Fachverbände wehren sich gegen Screening-Verlagerung
SpiFa und BVDD kritisieren Überlegungen, die Früherkennung von Hautkrebs im Rahmen eines Primärarztmodells zunehmend in hausärztliche Hände zu geben. Sie warnen vor Qualitätseinbußen und fordern den Erhalt fachärztlicher Standards.
Der Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (SpiFa) und der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) zeigen sich alarmiert: Zum einen ist der GKV-Sparvorschlag in der Welt, das gesetzliche Hautkrebsscreening zunächst auszusetzen und den G-BA überprüfen zu lassen, ob KI-gestützte Systeme in hausärztlicher Hand zur Hautkrebsdetektion ausreichen. Zum anderen glaube die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), dass es ausreiche, Dermatologinnen und Dermatologen erst bei einem hausärztlich festgestellten „Anfangsverdacht“ einzubinden.
Ein solcher „Filter“ könne jedoch dazu führen, dass Versicherte mit frühen, klinisch subtilen Hautveränderungen gar nicht erst zur fachärztlichen Abklärung gelangten. „Das gesetzliche Hautkrebsscreening ist bewusst als anlassloses Screening konzipiert. Wenn bereits ein Hautkrebsverdacht besteht, ist es für eine echte Früherkennung schon zu spät“, so Dr. Ralph von Kiedrowski, Präsident des BVDD.
Fortbildung ersetzt keine Facharztausbildung
Zwar dürfen Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner nach einem achtstündigen Kurs das Screening durchführen. Doch aus Sicht des BVDD kann diese Fortbildung eine mehrjährige fachärztliche Ausbildung nicht ersetzen. Dermatologinnen und Dermatologen verfügen über die Expertise, auch atypische und schwer einzuordnende Hautveränderungen zu beurteilen, maligne Läsionen frühzeitig zu erkennen und unmittelbar die richtigen therapeutischen Schritte einzuleiten.
Patientensicherheit muss Priorität haben
Dr. Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des SpiFa, warnt vor falschen Sparideen. „Die geplante Verlagerung verkennt die Komplexität moderner Fachmedizin. Gerade in der Früherkennung kommt es auf Erfahrung und differenzierte Beurteilung an. Die Patientensicherheit muss Priorität haben.“
Besonders kritisch sieht Dr. von Kiedrowski kommerzielle KI-Anwendungen in Drogeriemärkten sowie Smartphone-Apps zur Hautanalyse. „Wer Hautkrebs und Vorstufen nicht sicher selbst erkennen kann, dem hilft auch eine KI nicht weiter.“ Die These, eine Allgemeinmedizinerin oder ein Allgemeinarzt mit KI-Unterstützung reiche für die Früherkennung aus, weist er entschieden zurück. Bei steigenden Hautkrebszahlen müsse die Früherkennung dort bleiben, wo die höchste fachliche Kompetenz vorhanden ist, fordern beide Verbände.
Die Folgen intensiver UV-Strahlung
In den vergangenen 20 Jahren stiegen die stationären Hautkrebsbehandlungen um 87,5 %, bei hellem Hautkrebs haben sie sich mehr als verdoppelt. Jährlich werden ambulant 1,2 Millionen helle Hautkrebse und rund 245.000 maligne Melanome diagnostiziert.