Primärversorgungssystem soll 2028 starten
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband hat etwas, was Regierung und Gesellschaft auch gut täte: ein klares Ziel, eine gemeinsame Vision für die Zukunft. Gemeint ist das verbindliche Primärversorgungssystem. Das HÄV-Versprechen – wir schaffen das, wenn der Rahmen passt – hört die Politik gerne.
Beim 47. Hausärztinnen- und Hausärztetag brachte Verbandschefin Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth die Dimension auf den Punkt: Das wird „die größte Reform im hausärztlichen Bereich seit Jahrzehnten“. BMG-Staatssekretärin Katja Kohfeld sowie Abgeordnete der Koalition stellten den Referentenentwurf für ein Primärversorgungsgesetz für November in Aussicht. 2027 folgt das parlamentarische Verfahren. Start könnte der 1.1.2028 sein.
Emmi Zeulner (CSU), Obfrau der Unionsfraktion im Gesundheitsausschuss, sprach von einer schrittweisen Entwicklung. Kohfeld betonte die Verknüpfung mit digitalen Verfahren, die allerdings nicht den alleinigen Zugang zum System bilden würden. Wenige Tage nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt war bei den politisch Aktiven das Streben zu spüren, die Bevölkerung mit einer Mehrwert-Reform beglücken zu wollen.
Hausärzteschaft sieht sich nicht als „Flaschenhals“
Der HÄV versucht, den Koalitionären Zweifel zu nehmen. Das betrifft beispielsweise den angeblichen „Flaschenhals“ hausärztlicher Praxen. Auch wenn die Babyboomer in den Ruhestand gehen und nicht jeder Standort nachbesetzt werden kann – der HÄV ist zuversichtlich, dass die vermuteten drei bis fünf zusätzlichen Patientinnen und Patienten pro Ärztin bzw. Arzt und Tag dank digitaler Tools und Teams mit akademisierten Gesundheitsberufen problemlos mitversorgt werden können. Er verweist auf Untersuchungen, wonach Hausärztinnen und -ärzte 80 bis 90 % der Versorgungsanlässe in ihren Praxen abschließend behandeln. Sie sind also weit mehr als Lotsen.
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