ABDA-Vorstoß zur Primärversorgung in eigener Sache
Mitten in die Diskussion zur Primärversorgung hat die ABDA, die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, ein Positionspapier unter der Überschrift „Die zukünftige Rolle der Apotheke in der Primärversorgung“ ins Spiel geworfen.
In dem aktuellen Papier der organisierten Apothekerschaft skizziert diese ein Leistungsangebot, mit dem sie sich einbringen will, um „das Gesundheitssystem zu stabilisieren und zukunftsfähig zu gestalten“. Für tragfähige Lösungen seien eine enge Abstimmung zwischen den Professionen, „auch mit Blick auf die Weiterentwicklung von Rollen und Verantwortlichkeiten“, sowie „eine angemessene, auch finanzielle Stärkung“ der Apotheken erforderlich.
Zu den Leistungen, die zukünftig in den Apotheken angeboten werden könnten, gehört neben einem erweiterten Präventions- und Früherkennungsangebot auch, Apotheken bei unkomplizierten Beschwerden stärker als erste Anlaufstelle fungieren zu lassen, ergänzend zu digitalen Ersteinschätzungssystemen wie SmED (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland).
Weitere Einsatzmöglichkeiten sieht die ABDA in einer strukturierten Anschlussbetreuung nach Krankenhausentlassung inklusive AMTS-Prüfung, Point-of-Care-Testungen (z. B. Strep-Tests), der GKV-finanzierten Abgabe von OTC-Arzneimitteln für Kinder im Notdienst sowie – in definierten Entscheidungskorridoren – der direkten Abgabe bestimmter verschreibungspflichtiger Arzneimittel bei unkomplizierten Indikationen wie Sinusitis oder Konjunktivitis.
Mit Bluthochdruck und Asthma in die Apotheke?
In der Routineversorgung sollen Apotheken den elektronischen Medikationsplan kontinuierlich pflegen sowie Therapietreue z. B. über Reminder-Services und standardisiertes Screening aktiv fördern und bei stabilen Erkrankungen wie Hypertonie, Asthma oder Diabetes definierte Monitoring-Aufgaben übernehmen. Die Ärzteschaft erteilt einer solchen „Primärversorgung light“ eine klare Absage. Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, warnt unter anderem vor höheren Kosten für die Versicherten und einem gleichzeitigen Qualitätsabschlag – bei Nebenwirkungen und Komplikationen dieser Variante der Primärversorgung gelte aus seiner Sicht dann aber auch: „Wenden Sie sich an Ihre Apotheke.“
Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, warnt vor einer gesundheitspolitischen Fehlsteuerung. „Statt paralleler Strukturen, die mehr Bürokratie als Entlastung schaffen, brauchen wir eine Stärkung der bestehenden ärztlichen Versorgung und eine sinnvolle Zusammenarbeit der Professionen entsprechend der jeweiligen Qualifikationen.“
Der Bundesvorsitzende des Virchowbundes, Dr. Dirk Heinrich, nannte den Aufschlag der ABDA ein gefährliches Spiel: Sie kombiniere die eigene Kompetenzausweitung mit einer Bagatellisierung von Versorgung. „Die eigenständige Zuschreibung von ärztlichen Qualifikationen führt bei den Apothekern, aber auch den Ärzten zu einer Marginalisierung von Versorgung und zur Deprofessionalisierung beider akademischen Heilberufe.“
Und die KV Hessen brachte Leben ins Spiel mit dem Vorschlag, Apotheken würden 95 % Fertigarzneimittel abgeben, da könne man doch an ihrer statt Abgabestellen in Drogerien einrichten bzw. das Dispensierrecht auf Ärztinnen und Ärzte erweitern. So ließe sich viel Geld sparen.