Kasse kündigt Hausarztverträge
Die Techniker Krankenkasse will's wissen und kündigt Hausarztverträge im großen Stil. Der Hausärzteverband will nicht zurückweichen und gibt außerdem erst mal Entwarnung: Praxen und Patientinnen und Patienten müssen keine unmittelbaren Folgen befürchten.
Die Techniker Krankenkasse hat großflächig Verträge zur Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) zum 31. Dezember 2026 gekündigt. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband reagierte darauf grundsätzlich mit Entwarnung. Die Kündigung habe keine unmittelbaren Folgen für die teilnehmenden Praxen oder Patientinnen und Patienten.
Aufgrund der Fortgeltungsklausel nach § 73b Absatz 5a SGB V gelte der bisherige Vertrag trotz Kündigung unverändert weiter, bis sich die Hausärztinnen- und Hausärzteverbände und die Krankenkasse auf einen neuen Vertrag geeinigt haben. Sollte keine Einigung zustande kommen, werde ein neuer Vertrag per Schiedsspruch erlassen.
Von der Kündigung betroffen sind insgesamt 14 HZV-Verträge. Die Regionen Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt bleiben unberührt.
Gesetz schützt die hausarztzentrierte Versorgung
Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth, Co-Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, bewertet die Kündigung als Versuch, politischen Druck auszuüben. Die gesetzlichen Regelungen seien jedoch „glasklar“ und schützten den Fortbestand der HZV.
Der Verband sieht das Vorgehen der Techniker als Teil einer Kampagne gegen die Hausärzteschaft. Buhlinger-Göpfarth kritisiert, dass die Krankenkasse ihre Behauptung, die HZV sei teurer und bringe keine bessere Qualität, auf eine einzige, von der TK selbst in Auftrag gegebene Studie mit offensichtlichen Mängeln stütze. Andere Studien und internationale Evidenz kämen zu anderen Ergebnissen.
Kasse favorisiert digitale Lösungen
Der Co-Bundesvorsitzende Dr. Markus Blumenthal-Beier warnt, die TK versuche, die hausärztliche Versorgung zu schwächen. Das erklärte Ziel der Krankenkasse sei es, dass Patientinnen und Patienten künftig zuerst eine Krankenkassen-App konsultieren, die nach digitaler Ersteinschätzung entscheide, ob ein Arztbesuch nötig sei. Die HZV stehe diesem Ziel im Weg.
Man müsse den TK-Versicherten jetzt sagen, dass sie Beiträge an eine Krankenkasse zahlen, die „offen dafür lobbyiert, den Zugang zur hausärztlichen Versorgung in der bisherigen Form abzuschaffen“. Man werde sich dem auch in Zukunft entschieden entgegenstellen.
Pressemitteilung Hausärztinnen- und Hausärzteverband