Rhinoviren dominieren bei akutem und stabilem Asthma
In den Bronchien von Patientinnen und Patienten mit Asthma findet man häufig Atemwegsviren. Dies gilt nicht nur für akute Attacken, sondern auch für stabiles Asthma. Ob und – wenn ja – welche Viren bei der Auslösung von Anfällen eine Rolle spielen, war bislang unklar. Nun ist man der Lösung offensichtlich ein Stück näher gekommen.
Daten zur Virenlast in den Atemwegen von Asthmakranken beziehen sich überwiegend auf akute Asthmaattacken und weniger auf stabiles Asthma. Diese Lücke wollten Dr. Sachin Ananth, North West University Healthcare NHS Trust, London, und sein Team schließen und führten eine retrospektive Metaanalyse durch. Für die Auswertung berücksichtigten sie bis August 2024 veröffentlichte Untersuchungen, bei denen eine PCR zum Virusnachweis eingesetzt worden war. Ausgeschlossen waren Studien mit Hochrisikogruppen (z. B. mit Immunschwäche) sowie solche, die während der COVID-19-Pandemie stattgefunden hatten.
Als primären Endpunkt definierten die Forschenden die Prävalenz von Atemwegsviren insgesamt sowie von einzelnen spezifischen Viren bei Erwachsenen und Kindern unter 16 Jahren – sowohl in der stabilem Situation als auch bei Asthmaattacken. Als sekundärer Endpunkt wurde die Häufigkeit von Atemwegsviren im Zusammenhang mit Asthmaexazerbationen dokumentiert. Letztlich fanden 111 Studien Eingang in die Metaanalyse.
Rhinoviren führen das Feld bei Asthma klar an
Die geschätzte Prävalenz von Atemwegsviren bei Kindern mit stabilem Asthma betrug rund 34 %, basierend auf 21 Studien mit 4.238 Teilnehmenden. Für Erwachsene ergab sich basierend auf 16 Studien mit 1.363 Patientinnen und Patienten eine Rate von 23 %. Am häufigsten wurden Rhinoviren entdeckt, insbesondere bei Kindern (25 % vs. 12 %).
Daten zu akutem Asthma lieferten 44 Studien bei Kindern (n = 6.669) und 29 Studien bei Erwachsenen (n = 2.871). Danach lag die Prävalenz der Gesamtviren bei 59 % bzw. 50 %. Auch in diesem Fall hatten Rhinoviren die Nase vorn und fanden sich bei Kindern mehr als doppelt so oft (45 % vs. 21 %). Auch RSV und Bocaviren tummelten sich häufiger in kindlichen Atemwegen (und denen von älteren Erwachsenen). Im Gegensatz dazu waren Coronaviren allgemein bei Erwachsenen präsenter. Dies galt weniger ausgeprägt auch für Influenzaviren. Die Häufigkeit von Metapneumoviren, Parainfluenza und Adenoviren war bei Kindern und Erwachsenen mit akutem Asthma ähnlich verteilt.
Wie stark unterscheidet sich die Virusprävalenz bei Asthmaattacken?
Im Zusammenhang mit akutem Asthma ließen sich sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern wesentlich häufiger Viren nachweisen als bei stabilem Asthma. Besonders auffällig war dieser Unterschied hinsichtlich Rhinoviren, RSV und Metapneumoviren im Kindesalter, bei Erwachsenen nur in Bezug auf Rhinoviren. Asthmaattacken unterteilten die Forschenden in Fälle, die eine Hospitalisierung notwendig machten, und leichtere Fälle, die primär ambulant behandelt wurden. Influenzaviren A und B, Adeno- und Parainfluenza-2-Viren waren in schweren Fällen häufiger anzutreffen, Rhinoviren B fanden sich dagegen eher bei den leichteren.
Dass Atemwegsviren auch bei stabilem Asthma häufig vorkommen, könnte ein Hinweis darauf sein, dass sie nicht unbedingt als Trigger für Attacken, sondern als „unbeteiligte Begleiterscheinung“ betrachtet werden müssen. Eine Erklärung für die höhere Prävalenz von Rhinoviren bei Kindern könnte deren stärkere Exposition (Kindergarten, Schule etc.) und zugleich die v. a. im Kleinkindalter noch schwache Immunabwehr sein. Da symptomatische Infektionen nur einen Bruchteil der Virusexpositionen widerspiegeln, ist bei Kindern von einer großen Zahl asymptomatischer Trägerinnen und Träger auszugehen, schreibt das Autorenteam. Die Virusnachweisraten während akuter unterer Atemwegsinfekte scheinen in der Allgemeinbevölkerung nicht niedriger zu liegen als bei Menschen mit Asthma. Im Gegensatz dazu werden Atemwegsviren in erkrankungsfreien Phasen bei Erwachsenen ohne Asthma nur selten nachgewiesen, bei Kindern spielt der Asthmastatus keine Rolle.
Virusnachweis bleibt nur im klinischen Kontext aussagekräftig
Unklar bleibt, ob Viren in den Atemwegen von Asthmakranken eine Folge der normalen Viruszirkulation, einer erhöhten Empfänglichkeit, einer verzögerten Ausscheidung oder einer veränderten Immunantwort sind. Eine virale Besiedelung der Atemwege müsse stets im klinischen Kontext interpretiert werden. Weitere Forschung sollte u. a. die Bedeutung eines Virusnachweises bei stabilem Asthma klären, betonen die Autorinnen und Autoren. Dann könnten Präventionsstrategien wie Impfungen und antivirale Therapien priorisiert entwickelt werden.
Ananth S et al. Eur Respir Rev 2026; 35: 250179; doi: 10.1183/16000617.0179-2025