Asthmatherapie im Wandel

Tezepelumab könnte Steroidbedarf bei Asthma senken

Aus der Fachliteratur
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Multizenterstudie liefert Hinweise darauf, dass Tezepelumab die Steroidabhängigkeit bei schwerem Asthma reduziere.

Ein monoklonaler Antikörper mischt die Therapie bei schwerem Asthma auf. In der WAYFINDER-Studie konnten bis zur Hälfte der Erkrankten ihre orale Kortisondosis auf ≤ 5 mg/d senken oder ganz absetzen – ohne mehr Exazerbationen.

In einer Studie gelang es unter der Therapie mit dem humanen monoklonalen TSLP*-Antikörper Tezepelumab vielen Patientinnen und Patienten mit schwerem unkontrolliertem und steroidabhängigem Asthma, die Dosis oraler Kortikosteroide (OCS) auf ≤ 5 mg/d zu verringern. Jede(r) zweite konnte sogar ganz auf OCS verzichten, ohne dass sich die Erkrankung dadurch verschlimmerte, berichten Forschende um Prof. Dr. David Jackson vom King’s College, London.

Sie hatten 298 Asthmakranke in die unverblindete und nicht randomisierte Multizenterstudie WAYFINDER aufgenommen und ein Jahr lang alle vier Wochen mit 210 mg Tezepelumab s. c. behandelt. Initial litten alle Teilnehmenden unter einem schweren unkontrollierten Asthma bronchiale, das eine orale Therapie mit 5–40 mg/d Prednisonäquivalent erforderte. Nach 28 Wochen unter dem Antikörper benötigten 88,9 % von ihnen nur noch maximal 5 mg/d, nach 52 Wochen waren es 89,9 %. Ganz auf die oralen Steroide verzichten konnten 32,2 % bzw. 50,3 %. Der positive Effekt der Anti-TSLP-Gabe ließ sich unabhängig von Eosinophilenzahl, FeNO-Spiegel oder vorhandenen Allergien nachweisen, heißt es in der Publikation der Kolleginnen und Kollegen.

Bei zwei Dritteln der Patientinnen und Patienten kam es im Studienzeitraum trotz OCS-Dosisreduktion zu keiner akuten Verschlechterung mehr (sekundärer Studienendpunkt). Im Jahr davor hatte die durchschnittliche Exazerbationsrate noch bei 1,8 gelegen. Eine klinische Remission erreichten laut einer Post-hoc-Analyse der WAYFINDER-Daten 12,4 % innerhalb von 28 Wochen und 24,3 % innerhalb eines Jahres. Das heißt, der Score im Asthma-Control-Questionnaire-6 lag unter 1,5 Punkten, die FEV1 betrug nach Inhalation eines Bronchodilatators mindestens 95 % und orale Kortikosteroide wurden nicht mehr eingenommen.

In der randomisierten und placebokontrollierten Doppelblindstudie SOURCE hatte Tezepelumab den primären Endpunkt – Reduktion der oralen Steroiddosis – nicht erzielt. Nur in einer Subgruppe von Patientinnen und Patienten mit einer Eosinophilenzahl von mindestens 150/µl war die Antikörpertherapie in diesem Punkt erfolgreich, geben Prof. Dr. Paola Rogliani und Prof. Dr. Luigino Calzetta, beide von der Universität in Rom, zu bedenken. WAYFINDER bewerten sie u. a. aufgrund methodischer Limitationen und nicht berücksichtigter Placeboeffekte äußerst kritisch. Zwar liefere die Studie Hinweise darauf, dass Tezepelumab die Steroidabhängigkeit bei schwerem Asthma reduziere. Bewiesen werden könne dies jedoch nur durch hochwertige randomisierte und placebokontrollierte Studien.

* thymisches stromales Lymphopoietin    

1. Jackson DJ et al. Lancet Respir Med. 2025; doi:/10.1016/S2213-2600(25)00359-5

2. Jackson DJ et al. Eur Respir J 2025; 66: PA5706; doi: 10.1183/134993003.congress-2025.PA5706

3. Rogliani P, Calzetta L. Lancet Respir Med 2025; doi: 10.1016/S2213-2600(25)00395-9

Birgit Maronde

Birgit Maronde

Freie Autorin
Nach ihrem Medizinstudium an der Universität Mainz hat sie zunächst in der Inneren Medizin gearbeitet, um sich dann dem Medizinjournalismus zuzuwenden. Viele Jahre gehörte sie zum Team der Medical-Tribune-Redaktion, von 2016 bis 2024 in der Funktion als Chefredakteurin. Im Unruhestand ist sie als freie Autorin tätig.

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