Mehr Mitglieder, viel Engagement, große Vielfalt
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft ist eine sehr lebendige Fachgesellschaft – das zeigt sich z. B. daran, dass jedes Jahr mehr Ein- als Austritte verzeichnet werden. Während der Mitgliederversammlung wurde intensiv auf die Mitgliederstruktur geschaut, über Fort- und Weiterbildung, Zertifikate und Leitlinien gesprochen und über weitere wichtige Themen berichtet.
Im April 2026 gehörten der DDG 9.369 Mitglieder an, davon 7.381 ordentliche und 1.973 assoziierte. Außerdem gibt es 15 Fördermitgliedschaften. Zum Zeitpunkt des Kongresses lagen für das Jahr 2026 bereits 225 Anträge auf Mitgliedschaft vor. DDG Präsidentin Professorin Dr. Julia Szendrödi zeigte sich sehr erfreut: „Die Zahlen zeigen, wie breit und interprofessionell die moderne Diabetologie geworden ist. Besonders wichtig finde ich, dass unsere Fachgesellschaft nicht nur ärztlich geprägt ist, sondern Menschen aus sehr unterschiedlichen Gesundheitsberufen zusammenbringt.“
Die meisten Mitglieder sind zwischen 40 und 59 Jahre alt. Sieht man sich die Geschlechterverteilung an, sind insgesamt mehr Frauen als Männer Mitglied, stark beeinflusst von den assoziierten Mitgliedern. „Die Geschlechterverteilung in der DDG zeigt deutlich, dass die Diabetologie in hohem Maße auch von Frauen getragen und gestaltet wird.“ Auch die Intersektoralität wird bei etwa hälftiger Aufteilung in Klinik- und Praxistätigkeit bei den Mitgliedern deutlich. Prof. Szendrödi: „Gerade in einer Zeit, in der die sektorenübergreifende Versorgung besonders wichtig ist (…), ist es wichtig, dass wir hier diese breite Vertretung haben. (…) Denn die Menschen mit Diabetes bewegen sich nicht entlang von Sektorengrenzen, sondern werden transsektoral versorgt.“
DDG Mitglieder pro 100.000 Einwohner
In Deutschland gibt es regionale Unterschiede in der Versorgungsdichte. Die drei Bundesländer mit den meisten ordentlichen Mitgliedern pro 100.000 Einwohner sind Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Bei den assoziierten Mitgliedern hat Rheinland-Pfalz die Nase vorn, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. „Die regionale Verteilung zeigt, dass die Diabetologie insbesondere in Ländern mit starker universitärer und ambulanter Struktur sehr präsent ist. Gleichzeitig ist es weiterhin unser Ziel, flächendeckend gut vernetzt zu sein in ganz Deutschland“, ordnete die DDG Präsidentin ein.
Die Diabetologie voranbringen – durch Signale nach außen
Wichtig für die DDG ist auch, in Politik und Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Mit sieben Pressekonferenzen und 43 Pressemitteilungen war sie 2025 sehr präsent, vor allem mit den Themen neue Therapien, Prävention, Teilhabe, Versorgungsgerechtigkeit und digitale Versorgung. Aktuell unterstützen etwa 4.800 Follower auf LinkedIn die Kommunikation nach außen. Auch Menschen mit Diabetes werden zunehmend einbezogen: Der Parlamentarische Jahresempfang 2026 folgte dem Motto „Mit Diabetes mittendrin und nicht am Rand“. „Moderne Diabetologie bedeutet nicht nur Innovation, sondern insbesondere auch Zugang, Teilhabe und strukturierte Versorgung“, so Prof. Szendrödi. Dazu gehört: „Wir wollen Gesundheitskompetenz stärken, also Menschen befähigen.“
Ehrenmitglieder, Wahlen, Kongresse und ein Abschied
Zu Ehrenmitgliedern der Deutschen Diabetes Gesellschaft wurden ernannt: Professor Dr. Andreas Neu, Professor Dr. Michael Nauck, Dr. Alexander Risse (s. Seite 8/9)
Jeweils mit großer Mehrheit gewählt wurden:
Präsident Diabetes Kongress 2028: Professor Dr. Knut Mai, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Präsidentinnen Diabetes Herbsttagung 2028: PD Dr. Katharina Laubner, Universitätsklinikum Freiburg, und Dr. Alba Sulaj, Universitätsklinikum Heidelberg
Kassenprüfer: Wiederwahl von Professorin Dr. Monika Kellerer, Stuttgart, und PD Dr. Kilian Rittig, Teltow
Verabschiedung von Kongresspräsidentin Professorin Dr. Barbara Ludwig, Dresden, aus dem Vorstand der DDG
Erfolgreich war die Kampagne zur Zuckersteuer, die die DDG zusammen mit dem Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) und vielen weiteren Partnern intensiv unterstützt hat (s. Seite 3). Die Wichtigkeit der Verhältnisprävention allgemein verdeutlichte die DDG an vielen Stellen. Auch Prävention durch Präzision ist ein wichtiges Anliegen des DDG Präsidiums, ebenso geschlechtersensible Prävention.
Expertise und Zertifikate definieren Qualität
Die DDG bringt sich ebenso bei den aktuellen Gesundheitsreformen auf vielen Ebenen und gemeinsam mit anderen Aktiven ein. Konkret zum KHVVG sagte Szendrödi: „Mit dieser Reform haben wir (…) eine grundlegende Neuordnung, Struktur und Finanzierungslogik. Und genau jetzt entscheidet sich, ob Diabetesversorgung sichtbar wird und ob sie refinanziert wird. (…) Wichtig ist es, dass wir als Fachgesellschaft die Qualität definieren.“ Die DDG Zertifikate sind dafür gute Blaupausen: Das Zertifikat „Klinik mit Diabetes im Blick DDG“ z. B. schützt viele Menschenleben. „In einem Jahr sind es mehr als 1.000 Patienten, die überleben, wenn sie in einem zertifizierten Zentrum behandelt werden, im Vergleich zu einem nicht zertifizierten Zentrum.“ Diese und andere Zertifizierungen gewinnen an Zuspruch. Unterstützend wirken dabei die Informationsveranstaltungen für zertifizierungsinteressierte Einrichtungen. Neu ist das Zertifizierungsmodul „Diabetes und Alter“.
Weiterbildung im Bereich Diabetologie gibt es strukturiert mit der DDG Akademie seit 1995. Das Programm wird weiterentwickelt und vertieft; auch hybride Veranstaltungsformate nehmen zu. Jedes Jahr werden zwischen 100 und 150 Diabetolog*innen neu anerkannt. Angehörige der Assistenzberufe bekommen immer mehr Möglichkeiten. Zielgruppen sind auch Pflegefachkräfte, hier gibt es ein neues Online-Format für das Training der Trainer*innen.
Die Digitalisierung beschäftigt die DDG ebenfalls. „Das digitale DMP ist ein Schwerpunkt im letzten Jahr gewesen und wird es auch weiterhin sein.“ Dies gilt auch für die Auskopplung der elektronischen Diabetesakte aus der elektronischen Patientenakte, „wo es besonders wichtig ist, dass wir hier den sektorenübergreifenden Austausch von Befunden, Berichten und Plänen ermöglichen und dass wir durch ein digitales Ökosystem sehr effizient zusammenarbeiten können“. Ein weiteres Thema ist die Früherkennung des Typ-1-Diabetes, hierzu wurde ein Positionspapier erstellt (s. S. 7).
Leitlinien entwickeln sich weiter und werden lebendig
Weiterentwickelt wird auch das Leitlinienprogramm. Aktuell in Bearbeitung sind die S3-Leitlinien Gestationsdiabetes und Diabetes im Alter, die S2e-Leitlinie Antikörperscreening auf Typ-1-Diabetes, die Patientenleitlinie Diabetes im Kindes- und Jugendalter und die Patientenempfehlungen zur Ernährung bei Typ-2-Diabetes. In Vorbereitung ist die S3-Leitlinie Diabetes und Psyche. Wer Material für Vorträge sucht, kann aufbauend auf den DDG Praxisempfehlungen Folien im Mitgliederbereich herunterladen: Die Empfehlungen werden ab dem dritten Quartal 2026 in der jeweils aktualisierten Fassung fortlaufend auch online zur Verfügung gestellt, als „Living Guidelines“.
Die finanzielle Lage der DDG ist stabil, berichtete Schatzmeister Professor Dr. Jochen Seufert. Das Eigenkapital reicht, um die Arbeit der DDG für sechs Monate zu finanzieren. Preise, Projekte und Studien konnten mit 785.000 Euro gefördert werden. „Wir sind in der guten finanziellen Lage, dass wir (…) die Diabetesforschung in Deutschland (…) sehr gut fördern können.“
Die Zusammenarbeit mit diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe läuft ebenfalls gut. Geschäftsführerin Nicole Mattig-Fabian gab einen Überblick über die Aktivitäten. Dazu gehören z. B. die politische Podiumsdiskussion „Menschen mit Diabetes beteiligen und stärken“, das Fußballspiel FC Diabetologie gegen FC Bundestag mit politischer Dritter Halbzeit, die Diabetes-Charity-Gala, die Veranstaltung „Meilensteine der modernen Diabetologie/Weltdiabetestag“ und die Social-Media-Kampagne #SagEsLaut #SagEsSolidarisch.