Höhenmedizin

Bergtouren gehen auf die Lunge

Aus der Fachliteratur
|Erschienen am: 
|Lesezeit: 2 Min
Beim Bergwandern lässt es sich zwar frei atmen, doch kann der niedrigere Luftdruck in der Höhe den Lungenkreislauf belasten.

Schon ab einer Höhe von 2.000 m steigt bei Gesunden der pulmonalarterielle Druck. Patientinnen und Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen, die einen Bergurlaub oder eine Flugreise planen, sollten entsprechend beraten werden.

Steile Aufstiege und schneebedeckte Gipfel locken viele Menschen ins Gebirge, die ansonsten im Flachland leben. Doch große Höhen bergen Gefahren für das Herz-Kreislauf-System, das sich in kurzer Zeit den dort herrschenden Druckverhältnissen anpassen muss. Welche hämodynamischen Veränderungen beim spontanen Aufenthalt in größerer Höhe nicht mehr als physiologisch gelten, untersuchten Forschende um ­Eva ­­Wagner von der Klinik für Pneumologie am Universitätsspital Zürich.

Was passiert in höheren Lagen mit dem Lungenkreislauf?

Auf den niedrigeren Luftdruck im Gebirge und den damit einhergehenden geringeren Sauerstoffgehalt der Atemluft reagiert der menschliche Organismus unmittelbar mit hämodynamischen Anpassungsvorgängen: Es tritt eine hypoxische pulmonale Vasokonstriktion ein, auch als Von-Euler-Liljestrand-Mechanismus bekannt. Diese Anpassung hat das Ziel, den Ventilations-Perfusions-Quotienten zu optimieren und die Sauerstoffversorgung der lebenswichtigen Organe zu gewährleisten. Dabei nimmt der pulmonalarterielle Druck (PAP) zu, zusätzlich verstärkt durch die Sympathikusaktivierung mit Steigerung von Puls und Herzauswurfleistung. Bei einer übermäßigen pulmonalen Vasokonstriktion droht allerdings eine akute Höhenkrankheit, die schlimmstenfalls in ein Lungenödem mündet.

Anhand einer Metaanalyse von 60 Studien untersuchte die Arbeitsgruppe, wie sich der Lungenkreislauf innerhalb von 30 Tagen nach dem Aufstieg auf mehr als 1.000 Meter Höhe verändert. Dafür zogen sie den systolischen und den mittleren PAP sowie den Druckgradienten der trikus­pidalen Regurgitation (TRPG) heran. Insgesamt flossen die Daten von 1.220 gesunden Personen (75 % Männer, Durchschnittsalter 34 Jahre) mit einem dauerhaften Wohnort unterhalb von 1.000 Metern Höhe ein. Sie alle hatten innerhalb weniger Tage nach der Ankunft auf 1.336 bis 7.050 Metern Höhe bzw. während eines Aufenthalts in einer Unterdruckkammer, die die Bedingungen in bis zu 8.000 Metern Höhe simulierte, eine echokardiografische oder eine Rechtsherzkatheteruntersuchung absolviert.

Wie stark steigt der pulmonalarterielle Druck pro 1.000 Höhenmeter?

Pro 1.000 Höhenmeter nahm der systolische PAP linear im Schnitt um 3,4 mmHg, der mittlere PAP um 2,5 mmHg und der TRPG um 3,3 mmHg zu. Die Obergrenze des Normalbereichs lag gepoolt für alle drei Parameter bei 4,5 mmHg pro 1.000 Meter, so die Forschenden. Sie weisen darauf hin, dass bei der Reaktion der Lungengefäße auf Hypoxie eine erhebliche interindividuelle Variabilität besteht. Ein PAP-Anstieg tritt bei Gesunden bereits ab 2.000 Metern Höhe auf, betonen sie im Fazit. Da der Kabinendruck in Flugzeugen üblicherweise auf Werte eingestellt werde, die maximal 2.438 Metern Höhe entsprechen, müssten insbesondere Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor Flugreisen adäquat beraten werden.

Wagner EC et al. Eur Respir Rev 2026; 35: 260069; doi: 10.1183/16000617.0069-2026

Dr. Judith Lorenz

Dr. Judith Lorenz ist als freie Autorin für die Medical Tribune und die damit assoziierten Publikationen tätig. Sie bearbeitet Themen aus allen Fachbereichen der Medizin.

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