Welche Triptane und Analgetika laut Registerdaten am besten wirken

Potente Migränekiller

Kongressbericht
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93 % der Migränekranken verwenden Akutmedikamente an durchschnittlich 7,5 Tagen pro Monat.

Seit 2020 liefert das DMKG*-Kopfschmerzregister Daten zu Krankheitsverlauf und Versorgung von Migränepatientinnen und -patienten. Aus ihnen lassen sich wichtige Rückschlüsse auf die Wirksamkeit und Verträglichkeit der verfügbaren Therapie ziehen.

Real-World-Evidence made in Germany: Seit 2020 liefert das DMKG*-Kopfschmerzregister umfassende Daten zu Krankheitsverlauf und Versorgung von Migränepatientinnen und -patienten in Deutschland. Aus ihnen lassen sich wichtige Rückschlüsse auf die Wirksamkeit und Verträglichkeit der verfügbaren Therapie ziehen, erklärte Dr. Victoria­ Ruschil­ von der Neurologischen Universitätsklinik Tübingen.

Mittlerweile enthält das Register Informationen von mehr als 5.000 Erkrankten, über 80 % sind weiblich. Etwa die Hälfte von ihnen leidet unter einer Migräne ohne Aura, je 25 % haben Anfälle mit Aura bzw. eine chronische Migräne. Der Anteil von Betroffenen mit hochfrequenter oder chronischer Migräne ist groß, sagte die Kollegin. Dies sei der Tatsache geschuldet, dass vor allem spezialisierte Praxen und Zentren das Register „füttern“. 5–10 % der erfassten Patientinnen und Patienten erfüllen die Kriterien eines Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch (medication overuse headache, MOH).

Migränekranke schätzen Triptane als wirksamer als Nicht-Opioidanalgetika ein

93 % der Migränekranken verwenden Akutmedikamente, und das an durchschnittlich 7,5 Tagen pro Monat. Knapp 60 % setzen dabei auf Triptane, fast ebenso viele (56 %) auf Nicht-Opioidanalgetika. Von den Nutzern werden die Triptane als deutlich wirksamer eingeschätzt (75,4 % vs. 43,6 %). Doch nicht alle sprechen zuverlässig auf sie an. 42,5 % der Patientinnen und Patienten haben laut DMKG-Register mindestens ein Triptan erfolglos ausprobiert, bei rund 13 % haben mindestens zwei Substanzen versagt, was eine Triptan-Resistenz definiert. Die besten Ansprechraten werden den Daten zufolge mit Zolmitriptan nasal oder per os, mit Eletriptan oral und Sumatriptan subkutan erzielt. Bei Triptanresistenz kann ein Wechsel zu besser wirksamen Triptanen oder neuen Substanzklassen wie Ditane oder Gepante sinnvoll sein, sagte Dr. Ruschil.

Was die verschiedenen Nicht-Opioidanalgetika angeht, zeigen sich ebenfalls Unterschiede in der Wirksamkeit. Die Registerdaten sprechen dafür, dass Naproxen am besten abschneidet. Es folgen Metamizol, Ibuprofen, ASS und auf dem letzten Platz Paracetamol.

In der prophylaktischen Behandlung dominieren bislang die Antidepressiva (11,4 %), doch auf Platz 2 folgen bereits die CGRP(R)-Antikörper (9,8 %). Sie kommen vor allem schwer betroffenen, therapierefraktären Migränekranken zugute. Diese weisen gegenüber Patientinnen und Patienten mit konventioneller Prophylaxe eine längere Erkrankungsdauer, mehr Tage mit starken Kopfschmerzen, eine geringere Lebensqualität und mehr Begleiterkrankungen auf. Nach der Neubewertung von Erenumab im Oktober 2022 und der Änderung der Erstattungsrichtlinien erhalten mittlerweile auch weniger stark Betroffene einen Antikörper, berichtete die Kollegin. Auf Platz 3 und 4 der Prophylaktika-Hitliste rangieren Magnesium (9,2 %) und Betablocker (7,9 %). Nur selten werden dagegen Flunarizin oder Candesartan eingesetzt.

* Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft

Quelle: Deutscher Schmerzkongress 2025

Birgit Maronde

Birgit Maronde

Freie Autorin
Nach ihrem Medizinstudium an der Universität Mainz hat sie zunächst in der Inneren Medizin gearbeitet, um sich dann dem Medizinjournalismus zuzuwenden. Viele Jahre gehörte sie zum Team der Medical-Tribune-Redaktion, von 2016 bis 2024 in der Funktion als Chefredakteurin. Im Unruhestand ist sie als freie Autorin tätig.

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