ADHS digital behandeln

App bessert ADHS-Symptome und stärkt Alltagsfunktionen

Aus der Fachliteratur
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Gedankenwirrwarr, Impulsivität, Konzentrationsprobleme: ADHS im Erwachsenenalter belastet den Alltag stark. Eine neue DiGA soll jetzt gezielt helfen.

Eine KVT-basierte DiGA kann Erwachsenen mit ADHS messbar helfen. In einer randomisierten Studie besserten sich Symptomatik, depressive Beschwerden und funktionale Einschränkungen signifikant.

Erwachsene mit ADHS profitieren deutlich von einer digitalen Intervention mit der App Attexis. Das berichtet eine Autorengruppe um ­Roberto ­D’Amelio von der Universität des Saarlandes in Homburg.

Attexis basiert auf kognitiver Verhaltenstherapie und Achtsamkeitsprinzipien. In digitalen Dialogen erarbeiten die Anwenderinnen und Anwender individuelle Strategien zur Aufmerksamkeitssteuerung, Impulskontrolle und Selbstwertregulation, beschreibt das Autorenteam. Psychoedukation zur ADHS und zu geschlechtsspezifischen Aspekten sowie Audio-Übungen ergänzen das Programm.

An der Studie nahmen 337 Erwachsene (18–65 Jahre) mit gesicherter ADHS-Diagnose teil, deren Behandlung mindestens 30 Tage stabil war. Zusätzlich zur üblichen Therapie nutzten 164 von ihnen drei Monate lang die App, 173 Kontrollpersonen führten ihre Behandlung unverändert fort.

Symptomlast sinkt, Selbstwert und Lebensqualität steigen

Nach drei Monaten sank der ASRS*-Gesamtscore in der Interventionsgruppe um durchschnittlich 5 Punkte stärker als in der Kontrollgruppe. 11,6 % der App-Nutzenden sprachen auf die Therapie an (mindestens 30 % Symptomreduktion) vs. 1,2 % der Kontrollpersonen. Auch funktionale Beeinträchtigung, depressive Symptomatik, Selbstwertgefühl und Lebensqualität besserten sich signifikant.

Die Effekte blieben bis zur Nachuntersuchung nach sechs Monaten stabil. Symptomverschlechterungen traten seltener auf als in der Kontrollgruppe (10,7 % vs. 24 %). Unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit der App wurden nicht berichtet.

DiGA ist ähnlich effektiv wie Face-to-Face-Psychotherapie

Die Studienergebnisse zeigen, dass die digitale Intervention ähnliche Effektstärken wie eine Face-to-Face-Verhaltenstherapie erreichen kann, schreiben D’Amelio et al. Zu beachten sei allerdings, dass alle Outcomes ausschließlich per Selbstauskunft erhoben wurden und keine Verblindung erfolgte. Zudem wurde die Studie vom Hersteller der App finanziert, bei dem zwei Autorinnen angestellt sind. Attexis ist als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) auf Rezept erstattungsfähig.

* Adult ADHD Self-Report Scale v1.1

1. D’Amelio R et al. Psychological Medicine 2026; 11:56:e54; doi: 10.1017/S0033291726103390

2. Pressemitteilung Universität des Saarlandes

Dr. Susanne Meinrenken

Dr. Susanne Meinrenken ist als freie Autorin u. a. für die Medical Tribune tätig. Nach ihrer Approbation begann sie 1998 ihre freiberufliche Tätigkeit als Autorin, Journalistin und Redakteurin im Bereich Humanmedizin. So verschieden wie die Zielgruppen ihrer Texte – Medizinerinnen und Mediziner, Studierende oder Laien – sind auch die Fachbereiche, in denen Susanne Meinrenken tätig ist: Neurologie und Psychiatrie, Pneumologie, Gynäkologie und Onkologie sowie internistische und allgemeinmedizinische Texte oder auch Public-Health-Themen.

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