„Zukunft der hausärztlichen Versorgung hat Einfluss auf kommende Wahlentscheidungen“
„Die Menschen spüren, was passiert, und ziehen daraus politische Schlüsse.“ So kommentiert der HÄV-Vorstand die Auswirkungen des GKV-Spargesetzes zum Start des 47. Hausärztinnen- und Hausärztetages. Er fordert jetzt politische Unterstützung für die hausärztliche Versorgung.
Die hausärztliche Versorgung in ihrer jeweiligen Region hat sich nach Einschätzung von 44 % der Menschen in den vergangenen fünf Jahren verschlechtert. Befragt worden war eine repräsentative Menge von 5.000 Personen. „Das ist kein diffuses Unbehagen“, sagt die Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes (HÄV), Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth. Es macht sich bemerkbar, dass Praxen nicht nachbesetzt und Wege länger werden. In Bundesländern wie dem Saarland, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg wird die bemerkte Verschlechterung besonders betont.
Auch die Sparmaßnahmen der Bundesregierung werden als Leistungskürzungen erkannt – und nicht als versprochene Effizienzgewinne. 62 % der Befragten rechnen mit längeren Wartezeiten, 50 % mit einer schlechteren Behandlungsqualität. Da vier von fünf Befragten sagen „Die hausärztliche Versorgung hat einen entscheidenden Einfluss auf die Wohn- und Lebensqualität in meiner Region“, fordert die HÄV die Politik auf, die Hausarztpraxen zu stärken.
Was der HÄV von der Politik einfordert
Sechs Forderungen richtet der Verband an Gesundheitsminister Carsten Linnenmann, die noch in dieser Legislatur verwirklicht werden sollten:
Umsetzung eines verbindlichen Primärversorgungssystems, inklusive Stärkung der HZV-Verträge
Rücknahme von Versorgungsbremsen wie dem Honorarabschlag bei Praxen mit wachsenden HzV-Teilnehmerzahlen (Fixkostendegression)
GOÄ-Novellierung
Regulierung investorenfinanzierter MVZ
Einführung einer Bagatellgrenze bei Regressen
Keine AU-Pflicht ab dem ersten Tag und Beibehaltung der Telefon-AU
Keiner dieser Vorschläge sei unfinanzierbar, so HÄV-Vorsitzender Dr. Markus Blumenthal-Beier. Zentral sei es, dass das Primärversorgungssystem in Kooperation mit den Hausarztpraxen umgesetzt wird. Der Verband verweist auf sein HÄPPI-Konzept. In diesem werden die Versorgungskapazitäten durch die Einbindung akademisierter Gesundheitsberufe erhöht. Es bedürfe allerdings eines „politischen Zeichens“ und der „klaren Botschaft“ an die Krankenkassen: „Macht das!“
Laut Prof. Buhlinger-Göpfarth wurde in Baden-Württemberg mit 64 HÄPPIs bereits „Flächendeckung“ bei der Erreichbarkeit erzielt. Das Konzept lasse sich schon „morgen“ in anderen Bundesländern umsetzen – vorausgesetzt es werde mit den Kassen die Finanzierungsgrundlage dafür geschaffen.
Hetze gegen „Importärzte“ verstößt gegen Werte von Ärztinnen und Ärzte
Dass die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung Einfluss auf das Wahlverhalten 2026 haben kann, illustriert der HÄV mit weiteren Ergebnissen der beauftragten Civey-Umfrage. Der Aussage, dass die eigene Entscheidung bei kommenden Wahlen von der Sicherstellung beeinflusst werde, stimmten 51 % der Befragten - vor allem die 30-39-Jährigen – zu. Bei einer Umfrage im Jahr 2024 sagten das erst 37,5 %. „Die Erreichbarkeit einer Hausarztpraxis wird zum politischen Anliegen“, kommentiert Prof. Buhlinger-Göpfarth das Ergebnis.
Dass allerdings bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine „rechtsradikale Partei fast die Mehrheit“ erzielt hat, „treibt uns um“, sagt Dr. Markus Blumenthal-Beier. Er beklagt den „Rassismus“ in AfD-Äußerungen zu „Importärzten“ und die „wissenschaftsfeindliche, Ängste schürende“ Ablehnung von mRNA-Impfstoffen. Das verstoße gegen „unsere Werte als Ärztinnen und Ärzte“.
Pressekonferenz des HÄV zum 47. Hausärztinnen- und Hausärztetag
Michael Reischmann
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