Allergische Rhinitis und Therapiekosten

Allergische Rhinitis: Rechnet sich die Immuntherapie?

Aus der Fachliteratur
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Von Heuschnupfen Geplagte können nach absolvierter Allergenimmuntherapie häufig den Aufenthalt in der Natur wieder genießen.

Die allergische Rhinitis verursacht hohe Folgekosten. Einzige kausale Behandlungsoption ist bislang die subkutane oder sublinguale Immuntherapie. Gegenüber der rein symptomatischen Behandlung kann sie sich auf lange Sicht auszahlen, wie eine systematische Übersichtsarbeit zeigt.

Die globalen Prävalenzraten der allergischen Rhinitis (AR) belaufen sich auf bis zu 54,5 %. Die Erkrankung beeinträchtigt dabei nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, sondern stellt auch eine sozioökonomische Belastung dar. So kann es zu einer Verminderung der Arbeitsproduktivität bzw. der schulischen Leistungen und zu einer erhöhten Inanspruchnahme des Gesundheitswesens kommen. Schätzungen zufolge verursacht die unzureichend behandelte AR europaweit jedes Jahr Kosten von über 151 Milliarden Euro.

Welche Rolle spielen SCIT und SLIT bei der Krankheitsmodifikation?

Zur symptomatischen Behandlung der AR stehen Medikamente wie orale Antihistaminika und intra­nasale Kortikosteroide zur Verfügung, die jedoch nur vorübergehend Linderung verschaffen. Im Gegensatz dazu besteht bei der subkutanen Immuntherapie (SCIT) und der sublingualen Immuntherapie (SLIT) die Möglichkeit einer Krankheitsmodifikation. In Kombination führen Allergenimmuntherapie (AIT) und symptomatische Behandlung zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden. Allerdings ist die AIT anfänglich mit vergleichsweise hohen Kosten verbunden, die sich auf lange Sicht aber rentieren können. Im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit hat ein Team um Dr. ­Joshua ­Jacob von der Western Sydney University verschiedene Kosten-Nutzen-Analysen für SCIT und SLIT im Vergleich zur symptomatischen Therapie ausgewertet.

Zwischen 2000 und 2025 wurden 35 Studien zur Wirtschaftlichkeit von SCIT/SLIT bei AR veröffentlicht, die die Einschlusskriterien erfüllten. Die meisten stammten aus Deutschland (n = 9), gefolgt von Italien (n = 5) und dem Vereinigten Königreich (n = 3). Aus Schweden, USA, China und Dänemark gingen jeweils zwei Studien in die Metaanalyse ein. An fünf Untersuchungen waren mehrere Länder beteiligt. In 24 Studien wurde die SLIT untersucht, in 18 die SCIT.

Die Autorenteams fast aller Studien (91 %) kamen zu dem Schluss, dass sowohl die SCIT als auch die SLIT im Vergleich zur rein symptomatischen Behandlung mit Medikamenten kosteneffektive Interventionen darstellen. Die langfristige Entwicklung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses war in den meisten Fällen mit der Zahlungsbereitschaft des jeweiligen Gesundheitssystems vereinbar und lag meist sogar unterhalb der Schwelle. Diese zeigte allerdings eine erhebliche Spannbreite: In europäischen Studien lag sie zwischen 20.000 Euro und 50.000 Euro pro gewonnenem qualitätskorrigierten Lebensjahr (QALY) und in US-amerikanischen zwischen 50.000 und 100.000 $/QALY. Der wirtschaftliche Nutzen von SCIT und SLIT zeigte sich insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit komorbidem Asthma sowie hinsichtlich langfristiger Vorteile.

 

Langfristige Vorteile verbessern die Kostenbilanz

Künftige Studien sollten Endpunkte definieren, die eine direkte quantitative Schätzung des gesundheitlichen Nutzens ermöglichen, schreiben die Autorinnen und Autoren der Übersichtsarbeit. Bereits jetzt stütze die vorhandene Evidenz die AIT als wirtschaftlich sinnvolle Investition. Politische Entscheidungsträger sollten diese Ergebnisse beim Thema Kostenerstattung berücksichtigen.

Jacob J et al. Allergy 2026; 81: 2014-2035; doi: 10.1111/all.70382

Dr. Melanie Söchtig

Dr. Melanie Söchtig ist als freie Autorin für die Medical Tribune und die dazugehörigen Fachpublikationen tätig.

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