Pulmonale Hypertonie
Die Pulmonale Hypertonie (PH) ist definiert als eine chronische Erhöhung des mittleren pulmonal arteriellen Drucks (mPAP) auf ≥ 25 mmHg in Ruhe, invasiv gemessen mittels Rechtsherzkatheter (RHK).
Dadurch kommt es zu einer Druckbelastung des rechten Herzens, die im Endstadium zu einer Rechtherzinsuffizienz führt (chronisches Cor pulmonale) Die mittlere Überlebenszeit nach Diagnosestellung liegt ohne Therapie bei < 3 Jahren. Die schlechteste Prognose haben Patienten mit pulmonal-arterieller Hypertonie.
Die pulmonale Hypertonie wird in fünf Gruppen eingeteilt:
1. Pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH) (circa 3% der Patenten)
Idiopathisch (IPAH, meist jüngere Frauen)
Hereditär (verschiedene Genmutationen)
Durch Medikamente oder Toxine verursacht
PAH assoziiert (APAH) mit z.B. mit Bindegewebserkrankungen, HIV-Infektion, Portaler Hypertension, Angeborenen Herzfehlern, Schistosomiasis
Pulmonale veno-okklusive Erkrankung und/oder pulmonale kapilläre Hämangiomatose
Persistierende pulmonale Hypertonie des Neugeborenen
2. Pulmonale Hypertonie bei Linksherzerkrankung (circa 65% der Patienten)
systolische oder diastolische Dysfunktion
Klappenerkrankungen
Angeborene/erworbene Obstruktion des Linksherz-Einfluss-/Ausflusstraktes
angeborene Kardiomyopathien
Angeborene/erworbene Pulmonalvenenstenose
3. Pulmonale Hypertonie bei Lungenerkrankungen und/oder Hypoxie (circa 30%)
COPD
Interstitielle Lungenerkrankungen
Andere Lungenerkrankungen mit gemischt restriktivem und obstruktivem Muster
Schlafbezogene Atemstörungen
Alveoläre Hypoventilationssyndrome
Chronischer Aufenthalt in großer Höhe
Entwicklungsstörungen der Lunge
4. Chronische thromboembolische PH (CTEPH) (circa 2%) und andere Pulmonalarterien-Obstruktionen
CTEPH bei etwa 4% der Lungenembolien
5. PH unklarer oder multifaktorieller Genese
Hämatologische Erkrankungen (z.B. chronische hämolytische Anämie, myeloproliferative Erkrankungen, Splenektomie)
Systemische Erkrankungen (z.B. Sarkoidose, pulmonale Langerhans-Zell-Histiozytose, Lymphangioleiomyomatose
Metabolische Störungen (Glykogenspeicherkrankheiten, M. Gaucher, Schilddrüsenerkrankungen)
Andere (z.B. tumoröse Obstruktion, fibrosierende Mediastinitis, chronische Niereninsuffizienz mit Hämodialyse, segmentale PH)
ICD10-Code: I27.0, I27.2
Symptomatik
Die Symptome sind unspezifisch können anfangs sehr diskret sein. Dazu gehören:
rasche Ermüdbarkeit und abnehmende Leistungsfähigkeit
Belastungsdyspnoe
Sinustachykardie (evtl. mit Rhythmusstörungen)
Schwindel (evtl Synkope bei körperlicher Anstrengung)
diskrete Zyanose
Brustschmerzen
bei Dekompensation Zeichen der Rechtsherzinsuffizienz
Untersuchung
Auskultation:
lauter 2. Herzton über der Pulmonalisklappe
bei Dilatation des rechten Ventrikels evtl. diastolisches Geräusch über der Pulmonalklappe oder systolisches Geräusch über der Trikuspidalklappe
EKG:
EKG-Veränderungen sind kein Frühsymptom und fehlen bei 50% der Patienten mit manifester PH. Ein normales EKG schließt daher eine PH nicht aus.
Im Verlauf können folgenden Veränderungen auftreten:
Zeichen der Rechtsbelastung bzw.-hypertrophie
unspezifische Zeichen (Rechtsschenkelblock, Tachykardie, Rhythmusstörungen)
Labor
Bildgebende Verfahren:
Doppler-Echokardiographie (wichtigste Untersuchung)
Nachweis der rechtsventrikulären ventrikulären Hypertrophie und Dilatation
Abschätzung des pulmonalarteriellen systolischen Drucks
Röntgenthorax (am Anfang wenig aussagekräftig), später:
prominenter Pulomnalisbogen
erweiterte zentrale Lungenarterien
peripher fehlende Gefäßzeichnung („helle Lunge“)
Rechtsherzvergrößerung
Perfusions-/Ventilationsszintigraphie
Perfusionsausfälle sprechen für Lungenembolien
HR-Computertomographie
zum Ausschluss interstitieller Lungenerkrankungen
Angio-CT oder Pulmnalisangiographie
zum Ausschluss von Lungenembolien
Eine Rechtsherz-Katheter-Untersuchung ist immer notwendig, um die Diagnose zu bestätigen und den hämodynamischen Schweregrad zu erfassen.
Differenzialdiagnostik
Die Differenzialdiagnostik umfasst alle möglichen Unterformen der pulmonalen Hypertonie.
Pharmakotherapie und nichtinvasive Therapie
Falls möglich, sollte eine kausale Therapie erfolgen, z.B.
Antikoagulation bei IPAP oder CTEP
konsequente Behandlung einer COPD oder anderer Lungenerkrankungen
pulmonale Endarteriektomie bei CTEPH
Medikamentöse Drucksenkung (bei PAH, nicht bei PH infolge Linksherzerkrankung)
Hochdosierte Kalziumantagonisten
senken den pPAP nur bei 10% der Patienten
nur bei nachgewiesener Wirksamkeit
Prostazyklinderivate
parenteral (Teprostinil s.c., Epoprostenol i.v.)
inhalativ (Iloprost, Teprostinil)
Endothelin-Rezeptorantagonisten (ET1-Antagonisten)
Blockieren konstriktiv wirkendes Endothelin
orale Gabe
Bosentan, Ambrisentan, Macitentan
Phopsphodiesterase (PDE) 5-Inhibitoren
Verlängern vasodilatative Wirkung von NO
Sildenafil und Tadalafil für diese Indikation zugelassen
Riociguat (Oraler Guanylatcyclase-Stimulator)
Stimuliert die Bildung von cGMP und wirkt so gefäßerweiternd
für PAH und CTEPH zugelassen
Die Medikamente können auch in verschiedenen Kombinationen der Wirkstoffklassen angewandt werden. Die Therapieeinstellung sollte möglichst in einem PH-Zentrum erfolgen.
Supportive Therapie:
Diuretika bei Rechtsherzinsuffizienz und Flüssigkeitsretention
evtl. Langzeitsauerstofftherapie
evtl. Antikoagulation (z.B. IPAH)
ggf. Korrektur von Anämie und Eisenmangel
Zu den nicht-medikamentösen Allgemeinmaßnahmen bei PAH gehören:
Vermeidung einer Schwangerschaft und körperlicher Überlastung
evtl. psychologische Betreuung
betreutes körperliches Training (unter medikamentöser Therapie)
elektive Operationen möglichst nicht unter Vollnarkose, sondern unter Epiduralanästhesie
Invasive und Interventionelle Therapie
Interventionelle und chirurgische Therapien können bei konservativ nicht beherrschbaren Verläufen indiziert sein:
Ballonatrioseptotomie
therapeutischer Rechts-Links-Shunt auf Vorhofebene zur Entlastung des rechten Ventrikels
Letalität etwa 10% (evtl. als Überbrückungsmaßnahme bis zur Lungentransplantation)
Herz-Lungen-Transplantation
bei Patienten unter 50 bis 55 Jahren
Prävention
Es sollte auf einen ausreichenden Impfschutz gegen Influenza und Pneumokokken geachtet werden.
Leitlinien
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), European Society of Cardiology (ESC): Pocket-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der pulmonalen Hypertonie
Herold G et al.: Innere Medizin 2017. Eigenverlag, Köln 2017.
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