Mehr Screening-CTs durch digitale Aufklärung
Das Lungenkrebs-Screening mittels Thorax-CT wird noch viel zu seltenen von Hochrisikopatientinnen und -patienten wahrgenommen. Eine digitale Aufklärung könnte dafür sorgen, dass diese Rate ansteigt.
Obwohl das Lungenkrebs-Screening das Überleben erheblich verbessern kann, nehmen in den USA weniger als 20 % der Berechtigten daran teil. Gründe hierfür sind unter anderem fehlendes Bewusstsein und wenig Zeit für die gemeinsame Entscheidungsfindung bei Arztbesuchen. Hinzu kommen Risiken wie etwa falsch-positive Ergebnisse, schreibt ein Team um Dr. David Miller von der Wake Forest University School of Medicine in Winston-Salem, North Carolina. Potenzial bieten digitale Gesundheitsprogramme: Sie könnten die Nutzenden über das Lungenkrebs-Screening und dessen Risiken informieren und bei einer fundierten Entscheidungsfindung unterstützen. Die Forschenden entwickelten hierfür das digitale Gesundheitsprogramm mPATH-Lung. Dessen Effekt untersuchten sie nun in einer randomisierten klinischen Studie, zu der sie knapp 27.000 frühere oder aktive Raucherinnen und Raucher elektronisch einluden.
Von diesen nahmen 1.333 Personen teil (Altersdurchschnitt 60,7 Jahre; 65 % Frauen). Über die Studienwebseite wurden sie per Zufallsprinzip entweder der Intervention mit dem digitalen Gesundheitsprogramm mPATH-Lung (n = 669) oder einer Standardversorgung (n = 664) zugeteilt. Das digitale Programm bestand aus einem Aufklärungsvideo über Vor- und Nachteile des Screenings, einer Entscheidungshilfe und der Möglichkeit, direkt einen Screening-Termin in der Lungenklinik zu vereinbaren. Die Kontrollgruppe erhielt neben einem kurzen Video über Lungengesundheit auf der Website einen Hinweis, dass sie für das Screening berechtigt ist, und wurde gebeten, das Thema hausärztlich zu besprechen. Die primäre Zielgröße war die Durchführung einer Thorax-CT innerhalb von 16 Wochen.
Das digitale Programm führte zu signifikant mehr Screenings: In der Interventionsgruppe unterzogen sich 24,5 % der Personen einer Thorax-CT, bei den Kontrollen waren es 17 % (Odds Ratio, OR, 1,6). Da das Ergebnis auch CT-Untersuchungen abseits der Früherkennung von Lungenkarzinomen umfasste, führte das Team eine Sensitivitätsanalyse nur für Screening-CTs durch. Hier war der Unterschied ebenfalls signifikant (22,4 % vs. 14,3 %; OR 1,7). Die Auswertung der sekundären Endpunkte zeigte unter anderem, dass sich die Raten der krebsverdächtigen und falsch-positiven Befunde in beiden Gruppen nicht signifikant unterschieden.
In einem Editorial loben Dr. Lauren Kearney vom Boston Medical Center und ihre Kolleginnen zwar die Steigerung der Screening-Quote auf nahezu 25 % der Berechtigten, im Vergleich zu anderen Krebs-Screenings sei diese jedoch noch immer niedrig. Zudem wurden nur 12 % der Eingeladenen überhaupt erreicht. Dies unterstreicht den Bedarf an umfassenderen und inklusiveren Ansätzen, um den Zugang zum Screening zu fördern.
Miller DP et al. JAMA 2025; doi: 10.1001/jama.2025.17281
Kearney L et al. JAMA 2025; doi: 10.1001/jama.2025.15204