Die wenigsten Medizinischen Fachangestellten schaffen den Sprung in die Hochschulbildung

Master als MFA ist möglich, aber schwierig

Bericht
|Erschienen am: 
|Lesezeit: 3 Min
Ob Medizinische Fachangestellte eigenständiger arbeiten können, hängt oft von der einzelnen Praxis ab.

Dass das Potenzial von MFA in Praxen oft ungenutzt bleibt, hat die Bertelsmann Stiftung in einer Studie gezeigt. Für Medizinische Fachangestellte existieren aber auch Karrierehürden.

Für Medizinische Fachangestellte gibt es mehrere Aufstiegsfortbildungen und Studiengänge: NäPA/EVA und VERAH, Fachwirtin oder Fachwirt für ambulante medizinische Versorgung oder im Gesundheitsund Sozialwesen, Physician Assistance (B. Sc.; PA), Primary Care Management (B. Sc.; PCM) sowie Praxis- und Versorgungsmanagement (B. Sc.). Während NäPA/EVA und VERAH neben Hausbesuchen auch erweiterte Praxistätigkeiten übernehmen wie die Beratung und Betreuung chronisch Kranker, richtet sich die Arbeit der Fachwirtinnen und -wirte meist auf betriebliche Prozesse, Organisation und Managementaufgaben.

Spezifischer qualifiziert hingegen das PA-Studium die MFA, die danach u. a., eigenständig Anamnesen erheben, bei Diagnostik und Therapieplanung mitwirken und delegierte ärztliche Tätigkeiten wie die Wundversorgung übernehmen kann. Wer als MFA den PCM-Studiengang absolviert, ist akademisch qualifizierte Fachkraft für die hausärztliche Primärversorgung.

Diese Person arbeitet eng mit Ärztinnen und Ärzten zusammen und übernimmt sowohl delegierbare medizinische Aufgaben als auch Praxismanagement und Qualitäts- sowie Personalsteuerung. Absolventinnen und Absolventen im Praxis- und Versorgungsmanagement sind ebenfalls akademisch qualifizierte Fachkräfte, jedoch zuständig für Organisation, Steuerung und Weiterentwicklung von Versorgungsprozessen im Gesundheitswesen. Sie arbeiten häufig in ärztlichen Praxen und kümmern sich dort u. a. darum, Praxisabläufe zu optimieren.

Laut der Autorinnen der Bertelsmann-Studie sei auffällig, dass zwar Pflegefachkräfte für die Bachelor-Studiengänge, die sich an MFA richten, zugelassen seien, sie jedoch keinen Zugang zu den Bachelor- und Master-Studiengängen haben, die sich an Pflegefachkräfte richten.

Berufliche und akademische Bildung bleiben getrennt

Auf ihrem Karriereweg stoßen MFA auf weitere strukturelle Hindernisse – sowohl vertikal bei ihrem Aufstieg in höhere Verantwortungs-, Leitungsoder akademische Positionen als auch horizontal beim Wechsel oder der Erweiterung der Einsatzfelder auf gleicher Qualifikationsebene. Als gering stufen die Autorinnen etwa die Durchlässigkeit zur Hochschulbildung ein. Zwar sei der Übergang für MFA von der beruflichen Ausbildung ins Studium formal möglich, genutzt werde dieser jedoch nur von einem sehr kleinen Anteil. Denn die meisten MFA brächten keine klassische Zugangsberechtigung zur Hochschule mit, müssten vielmehr über berufliche Qualifikationen eine fachgebundene Berechtigung erwerben, was wiederum den Zugang zu Studienplätzen blockiere.

„Die traditionelle, starke Trennung von beruflicher und akademischer Bildung sowie die begrenzte Anerkennungspraxis von Vorerfahrungen erschweren systematische Aufstiege“, so das Fazit. Es fehle an bundeseinheitlichen Aufstiegsstrukturen, zudem seien Weiterbildungen im Gesundheitsbereich wenig transparent und nicht einheitlich anerkannt („Wildwuchs“), was die Durchlässigkeit weiter erschwere. Aufstiegsfortbildungen seien daher häufig regional und anbieterabhängig.

Die Arbeit der MFA bleibe überdies in vielen Praxen weiter eher beschränkt auf Themen wie Anmeldung und Abrechnung. Eigenständigere Rollen, z. B. Versorgungskoordination, Präventionsberatung und Case Management, seien wenig standardisiert verankert. Neue Funktionsrollen würden meist einrichtungsabhängig entstehen. An der MFA-Ausbildung positiv hoben die Autorinnen u. a. deren bundeseinheitliche Standards und Dualität mit Praxis- und schulischen Anteilen hervor. Die MFA-Ausbildung gelte aus heutiger Sicht jedoch als überholt, weil Themen wie Digitalisierung und Telemedizin weiter kaum eine Rolle spielten.

© Bertelsmann Stiftung

Fortbildungen und Studiengänge bieten MFA und Pflegekräften Optionen. Aber der Weg ist schwer.

Angela Monecke

Angela Monecke

Redakteurin Medical Tribune
Angela Monecke lebt und arbeitet als Fachjournalistin in Berlin. Ihrem Studium der Politik- und Kommunikationswissenschaft in Bamberg folgten journalistische Stationen in Medienhäusern in Stuttgart, Nürnberg, Mainz und Berlin. Im Jahr 2022 wechselte die Diplom-Politologin unter das Dach der MedTriX Deutschland und gehört seither zum Redaktionsteam der Medical Tribune im Ressort Politik & Praxis sowie der diabetes zeitung.

Das könnte Sie auch interessieren