Kolumnen | Beiträge ab Seite 29

Medical Tribune
von U. Ibold

Leserclub: Hausärztemangel: Die wahren Ursachen

In der letzten Zeit nehmen die Berichte über den zunehmenden Hausärztemangel auf dem Land und vermehrt auch in den Städten zu. Nur wird nie über die wahren Ursachen dieser sich seit Jahren abzeichnenden Entwicklung berichtet. Stattdessen unternehmen die Kommunen und die Politik immer hilflosere Aktivitäten, um zu retten, was seit langem nicht mehr zu retten ist. Und wenn nichts mehr geht, dann muss man die Ärzte eben kaufen, dann werden sie schon kommen!
 
Medical Tribune
von U. Brühl

Schweiz: Endlich wieder Hausarzt sein!

Wer von uns Hausärzten kennt das nicht: Es ist schon sehr spät am Abend, die letzten Patienten haben die Praxis verlassen und es herrscht endlich etwas Ruhe von der Alltagshektik. Jetzt können wir uns noch mit Beschwerden über Medikamentenaustausch in der Apotheke, Forderung nach Heilmittelrezepten beschäftigen. Endlose Listen wären zu bearbeiten, Chroniker-Ziffern, Geriatrisches Basis-Assessment, wer hier nicht konsequent überprüft, verliert viel Geld. Und da wartet auch noch ein Stapel Papier: Versorgungsamtanfragen, REHA- und Rentenanträge, Widerspruchsschreiben, weil die Pflegekasse wieder einmal ungerechtfertigt die Inkontinenzartikelversorgung abgelehnt hat. Die Kostenerstattung dafür bewegt sich zwischen 2,98 und 8,23 Euro, da kann die Beantwortung schon mal warten. Denn: Meine Familie wartet auch auf mich!
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Weiterbildung: Warten auf den großen Durchbruch

Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen: Anfang bis Mitte der 1990-er Jahre haben sich ganze 7 wissenschaftliche Mitarbeiter – bundesweit verstreut – der Herkulesaufgabe verschrieben, das Fach Allgemeinmedizin in Deutschland universitär zu etablieren. Mit dabei gewesen war damals auch der heutige DEGAM-Präsident Prof. Ferdinand M. Gerlach. Daraus sind bis heute 25 allgemeinmedizinische Lehrstühle geworden, 6 weitere stehen vor der Gründung oder sind ausgeschrieben. In wenigen Jahren werden wohl alle 37 Universitäten einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin vorweisen können.
 
Medical Tribune
von Gernot Rüter

Medizinethik: Dem Patienten als Person begegnen

Seit der griechischen Antike beinhaltet wissenschaftliches Denken die Entwicklung von Modellen. In Modellen wird die Komplexität der wahrgenommenen Wirklichkeit auf wenige Kernaussagen, Gesetze, reduziert. Sie ermöglichen, wenn das Modell stimmt, Vorhersagen über künftige Wirklichkeiten. In diesen reduktionistischen Modellen sind oft nur wenige Variablen zulässig, was zu linearen Kausalitätszusammenhängen (ver)führt: Die Komplexität der Wirklichkeit geht im Modell verloren, was die Gefahr beinhaltet, das Modell für die Wirklichkeit zu halten. Modelle werden erweitert, korrigiert oder verworfen, wenn sie mit der beobachteten Wirklichkeit nicht übereinstimmen (Falsifizierung) oder keine Erklärung für die Wirklichkeit liefern können.
 
Medical Tribune
von Prof. Dr. Klaus-Dieter Kossow

Ambulante Versorgung: Die Kommunen unterstützen

Zu den Zielen für die Gestaltung von Gesundheitssystemen zählen Gleichmäßigkeit, Bezahlbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Qualität der Versorgung nach dem Facharztstandard. Das gilt für die gesamte ambulante Versorgung durch Hausärzte und Spezialisten. Hier lauern Zielkonflikte. Eine flächendeckende Versorgung durch Subspezialisten in dünn besiedelten Gebieten überfordert ohnehin die Finanzierungsmöglichkeiten auch der reichsten Länder. Auch Fachärzte kleiner Gebiete werden nur ausnahmsweise ihr Auskommen in ländlichen Regionen finden. Die Gliederungsprinzipien der KBV für die Fachversorgung sind schon deshalb verfehlt, weil sie allenfalls in sehr dicht besiedelten Ballungsgebieten umsetzbar sind. Hinzu kommt, dass auf dem Lande ein doppelter Bruch des Solidarprinzips stattfindet. Einerseits zahlen Bürger und Betriebe dort entsprechend ihrem Einkommen Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteile in der gleichen Höhe wie in der Stadt. Andererseits bekommen sie als Gegenleistung nur ein ausgedünntes Versorgungsangebot. Besonders schlimm wird es, wenn auch Hausärzte nicht mehr vorhanden sind, weil Hausarztstellen vergeblich ausgeschrieben wurden.
 
Medical Tribune
von Raimund Schmid

Sprechende Medizin: Nicht der Weisheit letzter Schluss

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe ist zwar noch nicht lange im Amt, scheint mitunter aber den richtigen Riecher zu haben. „Dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, sich in unserem Gesundheitswesen zurechtzufinden, muss uns aufrütteln“, stellte er jüngst ernüchternd fest. Recht hat er, der Herr Minister. Bisher haben die mangelnde Aufklärung und die daraus folgende höchst unzureichende Adhärenz aber so recht niemanden aufgerüttelt. Das verwundert doch sehr. Immerhin gehen in Deutschland jährlich Kosten in Höhe von 13 Milliarden Euro allein auf das Konto der mangelnden Einnahmetreue von Medikamenten.
 
Medical Tribune
von Thomas G. Schätzler

Honorarverhandlungen: Alle Jahre wieder, Daumen hoch oder nieder?

Das PROGNOS-Desaster gab es 2012: Ein „Gutachten“ im Auftrag des Spitzenverbands Bund (SpiBu) sollte eine 7-%25-Minusforderung bei Vertragsarztpraxen untermauern. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatte wider besseres Wissen das Bedrohungsszenario nicht erkannt und errechnete naiv eine Plus-10-%25-Forderung. Der Schiedsspruch des Gesundheitsökonomen Prof. Wasem ergab schließlich ein Honorarplus von 0,9 %25.