Seltene Lungenerkrankung im Fokus

Bronchiolitis obliterans: Junge Menschen zeigen Stärke

Aus der Fachliteratur
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Junge Menschen mit Bronchiolitis obliterans können durchaus zupacken. Eine Studie ermittelte Griffkraft im Normalbereich.

Trotz schwerer Atemwegsverengung beweisen Kinder und Jugendliche mit Bronchiolitis obliterans erstaunliche Fitness und Lebensqualität. Eine Studie aus Barcelona zeigt: Belastbarkeit und Optimismus bleiben – selbst bei eingeschränkter Lungenfunktion.

Eine Bronchiolitis obliterans kann unter anderem nach schweren frühkindlichen Infekten des unteren Atemtrakts auftreten. Sie führt zu einer irreversiblen Verengung der kleinen Atemwege mit anhaltender Morbidität. Da sich Kinder, die an anderen chronischen Erkrankungen leiden, häufig weniger bewegen als ihre gesunden Altersgenossen, ist auch bei Bronchiolitis obliterans von einer Beeinträchtigung der körperlichen Leistungsfähigkeit auszugehen.

Bei den meisten Atemwegserkrankungen steht die kardiorespiratorische Fitness in engem Zusammenhang mit dem Grad der Obstruktion und Dyspnoe sowie mit der Lebensqualität. Für die post­infektiöse Bronchiolitis obliterans ist die Datenlage zu diesem Thema jedoch begrenzt. Das wollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um ­Fernanda ­Salazar ­Pérez­ von der Universitat Internacional de Catalunya in Barcelona ändern.

Kardiorespiratorische Fitnessals Maß der Dinge

In ihre multizentrische Querschnittstudie bezogen sie die Daten von 51 klinisch stabilen 6- bis 20-Jährigen mit Bronchiolitis obliterans ein. Die Kinder und Jugendlichen absolvierten ein breites diagnostisches Spektrum, das Spirometrie, Belastungsuntersuchungen, Muskelkraftmessungen sowie Fragebogen zu Aktivität und Lebensqualität umfasste. Primäre Zielgröße war die kardiorespiratorische Fitness, gemessen über den VO2peak-Wert.

Es zeigte sich, dass die Teilnehmenden eine mittelschwere bis schwere Lungenfunktionsstörung aufwiesen: Mit einem durchschnittlichen Z-Score von -3,55 lag die FEV1 deutlich unter dem Soll. Zudem bestand ein erhöhter Atemwegswiderstand. Der durchschnittliche VO2peak-Wert war mit 36,8 ml/min/kg ähnlich reduziert wie bei Kindern mit Asthma. Dennoch lag die anaerobe Schwelle im Verhältnis zur maximalen Sauerstoffaufnahme noch bei knapp 60 %, was auf eine gute Ausdauerleistung hindeutet. 84 % der Teilnehmenden erreichten unter maximaler Belastung lediglich eine niedrige Atemreserve von ≤ 15 %, bei 45 % war die Atemreserve sogar vollständig aufgebraucht. 16 Kinder und Jugendliche beendeten den Test mit einer Sauerstoffsättigung von ≤ 90 %, bei drei von ihnen fiel sie auf ≤ 85 %.

Die Kraft in den Extremitäten und die funktionelle Kapazität waren gut. So betrug die Griffkraft im Schnitt 49 kg, im 30-Sekunden-Sit-to-Stand-Test brachten es die jungen Patientinnen und Patienten auf durchschnittlich 27,2 Wiederholungen. Die körperliche Aktivität aller Teilnehmenden wurde insgesamt jedoch als sehr niedrig bis niedrig eingestuft.

Nur moderate Einbußen bei der Lebensqualität

Die Lebensqualität erwies sich mit durchschnittlich 20,1 Punkten im St. George’s Respiratory Questionnaire (SGRQ) als lediglich moderat beeinträchtigt. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden gab an, keinerlei Atemnot zu verspüren – außer bei intensiver körperlicher An­strengung.

In einer multivariaten Analyse zeigte sich, welche Faktoren signifikant mit der kardiorespiratorischen Fitness in Zusammenhang stehen: Neben der FEV1 waren dies der BMI, weibliches Geschlecht, Alter und die Lebensqualität.

Salazar Pérez F et al. ERJ Open Res 2025; 11: 00181-2025; doi: 10.1183/23120541.00181-2025

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