Was Spezialsprechstunden erfolgreich macht
Was Spezialsprechstunden erfolgreich macht
Amyloidose-Sprechstunde als Erfolgsmodell aus BerlinWie entsteht eine Spezialsprechstunde, die Versorgung wirklich verbessert? Ein Berliner Amyloidose-Zentrum zeigt, welche Strukturen seltene Erkrankungen besser auffangen – und warum sich das Modell weit über ein Fachgebiet hinaus übertragen lässt.
Eine Erkrankung gilt in Deutschland als selten, wenn nicht mehr als fünf von 10.000 Menschen betroffen sind. Das klingt wenig – doch es gibt über 6.000 solcher Erkrankungen und zusammengenommen sind hierzulande mehrere Millionen Menschen betroffen. Sie alle bräuchten spezialisierte Versorgungsstrukturen.
Für Patientinnen und Patienten mit Amyloidose bietet das ein Zentrum der Charité – Universitätsmedizin Berlin an. Es wurde von Prof. Dr. Sebastian Spethmann, stellvertretender Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Deutschen Herzzentrum der Charité, und Assistenzärztin Dr. Gina Barzen zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aufgebaut.
Vor rund zehn Jahren habe die Zahl der vorstelligen Amyloidose-Betroffenen zugenommen, berichtet Prof. Spethmann. Es sei deutlich geworden, dass man für ihre Versorgung eine andere Struktur benötigt. Die erste kardiologische Amyloidose-Sprechstunde am Campus Mitte in der heutigen Form hat dann Dr. Barzen durchgeführt. „Ich hatte dadurch die Möglichkeit, sehr früh in einem speziellen Bereich viel Erfahrung zu sammeln“, erzählt sie.
Nicht alle Leistungen sind hinreichend vergütet
Mittlerweile sind etwa 900 Patientinnen und Patienten im Register des Zentrums erfasst, rund 400 werden pro Jahr in der Sprechstunde gesehen. Die Komplexität der Erkrankung und die Multidisziplinarität erfordern deutlich mehr Aufwand als andere Formen der Herzschwäche, sagt Prof. Spethmann. Eines der Probleme sei: „Unsere wöchentliche Konferenz, in der wir alle beteiligten Disziplinen virtuell zusammenbringen, die Bewertung und die Einordnung der Befunde und letztlich eine Entscheidung bezüglich der Diagnose und der Therapie konsentieren – das sind Leistungen, die nicht zusätzlich vergütet werden.“
Inzwischen könnten sich auch Kolleginnen und Kollegen aus anderen Versorgungseinrichtungen zuschalten, um Befunde zu besprechen. Betroffene aus entfernten Regionen müssen so nicht mehrere hundert Kilometer nach Berlin kommen. Prof. Spethmann unterstreicht: „Solche spezialisierten Sprechstunden werden nie durch einzelne Personen alleine entwickelt.“
Zwei Dinge, die zentral sind für den Erfolg der Sprechstunde
Zentral für den Erfolg des Zentrums seien zwei Elemente: die wöchentliche interdisziplinäre Fallkonferenz und die Koordinatorin des Zentrums, die als Lotsin für die Patientinnen und Patienten fungiert, aber auch als Single Point of Access für Zuweiser. Das sei eine der großen Erkenntnisse im Aufbau der Sprechstunde gewesen.
Dr. Barzen ist überzeugt, dass die Sprechstunde sehr gut auf andere seltene Erkrankungen übertragbar ist. „Letztlich sind die Fragen, die man sich als Behandler oder in der Forschung stellt, nicht so unterschiedlich“, sagt sie. Und Register seien für alle Erkrankungen sinnvoll, genauso wie interdisziplinäre Settings.
Prof. Spethmann betont, wie wichtig es ist, Verantwortung auf verschiedene Menschen aufzuteilen. „Solche Dinge funktionieren nur im Team.“ Ehrlichkeit, Transparenz und Verlässlichkeit seien die Basis. Möchten Sie wissen, was Prof. Spethmann und sein Team außerdem erfahren und gelernt haben? Dann hören Sie unsere neue Folge von „O-Ton Innere Medizin“. So profitieren Sie von praxiserprobtem Wissen.
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O-Ton Innere Medizin ist der Podcast für Internist:innen. So vielfältig wie das Fach sind auch die Inhalte. Die Episoden erscheinen alle 14 Tage donnerstags auf den gängigen Podcast-Plattformen. Kontakt zur Redaktion: o-ton-innere-medizin@medtrix.group
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Wie entsteht eine Spezialsprechstunde, die Versorgung wirklich verbessert? Ein Berliner Amyloidose-Zentrum zeigt, welche Strukturen seltene Erkrankungen besser auffangen – und warum sich das Modell weit über ein Fachgebiet hinaus übertragen lässt.
Eine Erkrankung gilt in Deutschland als selten, wenn nicht mehr als fünf von 10.000 Menschen betroffen sind. Das klingt wenig – doch es gibt über 6.000 solcher Erkrankungen und zusammengenommen sind hierzulande mehrere Millionen Menschen betroffen. Sie alle bräuchten spezialisierte Versorgungsstrukturen.
Für Patientinnen und Patienten mit Amyloidose bietet das ein Zentrum der Charité – Universitätsmedizin Berlin an. Es wurde von Prof. Dr. Sebastian Spethmann, stellvertretender Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Deutschen Herzzentrum der Charité, und Assistenzärztin Dr. Gina Barzen zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aufgebaut.
Vor rund zehn Jahren habe die Zahl der vorstelligen Amyloidose-Betroffenen zugenommen, berichtet Prof. Spethmann. Es sei deutlich geworden, dass man für ihre Versorgung eine andere Struktur benötigt. Die erste kardiologische Amyloidose-Sprechstunde am Campus Mitte in der heutigen Form hat dann Dr. Barzen durchgeführt. „Ich hatte dadurch die Möglichkeit, sehr früh in einem speziellen Bereich viel Erfahrung zu sammeln“, erzählt sie.
Nicht alle Leistungen sind hinreichend vergütet
Mittlerweile sind etwa 900 Patientinnen und Patienten im Register des Zentrums erfasst, rund 400 werden pro Jahr in der Sprechstunde gesehen. Die Komplexität der Erkrankung und die Multidisziplinarität erfordern deutlich mehr Aufwand als andere Formen der Herzschwäche, sagt Prof. Spethmann. Eines der Probleme sei: „Unsere wöchentliche Konferenz, in der wir alle beteiligten Disziplinen virtuell zusammenbringen, die Bewertung und die Einordnung der Befunde und letztlich eine Entscheidung bezüglich der Diagnose und der Therapie konsentieren – das sind Leistungen, die nicht zusätzlich vergütet werden.“
Inzwischen könnten sich auch Kolleginnen und Kollegen aus anderen Versorgungseinrichtungen zuschalten, um Befunde zu besprechen. Betroffene aus entfernten Regionen müssen so nicht mehrere hundert Kilometer nach Berlin kommen. Prof. Spethmann unterstreicht: „Solche spezialisierten Sprechstunden werden nie durch einzelne Personen alleine entwickelt.“
Zwei Dinge, die zentral sind für den Erfolg der Sprechstunde
Zentral für den Erfolg des Zentrums seien zwei Elemente: die wöchentliche interdisziplinäre Fallkonferenz und die Koordinatorin des Zentrums, die als Lotsin für die Patientinnen und Patienten fungiert, aber auch als Single Point of Access für Zuweiser. Das sei eine der großen Erkenntnisse im Aufbau der Sprechstunde gewesen.
Dr. Barzen ist überzeugt, dass die Sprechstunde sehr gut auf andere seltene Erkrankungen übertragbar ist. „Letztlich sind die Fragen, die man sich als Behandler oder in der Forschung stellt, nicht so unterschiedlich“, sagt sie. Und Register seien für alle Erkrankungen sinnvoll, genauso wie interdisziplinäre Settings.
Prof. Spethmann betont, wie wichtig es ist, Verantwortung auf verschiedene Menschen aufzuteilen. „Solche Dinge funktionieren nur im Team.“ Ehrlichkeit, Transparenz und Verlässlichkeit seien die Basis. Möchten Sie wissen, was Prof. Spethmann und sein Team außerdem erfahren und gelernt haben? Dann hören Sie unsere neue Folge von „O-Ton Innere Medizin“. So profitieren Sie von praxiserprobtem Wissen.
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