Suizidprävention in Deutschland: Hilfe oft lückenhaft
720.000 Menschen nehmen sich laut WHO jährlich das Leben. In Deutschland sind es mehr als 10.000. Präventive Hilfsangebote sind oft nicht strukturiert und nicht dauerhaft finanziert. Ein Suizidpräventionsgesetz könnte Defizite beheben. Der Weg dahin ist aber lang.
Jeder 100. Sterbefall in Deutschland ist ein Suizid, bemerkt das Statistische Bundesamt. 2024 beendeten 10.372 Menschen ihr Leben durch einen Freitod. Das waren 0,7 % mehr als im Vorjahr und 7,1 % mehr als im Schnitt der letzten zehn Jahre. Die meisten Selbsttötungen erfolgten durch Erhängen, Strangulieren und Ersticken (4.037), gefolgt von Arzneimittel- bzw. Drogenmissbrauch sowie Sturz in die Tiefe. Rund 100.000 Suizidversuche werden jährlich gezählt, häufig von Frauen und Menschen in jüngerem Lebensalter unternommen.
Suizidgedanken?
Hilfe bei Suizidgedanken bietet die Telefonseelsorge anonym und kostenlos über die Hotlines 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 oder unter telefonseelsorge.de. Weitere Nummern und Hilfsangebote finden Sie hier bei Medical Tribune: qr.medical-tribune.de/suizidgedanken
Es sind vor allem die medial in die öffentliche Wahrnehmung getragenen Einzelfälle, die Suizidprävention in den vergangenen Jahren politisch in den Fokus gerückt haben. Zu denken ist an den Nationaltorwart Robert Enke, der sich unter dem psychischen Druck des Leistungssports das Leben nahm. Oder an Andreas Lubitz, der als Copilot beim Germanwings-Absturz 149 Menschen mit in den Tod riss.
Entwurf für Suizidpräventionsgesetz seit Dezember 2024 auf dem Tisch
Mehrfach wurde in den letzten rund zehn Jahren im Bundestag eine bessere Suizidprävention gefordert. 2015 starteten die Grünen mit einem Antrag. „Viele Menschen, die sich aus Verzweiflung, Vereinsamung oder fehlender Wertschätzung selbst töten wollten, suchten Hilfe, bekämen diese Hilfe aber oft nicht“, hieß es. Es folgte 2017 ein gemeinsamer Antrag von Union, SPD und Grünen, „Suizidprävention weiter stärken – Menschen in Lebenskrisen helfen“. Im Zuge der Diskussion um die Sterbehilfe beantragten Abgeordnete fraktionsübergreifend: „Suizidprävention stärken und selbstbestimmtes Leben ermöglichen“.
Ein erster Entwurf für ein Suizidpräventionsgesetz wurde im Dezember 2024 vorgelegt, wegen des Platzens der Ampel-Koalition jedoch nicht weiterverfolgt. Seit Juni gibt es einen Referentenentwurf (Bundestags-Drucksache 20/14987), in dem die Bundesregierung auf Information, Aufklärung, Forschung und Unterstützung setzt. Vorgesehen ist u. a. die Errichtung einer Bundesfachstelle für Suizidprävention im Geschäftsbereich des BMG. Die Länder sollen auf einen flächendeckenden, bedarfsgerechten Ausbau der Krisendienste hinwirken. Geplant sind zudem Modellvorhaben zur Suizidprävention und die Etablierung einer bundesweiten Hotline für Menschen mit Suizidgedanken.
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