Kochbuch für die Seele: Gesund essen in Krisenzeiten

DGPPN* Kongress 2025
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Die richtige Ernährung kann zur Stabilisierung der seelischen Gesundheit beitragen.

Die richtige Ernährung kann zur Stabilisierung der seelischen Gesundheit beitragen. Ein Netzwerk hilft psychisch Erkrankten mit einer Broschüre, einem Kochbuch und Workshops dabei, auch in Krisen gesund zu essen.

Seit 2019 empfiehlt die S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen eine multimodale gesundheitsfördernde Intervention mit Schwerpunkt gesunde Ernährung und körperliche Aktivität. Die Wirklichkeit sieht meist anders aus: Versorgungsstrukturen für Interventionen zum Thema Ernährung bei schweren psychischen Erkrankungen fehlen weitgehend, berichtete die Ökotrophologin PD Dr. ­Annabel­ Müller-Stierlin­, Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie an der Universität Ulm.

Dr. Müller-Stierlin gründete mit anderen Interessierten in Deutschland, Österreich und der Schweiz das multiprofessionelle Netzwerk ESSENzPSYCHE, das bereits 140 Mitglieder umfasst. 2024 fand das erste „Recovery College“ zum Thema Ernährung und psychische Erkrankungen statt.

Die Umsetzbarkeit im Alltagsteht im Vordergrund

Darin wurde gemeinsam mit Betroffenen eine Broschüre zur Ernährung bei psychischer Erkrankung entwickelt, die nicht die Nährstoffe in den Vordergrund stellt, sondern die Umsetzbarkeit im Alltag. Sie soll helfen, auch in einer psychischen Krise eine möglichst gesunde Ernährung zu gewährleisten und einer Mangel- oder Überernährung bei Niedergeschlagenheit oder Antriebsmangel vorzubeugen.

Die Broschüre informiert beispielsweise darüber, welche „Notfallprodukte“ in Schrank, Kühlschrank und Gefrierschrank sein sollten, um Zeiten zu überbrücken, in denen das Einkaufen schwerfällt. Sie gibt aber auch Tipps dazu, wie man mit emotionalem Essen und Heißhungerattacken oder mit Appetitlosigkeit umgehen kann. Außerdem enthält sie konkrete Vorschläge für Einkaufslisten und Tagespläne für Mahlzeiten.

Die Initiative zieht bereits Kreise: Mittlerweile ist ein eigenes Kochbuch entstanden, es gibt eigene Kochworkshops für Gruppen von Betroffenen sowie zielgruppenspezifische Onlinefortbildungen für psychisch Erkrankte, ihre Angehörigen und verschiedene in der Betreuung und Behandlung arbeitenden Berufsgruppen. Auch Volkshochschulen interessieren sich für Kurse auf Grundlage des Kochbuchs. 2026 beginnt die Ausbildung von Kursanleiterinnen und -anleitern; zudem ist eine Zusatzqualifikation für Diät­assistentinnen zur Ernährung bei psychischer Erkrankung geplant.

Steigendes Interesse am Thema Ernährung und Psyche

Das Netzwerk wachse konstant weiter, freute sich die Referentin. Das Thema ist auch in der DGPPN angekommen: Es wurde ein Referat „Ernährung, Stoffwechsel und psychische Gesundheit“ ins Leben gerufen, das anlässlich des Kongresses 2025 erstmals ein Symposium veranstaltet hat.

*Deutsche Gesellschaft für Psychiatrieund Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V.

Informationsbroschüre „Ernährung und psychische Erkrankungen“