niedrige ICS-Dosen reichen oft, um die Entzündung wirksam zu bremsen.
Ein frühes Asthma kann auch schwer sein, erklärte Dr. Anita D’Souza vom Pneumologicum Hamburg. Denn auch bei milder Ausprägung der Erkrankung besteht ein Risiko für schwere und sogar tödliche Exazerbationen. Das gilt insbesondere, wenn die beiden Biomarker Bluteosinophile und FeNO hohe Werte erreichen. Auf etwa 10–15 % der Patientinnen und Patienten mit frühem Asthma trifft diese Konstellation zu, erläuterte Dr. D’Souza. Wichtig sei daher eine zeitige antiinflammative Bedarfstherapie. Den aktuellen GINA*-Empfehlungen zufolge besteht diese aus niedrig dosierten inhalativen Kortikosteroiden plus Formoterol (ICS/LABA).
Salbutamol (SABA) als Monotherapie wird für Jugendliche und Erwachsene nicht mehr empfohlen. Es geriet unter Druck, nachdem eine erhöhte Mortalität und mehr krankenhauspflichtige Exazerbationen bei SABA-Übergebrauch festgestellt worden waren. Zudem konnten Studien zeigen, dass ICS/LABA die Exazerbationsrate deutlich besser senkt als SABA mono bei Bedarf.
Die Hinzunahme eines LABA zu ICS als Erhaltungstherapie reduzierte bei Patientinnen und Patienten mit persistierendem Asthma das Risiko für steroidpflichtige Exazerbationen gegenüber einer alleinigen höher dosierten ICS-Gabe. Zudem besserte sich die Asthmasymptomatik sowohl am Tag als auch in der Nacht deutlich und die Nutzung von SABA bei Bedarf ging zurück, ohne dass es zu mehr unerwünschten Ereignissen gekommen wäre. Weitere Vorteile der ICS/LABA-Kombination: Sie verbesserte verglichen mit höher dosierten ICS deutlicher die FEV1 und führte seltener zu einer Candidiasis.
Bei ICS wird der größte Teil der Wirksamkeit schon mit einer relativ niedrigen Dosis erreicht, erläuterte Dr. D’Souza. Eine Steigerung habe wenig Auswirkungen auf die Effektivität, führe jedoch zu mehr Nebenwirkungen. Die bislang verwendeten Begriffe niedrige, mittlere oder hohe Dosis sollten ihrer Ansicht nach ersetzt werden durch „Standard Daily Dose“. Damit ist die Dosierung gemeint, unter der 80–90 % der maximalen therapeutischen Wirksamkeit eines ICS bei Erwachsenen mit Asthma zu erwarten sind. „Das entspricht 200–250 µg Fluticasonpropionat oder Äquivalent“, erläuterte Dr. D’Souza. Mit dieser Dosis solle man in allen Stufen der Asthmatherapie starten.
Sonderregeln für jungePatientinnen und Patienten
In Stufe 2 sei bei Adoleszenten der Vorteil einer Erhaltungstherapie mit ICS/Formoterol (Track 1 gemäß GINA) gegenüber alleinigem ICS als Controller plus ICS-SABA oder SABA bei Bedarf (Track 2) nicht ganz so klar. Deshalb ist in dieser Altersgruppe beides möglich.
Bei 5- bis 15-Jährigen ist in Stufe 1 der Asthmatherapie immer noch die Bedarfstherapie mit SABA Standard. Den Ergebnissen der kontrolliert randomisierten CARE-Studie zufolge bietet ICS/LABA jedoch auch bei Kindern mit mildem Asthma Vorteile gegenüber der SABA-Bedarfstherapie: Unter Budesonid/Formoterol kam es seltener zu Exazerbationen als unter Salbutamol.
Die klinische Umsetzung der frühen ICS/LABA-Therapie hinkt den Studiendaten und Empfehlungen allerdings noch hinterher, monierte Dr. D’Souza. Zugelassene ICS/LABA-Fixkombinationen gibt es erst ab GINA-Stufe 3. Bei früherem Einsatz sind sie off-label.
* Global Initiative for Asthma
66. Kongress der DGP