Kommentar

Den Terminmangel gerecht verwalten

Aus der Redaktion
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Ab März 2027 müssen Praxen mehr Facharzttermine an die TSS melden. Doch 44 Prozent bleiben unvermittelbar. Verkürzt das wirklich die Wartezeiten? Ein Kommentar.

Friedrich Merz – nach eigenen Angaben seit Geburt privat versichert – ist zu Ohren gekommen, in der Bevölkerung habe sich der Eindruck eines Gerechtigkeitsproblems verfestigt, dass „privat Versicherte sofort jede Leistung bekämen und gesetzlich Versicherte Wochen und Monate darauf warten müssten“. Hier erkannte der Kanzler nach den Landtagswahldebakeln der CDU Änderungsbedarf. Allerdings reicht die Erschütterung über die Zweiklassenmedizin nicht so weit, dass man willens wäre, Privilegien zu kassieren. Da seien das Recht, die Lobby und die Ökonomie vor!

Um für mehr Gerechtigkeit bei den Facharztterminen zu sorgen, hat die Koalition eine „verschärfte Terminmeldepflicht“ für die Vertagsärzteschaft ab März 2027 beschlossen. Die KVen sollen gemeinsam mit den Kassen festlegen, wie viele Termine die Praxen an die Terminservicestelle (TSS) für Vermittlungen verpflichtend zu melden haben. Was das bringt, bleibt abzuwarten. Bislang können 44 % der gemeldeten Termine von der TSS nicht vermittelt werden. Auch werden dadurch keine zusätzlichen Kapazitäten geschaffen.

Praxispausenraum mit Bierdeckel "Feierabendfrage"
© ki-generiert
Feierabendfrage

Folglich ist es verständlich, wenn Niedergelassene, Berufsverbände und KVen über Entmündigung, Planwirtschaft und Staatsmedizin schimpfen. Bei ihnen ist ebenfalls ein Ungerechtigkeitsempfinden feststellbar. Das gestrichene Geld für die – laut Bundesrechnungshof wirkungslosen – TSVG-Sondervergütungen wird den frustrierten Praxen fehlen. Die Honorarvereinbarungen 2027 gleichen das nicht für alle aus. Das olle Korbmodell der kollektiven Zulassungsrückgabe als Gegenmaßnahme ins Spiel zu bringen, hat jedoch wenig Drohpotenzial. Stärker zieht die Warnung des KBV-Chefs, dass 2027 mehr als 50 Mio. Termine wegfallen könnten.

Allerdings: Die TSS als zentrale Termindrehscheibe ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Die Kassen möchten damit eine Tele-Ersteinschätzung und die ePA verknüpfen. Die SPD fordert für die künftige Primärversorgung, dass grundsätzlich alle Erkrankten innerhalb von maximal drei Wochen einen Facharzttermin in zumutbarer Entfernung erhalten sollen. Freie Kapazitäten wären der TSS „tagesaktuell in Echtzeitdaten“ zu übermitteln.Der Schlaf der Gerechten ist beendet.

Michael Reischmann

Michael Reischmann

Stellvertretender Chefredakteur Medical Tribune
Michael Reischmann arbeitet seit dem Jahr 2000 für Medical Tribune in Wiesbaden. Er leitet das Ressort Politik & Management und ist stellvertretender Chefredakteur. Studium der Volkswirtschaftslehre (Diplom) und Erwachsenenbildung (M.A.). Brennt Ihnen ein gesundheitspolitisches Thema oder eine betriebswirtschaftliches Problem zur Praxisführung auf den Nägeln, das journalistisch aufgegriffen werden sollte? Melden Sie sich bitte.

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