Check-up, Lungenkrebsscreening und DMP COPD kombinieren
Seit April 2026 ergänzt das Lungenkrebsscreening die GKV-Vorsorge. Zusammen mit dem Check-up und dem DMP COPD lässt sich daraus für Raucherinnen und Raucher ein starkes Präventions- und Versorgungspaket schnüren.
Für gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren steht die Gesundheitsuntersuchung (Check-up) auf Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- und Nierenerkrankungen nach der GOP 01732 zur Verfügung. Die Konzentration dieser Untersuchung auf diese drei chronischen Erkrankungen kann seit der Entbudgetierung des hausärztlichen Honorars mit Blick auf die Behandlung einer anderen chronischen Erkrankung optimal erweitert werden.
Rauchen ist der Hauptgrund für das Auftreten von Lungenkrebs und COPD. Bei Raucherinnen und Rauchern tritt Lungenkrebs am häufigsten im Alter zwischen 65 und 75 Jahren auf. Wer sehr früh mit dem Rauchen beginnt und eine hohe „Dosis“ (Packungsjahre) erreicht, verschiebt die statistische Kurve jedoch nach vorne und kann bereits ab 50 Jahren ein massiv erhöhtes Risiko aufweisen. Die Erkrankung entwickelt sich schleichend über viele Jahre. Da die Lunge über große Kompensationsmöglichkeiten verfügt, treten erste schwere Symptome oft erst nach dem 50. oder 60. Lebensjahr auf. Die Teilnahme am DMP COPD ist bereits ab einem Alter von 18 Jahren möglich.
Anamnese legt zusätzlichen Untersuchungsbedarf offen
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Als bevorzugte Quelle auswählenEin Fallbeispiel: Heinrich K. ist 50 Jahre alt und seit seinem 16. Lebensjahr Raucher. In den letzten Jahren hat sich sein Zigarettenkonsum auf mindestens eine Packung pro Tag gesteigert. Er kommt nun wegen häufiger Hustenanfälle, verbunden mit Atemnot unter Belastung und retrosternalen Schmerzen in die Praxis.
Zur Abklärung der Beschwerden werden eine (Ganzkörper-)Untersuchung, eine Lungenfunktion und ein Ruhe-EKG durchgeführt. Der Blutdruckwert und das EKG sind unauffällig, der FEV1-Wert mit 65 % vom individuellen Erwartungswert und der Tiffeneau-Index mit 50 % sprechen allerdings für das Vorliegen einer obstruktiven Lungenerkrankung. Weil sich bei der Anamneseerhebung herausstellt, dass K. noch nie bei einer Darmkrebsvorsorgeuntersuchung war, wird er über die Möglichkeit einer Vorsorgekoloskopie aufgeklärt. Zugleich wird er ins DMP COPD eingeschrieben.
Zur weiteren Abklärung der Gesamtrisikoskala erhält der Patient einen Termin für eine Gesundheitsuntersuchung, verbunden mit einem Hautkrebs- und einem Hepatitisscreening. Die Urinuntersuchung und die Blutentnahme für die Laborparameter des Check-ups und des Hepatitis-Screenings werden sofort durchgeführt. Wegen des starken Zigarettenkonsums wird K. in einem zwölfminütigen Gespräch über die möglichen gesundheitlichen Folgen eines Nikotinabusus informiert und ihm eine Verordnung für die DiGA „Nichtraucherhelden“ zur Vorlage bei seiner Krankenkasse überreicht. Am Tag der Gesundheitsuntersuchung wird dem Patienten nach Aufklärung die Durchführung eines Low-Dose-CT empfohlen. Zusammen mit einem indikationsbegründenden Bericht erhält er eine Überweisung an eine radiologische Einrichtung.
Chronikerpauschalen kommen zunächst nicht in Betracht
Die Abrechnung der Leistungen ist in der Tabelle dargestellt. Die Berechnung der GOP 03220/03221 (Chronikerpauschalen) ist noch nicht möglich, da es sich um eine Erstdiagnose der COPD handelt und K. auch nicht wegen anderer chronischer Erkrankungen in der Praxis behandelt wurde. Für die weitere Versorgung des Patienten lässt sich eine „programmierte“ Vorgehensweise entwickeln, die sowohl einen optimalen Vorsorgeerfolg liefern kann als auch den ärztlichen Aufwand angemessen honoriert (s. Tipp).
| Die Abrechnung im Fallbeispiel | ||
|---|---|---|
EBM | Leistungsbeschreibung | Euro |
Erstkontakt | ||
03003 | Versichertenpauschale im 50. Lebensjahr Hinweis: Von der KV wird die GOP 03020 und – sofern die Praxis in diesem Quartal mindestens 10 Impfungen berechnet und 2 definierte Qualifikationskriterien erfüllt hat – die GOP 03040/03041 hinzugefügt | 14,52 |
03330 | Spirografische Untersuchungen | 6,75 |
32880 | Harnstreifentest auf Eiweiß, Glukose, Erythrozyten, Leukozyten und Nitrit | 0,50 |
92118 | Dokumentation Ersteinschreibung DMP COPD (Beispiel Hessen; die Abrechnungspositionen und Vergütungen basieren auf regionalen Verträgen und sind in den KVen unterschiedlich geregelt) | 25,00 |
03230 | Problemorientiertes ärztliches Gespräch | 16,31 |
01740 | Beratung zur Früherkennung des kolorektalen Karzinoms | 14,78 |
Folgekontakt | ||
01732 | Gesundheitsuntersuchung bei Erwachsenen ab dem vollendeten 18. Lebensjahr | 41,53 |
01746 | Zuschlag zur GOP 01732 für die Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs | 26,63 |
01734 | Zuschlag zur GOP 01732 für das Screening auf Hepatitis-B- und/oder auf Hepatitis-C-Virusinfektion | 5,22 |
32881 | Bestimmung der Nüchternplasmaglukose | 0,25 |
32882 | Bestimmung des Lipidprofils (Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceride) | 1,00 |
01876 | Erstberatung zur Früherkennung von Lungenkrebs, Gesprächszeit 15 Minuten | 33,24 |
01875 | Erstellen eines Berichts gemäß Krebsfrüherkennungs-Richtlinie | 4,97 |
Dr. Zimmermanns Tipp
Bei starken Raucherinnen und Rauchern ist es unabhängig vom Alter sinnvoll, frühzeitig Hinweise für das Vorliegen einer COPD durch die Bestimmung der Einsekundenkapazität (FEV1) und/oder den Tiffeneau-Index (FEV1/FVC) zu erkennen und Betroffene ins DMP COPD einzuschreiben. Die Lungenfunktionsuntersuchung kann so alle drei bis sechs Monate wiederholt und konsequent ab dem 50. Lebensjahr alle zwölf Monate um ein Low-Dose-CT erweitert werden.
Es fallen so in jedem Quartal mindestens die Versichertenpauschale (zzgl. Vorhalte- und Hygienepauschale), beide Chronikerpauschalen, die GOP 03330 (Spirografie), die Gesprächsleistung nach der GOP 03230, die DMP-Folgedokumentations- und die Berichtsgebühr nach GOP 01875 an.