Biomarker bei Asthma

Eosinophile und FeNO warnen vor Exazerbationen

22. Pneumologie-Update-Seminar
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Erhöhte Eosinophilenzahlen und FeNO-Werte signalisieren drohende Asthmaexazerbationen

Erhöhte Eosinophilenzahlen und FeNO-Werte signalisieren drohende Asthmaexazerbationen – unabhängig von der Symptomwahrnehmung. Die beiden Biomarker spielen zunehmend eine zentrale Rolle für das moderne Asthmamanagement.

Wird ein Asthma nicht adäquat behandelt, steigt das Risiko für eine Verschlechterung der Lungenfunktion und für Exazerbationen. Um diese Situation frühzeitig erkennen und gegensteuern zu können, sollte man von Anfang an regelmäßig Bluteosinophile und FeNO messen. Die Werte müssen immer im Kontext möglicher Störfaktoren interpretiert werden.

Eosinophile Granulozyten im Blut und das Stickoxid im Atemexhalat (FeNO) sind die beiden wichtigsten Biomarker in der Pneumologie. Beim Asthma werden sie künftig eine immer größere Rolle spielen, prophezeite Prof. Dr. ­Roland ­Buhl, Universitätsmedizin Mainz. Beide sind relevant für Diagnose, Phänotypisierung, Prognose (d. h. Exazerbationsrisiko, Abnahme der Lungenfunktion), Auswahl der Medikamente sowie Therapieansprechen und -anpassungen im Krankheitsverlauf. Folgerichtig heißt es nun auch in den GINA*-Empfehlungen 2025 für das gesamte Asthmamanagement: consider biomarkers. „GINA ist ja ganz streng evidenzbasiert. Deshalb wird uns immer wieder vorgeworfen, dass wir ein bis zwei Jahre hinter den aktuellen Entwicklungen herhinken“, so Prof. Buhl. Doch nun gebe es solide Evidenz.

Metaanalyse verglichnur Placebogruppen

Im Rahmen der Metaanalyse ­ORACLE 2 haben sich Forschende jeweils die Kontrollgruppen von 22 randomisierten, kontrollierten Studien angesehen. „Das ist eine ganz unschuldige Studie, es bestand keinerlei Einfluss durch neue Therapien“, betonte Prof. Buhl. Berücksichtigt wurden die Daten von 6.513 Patientinnen und Patienten mit mittel- bis schwergradigem Asthma, die außer Placebo lediglich eine inhalative Therapie erhielten.

Kassen sollen die FeNO-Messung zahlen

Derzeit ist die FeNO-Messung eine individuelle Gesundheitsleistung. Angesichts der Relevanz des Biomarkers laufen derzeit Verhandlungen mit den KVen und Krankenkassen, um die FeNO-Messung zur Regelleistung zu machen, so Prof. Buhl. Bis es so weit ist, könne es aber noch anderthalb Jahre dauern.    

In 5.482 Personenjahren kam es zu 4.615 schweren Asthmaexazerbationen (annualisierte Rate: 0,84). Erhöhte Bluteosinophile (Risk Ratio, RR, 1,48) und erhöhte FeNO-Werte (RR 1,44) waren mit einem gesteigerten Exazerbationsrisiko verbunden. Bei weiteren prognostischen Faktoren, da­runter stattgehabte Exazerbationen (ja vs. nein, RR 1,94), Asthmaschweregrad (schwer vs. moderat, RR 1,57), reduzierte FEV1 (pro 10 % Abnahme, RR 1,11) und der Asthma ­Control Questionnaire Score (pro 0,5 Punkte Zunahme, RR 1,10), war der Zusammenhang schwächer. In Kombination bestand für Eos und ­FeNO ein größeres Risiko als für die beiden prognostischen Parameter allein. „Die Korrelation ist ganz klar: Je höher die Eosinophilenzahlen und je höher das FeNO, umso höher das Risiko Ihres Patienten, dass er mittel- oder langfristig ins Messer läuft.“

Als Wert, bei dem das rote Licht angehen müsse, erwiesen sich 300 Eos pro µl Blut. Die kritische ­FeNO-Schwelle lag in der Meta­analyse bei ≥ 35 ppb. Welcher Wert als hoch anzusehen ist, macht GINA von der Medikation abhängig: ICS-naiv (> 50 ppb), unter Therapie mit mittelhohen ICS-Dosen (≥ 25 ppb) und unter Therapie mit hohen ICS-Dosen (≥ 20 ppb).

Betroffene überschätzenoft ihre Asthmakontrolle

„Diese beiden einfach zu messenden Biomarker sind in der Lage, unmittelbar und sehr klar vorherzusagen, ob wir unseren Patienten im Griff haben oder ob da noch Handlungsbedarf besteht.“ Das Urteil sei zudem unabhängig davon, ob es der- oder demjenigen subjektiv gut gehe. Viele überschätzten ihre Asthmakontrolle, denn es gehe ihnen dank der Therapie oft deutlich besser als vorher, aber eben noch immer nicht gut. Reißen die Werte die Schwellen, muss – unter Berücksichtigung der weiteren genannten Faktoren – die antiinflammatorische bzw. bronchodilatatorische Medikation angepasst oder ggf. über ein Biologikum nachgedacht werden, so Prof. Buhl.

Diese Faktoren können Eosinophilenzahlen und FeNO-Werte beeinflussen

Eosinophilenzahlen höher

FeNO-Werte höher

bei Männern als bei Frauen

bei Männern als bei Frauen

am Morgen als am Nachmittag

am Nachmittag als am Morgen

bei aktuellem Zigarettenkonsum

bei allergischen Erkrankungen (z. B. atopische ­Dermatitis, allergische ­Rhinitis)

bei Parasiten-Infektionen (z. B. Wurmbefall)

nach Allergenexposition bei sensibilisierten ­Personen

bei allergischen Erkrankungen (z. B. atopische Dermatitis, ­allergische Rhinitis)

 

bei anderen eosinophilen ­Erkrankungen (z. B. eosinophile Bronchitis, EGPA)

 

Eosinophilenzahlen niedriger

FeNO-Werte niedriger

bei Therapie mit oralen, aber auch mit inhalativenKortikosteroiden

bei aktivem Zigarettenkonsum, bei eingeschränkter Lungenfunktion und unter Therapie mit inhalativen, aber auch oralen und nasalen Kortikosteroiden

Allergenexposition kanndie Werte beeinflussen

Beide Biomarker sollten langfristig immer wieder gemessen werden. Wichtig zu wissen ist dabei, dass Faktoren wie Alter, Geschlecht, Tageszeit der Blutabnahme bzw. Messung, Raucherhistorie und bei sensibilisierten Personen auch Allergenexposition die Werte beeinflussen können (siehe Tabelle).

* Global Initiative for Asthma

22. Pneumologie-Update-Seminar