Rheumatherapien mit Zusatzeffekt

DMARD könnten Knochen bei rheumatoider Arthritis schützen

Aus der Fachliteratur
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Chronische Entzündungen wie die rheumatoide Arthritis beeinflussen den Knochenwechsel.

DMARD bremsen bei der rheumatoider Arthritis offenbar nicht nur Entzündungen: Einige Substanzen üben auch einen positiven Effekt auf die Knochendichte aus.

Bei der rheumatoiden Arthritis (RA) spielt die Knochendichte eine wichtige Rolle, da chronische Entzündungen nicht nur die Gelenke schädigen, sondern auch den Knochenstoffwechsel beeinflussen können. Der Einfluss von DMARD auf die Knochendichte ist bei der RA von besonderem Interesse: Diese Medikamente reduzieren die entzündliche Aktivität der Erkrankung und könnten dadurch nicht nur Gelenkschäden verhindern, sondern auch einen protektiven Effekt auf den Knochen haben.

Ob und welche Effekte die verschiedenen DMARD-Klassen auf den Knochenstoffwechsel von RA-Betroffenen haben, untersuchte eine Arbeitsgruppe um Dr. ­Owen ­Taylor-Williams von der University of Western Australia anhand einer Metaanalyse. 46 Arbeiten gingen in die Analyse ein, die Mehrzahl der Studien war prospektiv. Das mittlere Alter der Teilnehmenden lag überwiegend zwischen 50 und 70 Jahren. Untersucht wurden die Auswirkungen der verschiedenen DMARD auf die Knochendichte in Femurhals und LWS. Krankheitsaktivität, Frakturen und der Einsatz von Glukokortikoiden oder einer osteoprotektiven Begleittherapie  fanden ebenfalls Berücksichtigung.

 

Leflunomid schien die Knochendichte zu verbessern

Zwischen den am häufigsten eingesetzten csDMARD Methotrexat (MTX) und Sulfasalazin gab es in Bezug auf die Knochendichte keine messbaren Unterschiede, beide Wirkstoffe zeigten keinen schädlichen Effekt. Leflunomid schien die Knochendichte sogar zu verbessern, allerdings könnte dieser Punkt durch die gleichzeitige Einnahme einer osteoprotektiven Begleittherapie  verfälscht worden sein.

Zwölf Studien zeigten übereinstimmend, dass eine begleitende Therapie mit Bisphosphonaten oder Denosumab – unabhängig vom eingesetzten csDMARD – mit einer verbesserten Knochendichte assoziiert war, berichtet das Expertenteam. Der Zusammenhang zwischen Glukokortikoiden und Knochenverlust bei csDMARD-Behandelten blieb dagegen uneinheitlich. In wenigen Studien ohne begleitenden Knochenschutz zeigte sich ein vermehrter Knochenabbau unter Steroidtherapie. Demgegenüber fanden mehrere Untersuchungen keinen entsprechenden Zusammenhang, wenn gleichzeitig osteoprotektive Sub­stanzen eingesetzt wurden. Allerdings waren einige Arbeiten methodisch limitiert und wiesen ein hohes Verzerrungsrisiko auf.

Knochenschutz am besten bei Krankheitskontrolle

Insgesamt 24 Studien prüften den Einfluss von Biologika und tsDMARD auf die Knochendichte, die jährliche Veränderung lag in allen Arbeiten unter 3 %. Am häufigsten wurden TNF-Inhibitoren untersucht, hier wies die Mehrheit der Arbeiten auf einen stabilisierenden, leicht günstigen Effekt in puncto Knochendichte hin. Bei Berücksichtigung der Krankheitsaktivität kam der Knochenschutz insbesondere bei denjenigen zum Tragen, deren RA durch die TNF-Blockade unter Kontrolle war. Für andere bDMARD-Klassen sowie tsDMARD lagen nur begrenzte Daten vor. 

In einer Studie konnte gezeigt werden, dass Tocilizumab bei RA-Erkrankten mit Osteopenie den Knochenverlust verbesserte bzw. verhinderte – unabhängig von der Krankheitsaktivität. Der Effekt könnte jedoch durch eine begleitende knochenschützende Therapie bei 57 % der Patienten beeinflusst sein, merkt das Autorenteam an.

Von 24 Studien zu b/tsDMARD führten 11 einen direkten Vergleich mit csDMARD durch. Drei Arbeiten zeigten eine stärkere Verbesserung der Knochendichte unter Biologika, waren jedoch mit einem hohen Verzerrungsrisiko behaftet. Im Gegensatz dazu ergaben acht Studien keinen Vorteil von bDMARD hinsichtlich der Knochendichte, teilweise jedoch mit nichtsignifikanten Trends zugunsten der Biologika-Gruppen oder Verbesserungen an einzelnen Messorten. Insgesamt ließen sich keine konsistenten Einflussfaktoren zur Erklärung der heterogenen Ergebnisse identifizieren.

Hohes Biasrisiko aufgrund fehlender Daten

Der direkte Vergleich zwischen Biologika- bzw. Targeted-Klassen war stark eingeschränkt und basierte lediglich auf zwei Studien derselben Arbeitsgruppe mit widersprüchlichen Resultaten. Sie zeigten Vorteile für JAK-Inhibitoren bzw. Abatacept gegenüber TNF-Inhibitoren. Beide Studien haben jedoch ein hohes Biasrisiko aufgrund fehlender Daten.

Insgesamt sprechen die vorliegenden Ergebnisse für einen günstigen Einfluss von DMARD-Therapien auf die Knochendichte, mit Hinweisen für stärkere Effekte von Biologika. Die Evidenz ist jedoch durch begrenzte Vergleichsdaten und eine heterogene Studienqualität eingeschränkt. Zukünftige Forschung ist erforderlich, um potenzielle Unterschiede zwischen den DMARD-Substanzklassen weiter herauszuarbeiten, so das Fazit der Autorengruppe.

Taylor-Williams O et al. Bone 2026; 206: 117812; doi: 10.1016/j.bone.2026.117812

Dr. Sabine Debertshäuser

Dr. Sabine Debertshäuser

Freie Autorin
Dr. Sabine Debertshäuser wurde in Frankfurt am Main geboren. Nach dem Studium der Humanmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt und ihrer Promotion arbeitete sie mehrere Jahre klinisch in den Fachgebieten Chirurgie und Radiologie. Nach längerer familienbedingter Erziehungspause ist sie heute als freie Autorin für die Medical Tribune und eine renommierte Hamburger Agentur tätig.

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