Körperliche Belastbarkeit in jungen Jahren stärkt bei PAVM im Alter
Wer in jungen Jahren sportlich aktiv ist, profitiert auch bei pulmonal-arteriovenösen Malformationen im Alter: Eine Studie zeigt, dass frühe Fitness und Anämietherapie die Belastungstoleranz langfristig stützen.
Die körperliche Leistungsfähigkeit ist ein wichtiger Indikator für die kardiovaskuläre Fitness. Gemessen wird sie in metabolischen Äquivalenten (MET). Eine Zunahme um 1 MET ist Studien zufolge mit einer deutlichen Reduktion der Mortalität verbunden. Mit dem Alter nimmt die Leistungsfähigkeit gemeinhin ab. Hannah Das vom National Heart and Lung Institute am Imperial College London und ihr Team wollten deshalb wissen, ob sportliche Betätigung in jungen Jahren möglicherweise Auswirkungen auf die Sauerstoffversorgung und körperliche Belastbarkeit im späteren Leben hat. Denn es gibt Hinweise darauf, dass die Lunge von Menschen, die in Kindheit und Jugend sportlich aktiv sind, sich besser entwickelt und – auch im Alter – anpassungsfähiger bleibt.
Für ihre Untersuchungen haben sich die Forschenden eine besonders vulnerable Population ausgesucht, nämlich Menschen mit pulmonal-arteriovenösen Malformationen (PAVM). Dabei handelt es sich um angeborene Gefäßmissbildungen der Lunge, bei denen ohne zwischengeschaltetes Kapillarbett eine direkte Verbindung (Rechts-Links-Shunt) zwischen pulmonalarteriellem und pulmonalvenösem Kreislauf besteht. Eine PAVM kann asymptomatisch verlaufen, oft wird sie deshalb erst im Alter von 50 Jahren als Zufallsbefund diagnostiziert. Doch gibt es auch eine Reihe von Symptomen, die mit der Erkrankung einhergehen können. Vor allem Anämie tritt bei Betroffenen häufig auf. Denn die meisten von ihnen leiden an hereditärer hämorrhagischer Teleangiektasie, bei der eine wiederkehrende Epistaxis und andere Blutverluste zu Eisenmangel führen.
Retrospektive Suche nach Einflussfaktoren
In die aktuelle Auswertung einbezogen wurden 65 Frauen und 20 Männer in einem mittleren Alter von 56 Jahren. Retrospektiv suchten die Forschenden nach Faktoren, die die Belastungskapazität der PAVM-Kranken beeinflusst haben könnten. Für die Selbstauskunft nutzten sie eine adaptierte Version des Veterans Specific Activity Questionnaire (VSAQ). Die erreichten Scores wurden mit den jeweiligen Krankengeschichten abgeglichen. Bei Vorstellung lag die Sauerstoffsättigung (SpO2) der Teilnehmenden zwischen 76 % und 99,8 %, drei Viertel des Kollektivs hatten entsprechende Therapien erhalten. Über 90 % wiesen eine hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie auf. Die PAVM war häufiger über ein Familienscreening oder zufällig festgestellt worden als aufgrund von klinischen Symptomen. Lediglich drei Teilnehmende hatten die Diagnose bereits vor ihrem 18. Lebensjahr erhalten.
Keinerlei Zusammenhang zwischen Fitness und SpO2
Von einer Beratung zum Thema körperliche Aktivität berichteten lediglich zwölf Betroffene. Drei von ihnen erhielten den Rat, sich zu schonen. Etwa bei der Hälfte des Gesamtkollektivs führte die angesetzte PAVM-bezogene Therapie zu einer Besserung der Belastungskapazität. Diese war mit einem medianen VSAQ-Score von 7 zum Zeitpunkt der Erhebung signifikant niedriger als im Alter von 12 oder 19 Jahren. Es zeigte sich keinerlei Zusammenhang zwischen den im Laufe des Lebens gemessenen MET und der peripheren Sauerstoffsättigung bei Präsentation. Eine stärkere Assoziation ergab sich allerdings zwischen den MET-Werten und dem Hämoglobin- bzw. arteriellen Sauerstoffgehalt. Der engste Zusammenhang zu den aktuellen MET-Werten ergab sich bei Menschen, die Anämietherapien wie Bluttransfusionen oder intravenöses Eisen benötigten; dies waren etwa 30 % des Kollektivs.
Zwischen den MET im Alter von 12 Jahren und aktuellen Werten bestand kein Zusammenhang. Doch Personen, die mit 19 Jahren höhere MET aufgewiesen hatten, brachten es auch später im Leben auf höhere Werte. Diese Assoziation blieb nach Berücksichtigung von Anämie-Indizes bestehen. Eine Berechnung für dieses Kollektiv ergab, dass der Abfall der Belastungstoleranz wegen schwerer Anämie oder im Verlauf von 30 Jahren Lebenszeit aufgefangen wird durch eine höhere Belastungskapazität beim Übergang ins Erwachsenenalter.
Behandlung der Anämienicht vernachlässigen
Ihre Studie unterstreicht erneut, wie wichtig die Behandlung der Anämie bei Menschen mit PAVM ist, so das Autorenteam. Mit regelmäßigem Training und einer guten körperlichen Belastungsfähigkeit in der Jugend könnten später die negativen Effekte durch Anämie und Alterung aufgeglichen werden.
Das H et al. Thorax 2025; 80: 756-760; doi: 10.1136/thorax-2024-222274