Beiträge zum Thema Allgemeinmedizin – Alle Beiträge

Hilft jetzt die Serologie weiter?
Ich betreue eine 23jährige Patientin mit positiver Chlamydien-Serologie. Seit August ´97, damals war die Patientin noch Trägerin eines Intrauterin- Pessars, klagt sie über Bauchschmerzen bis hin zu Bauchkrämpfen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Glieder- und Kopfschmerzen sowie über ein allgemeines Schwächegefühl. Unter Mitbehandlung eines Gynäkologen wurde die Patientin mit Doxycyclin, Erythromycin und Klacid® behandelt. Nach jeder Therapie fühlte sie sich zunächst beschwerdefrei, dann traten fast die gleichen Symptome wieder auf. Die Patientin war früher eine begeisterte Sportlerin und überhaupt sehr leistungsfähig. Jetzt fällt es ihr zunehmend schwerer, den Anforderungen am Arbeitsplatz gerecht zu werden. Wie kann meiner Patientin geholfen werden?

Wundversorgung neben Verband abrechnen?
Von der Fleischerei Berufsgenossenschaft wird mir mitgeteilt, daß bei einer Wundversorgung die Ziffer 200 neben der Ziffer 2004 nicht berechnungsfähig ist. Es können nur die besonderen Kosten abgerechnet werden. Hierzu wird auf die Anmerkungen im Text zu Ziffer 200 der GOÄ hingewiesen. Wie ich mich erinnerte, bei Ihnen gelesen zu haben, ist bei GOÄ- Abrechnung diese Kombination doch sinnvoll und möglich. Ich bitte dies zu prüfen.

Mit Globuli auf Läuse schießen?
In der Schule meines Sohnes tritt häufiger Kopflaus-„Alarm“ auf. Den Kindern wurde nun ein Schreiben mitgegeben, in dem eine vorbeugende homöopathische Therapie mit Sabadilla D12 empfohlen wird. Ich störe mich sehr daran, im Prinzip gesunde Kinder an eine Tabletteneinnahme zu gewöhnen, auch wenn es homöopathische oder „natürliche“ Stoffe sind. Was sagen die Experten dazu ?

Was lindert den Schmerz?
Ich betreue eine 40jährige Patientin mit ausgedehnter Sklerodermie. Gegen die starken Schmerzen verordnete ich der Patientin Rantudilxae forte und Valoron6reg;, später zusätzlich bei Bedarf L-Polamidonxae Hoechst. In der Hoffnung, die Patientin wieder vom L-Polamidon loszukriegen, habe ich sie stationär eingewiesen. Dort bekam sie Novalginxae 3mal 25 Tropfen täglich und Morphinsulfat (MST 10 1 bis 2 Tabletten täglich) - also gerade, was ich nicht wollte, und das Ergebnis ist nicht befriedigend. Was kann ich tun?

Osteoporose vorprogrammiert?
Laborarzt
Heidelberg:
Ist ein niedriger Östradiol-Spiegel unter 20-pg/ml bei nicht erhöhten-Gonadotropinspiegeln (unter 8-U/l) bei 20- bis 30jährigen Frauen, die Ovulationshemmer einnehmen, ein Grund zur Substitution? Besteht aufgrund der niedrigen Östradiolwerte ein für später vorprogrammiertes Osteoporose-Risiko?

Ist süßes Obst erlaubt?
Von Patienten mit Typ-II-Diabetes höre ich immer wieder, daß ihnen Ernährungsberater, aber auch Ärzte verbieten, Trauben oder Bananen zu essen. Manchen Patienten wurde sogar untersagt, überhaupt Obst zu verzehren. Wohingegen Fruchtzucker in Diätmarmelade, -kuchen oder -säften erlaubt wird. Welcher Zuckergehalt befindet sich in welchem Obst? Welches süße Obst können Diabetiker ohne Bedenken genießen?

Wie kann ich mich wehren?
Rein rechnerisch müßte jeder Kollege in meinem Bezirk 2,3- bis 2,5mal einen Notfalldienst pro Halbjahr leisten. Man sollte daher meinen, daß man 3mal „drankommt“, das folgende Halbjahr dann 2mal und so weiter. Der Kollege, der im Auftrag der KV den Dienstplan erstellt, sieht das aber anders: Er selbst macht überhaupt keinen Bereitschaftsdienst, anderen Kollegen teilt er jeweils nur einen Dienst pro Halbjahr zu, mich rundet er immer auf 3 auf. Alle Kollegen üben ihre Kassenpraxis in vollem Umfang aus. Sofort nach Erhalt des Dienstplanes 1. Halbjahr 1998 habe ich bei der KV Einspruch gegen diesen Plan erhoben. Inzwischen sind über drei Monate vergangenen, passiert ist bis heute nichts. Wie kann ich mich gegen ungerechte Dienstpläne wehren? Wie wäre die Rechtslage, wenn ich einfach sage, den zuviel zugeteilten Dienst mache ich nicht und dies der KV rechtzeitig mitteilen würde?

Wie komme ich an mein Geld?
Insgesamt gesehen ist die Zusammenarbeit mit den Berufsgenossenschaften zufriedenstellend (außer dem Ostabschlag). Nur bei den diversen Anfragen haperts. In mehreren Fällen habe ich nichts bekommen, z.B. bei einer Anfrage betreffs einer Berufskrankheit habe ich wegen des großen Umfangs der Recherchen 30 DM verlangt, aber nichts bekommen.

Was hilft dieser alten Dame?
Meine 75jährige Patientin leidet seit Jahren unter zunehmendem Meteorismus mit deutlicher (geruchloser) Flatulenz, die bei zunehmender Sphinkterunzuverlässigkeit peinliche Situationen verursacht. Es gibt keine Hinweise auf eine exkretorische Pankreasinsuffizienz, der Stuhl ist frei von pathogenen Pilzen. Simethicon half nicht.

Schweigepflicht verletzt?
Mein Problem ist die Interpretation der ärztlichen Schweigepflicht. Als Facharzt für Allgemeinmedizin betreute ich eine ältere Patientin regelmäßig alle 2 bis 4 Wochen durch Hausbesuche einige Jahre. Die Multimorbidität erlaubte es aus rein medizinischen Gründen nicht mehr, die Patientin in die Praxis kommen zu lassen. Bis zum Tode der Patientin vor einem Jahr wurde sie von ihrer in der Nachbarschaft lebenden Tochter im Durchschnitt 1 bis 2 Stunden täglich versorgt. Der Ehemann dieser Tochter besorgte die notwendigen Einkäufe für die Patientin. Oft erzählte mir die Patientin von der liebevollen Betreuung durch ihre Tochter und deren Ehemann. Die Patientin hinterließ ein Testament, in dem sie ihrer Tochter ihr Haus und Grundstück vererben wollte, wenn diese sie in gesunden und kranken Tagen pflege. Der Sohn der verstorbenen Patientin bestreitet nun, daß die Tochter (seine Schwester) diese Bedingung erfüllt habe. Nun werde ich als Zeuge vor Gericht zitiert, um über die Betreuung der Patientin durch die Tochter auszusagen. Darf ich wegen der ärztlichen Schweigepflicht dazu überhaupt Aussagen machen? Außerdem waren die Tochter und deren Ehemann zur damaligen Zeit auch in meiner Behandlung wegen einer Ehekrise, die durch eine allzugroße Inanspruchnahme der Tochter durch die Patientin ausgelöst wurde. Darf ich das vor Gericht erwähnen?

Was stört den Bauch im Liegen?
„Bei meinem 53jährigen Patienten, der 1962 appendektomiert wurde, bestehen seit 6 Jahren linksseitige Mittel- und Unterbauchschmerzen, die sich nahezu jede Nacht einstellen und, nachdem er aufgestanden ist, innerhalb einer Stunde abklingen. Diagnostisch findet sich kein Hinweis auf ein entzündliches Geschehen, Gastroskopie und Koloskopie sind unauffällig. Für ein Colon irritabile sind die Beschwerden untypisch. Um was könnte es sich handeln?“

Gefahr für meine Tochter ?
Eine meiner Töchter war auf einem Pfadfinderlager, wo - entgegen der üblichen Konsumtrottelei mit Erlebniskonserven - reichlich Primärerfahrungen gemacht wurden. Leider haben einige Eltern wegen des „Donnerbalkens“ Bedenken, da sie eine Übertragung von Hepatitis A befürchten. Ich halte das für unbegründet. Wer hat recht?

Mahngebühr berechnen?
1) Wie ist zu verfahren, wenn der Patient (privat) nach der 2. oder 3. Mahnung die Rechnung, aber nicht die Mahnkosten (10 bzw. 15 DM) bezahlt?
2) Kann dieser Betrag neu angemahnt bzw. auf die nächste Rechnung aufgeschlagen werden?
3) Kann gegenüber dem Privatpatienten die Behandlung verweigert werden (außer Notfall natürlich), wenn trotz der 2. bzw. 3. Mahnung, die vorhergehende Rechnung noch nicht bezahlt wurde?

Kann ich die KV-Funktionäre zur Arbeit zwingen?
Wie lange darf sich die KV eigentlich mit der Bearbeitung von Widersprüchen Zeit lassen? Ich habe gegen mehrere Quartalsabrechnungen Widerspruch eingelegt. Jeweils erhielt ich von meiner Bezirksstelle die Nachricht, man könnte meinem Widerspruch nicht abhelfen und habe den Vorgang deswegen an den Vorstand der KV weitergeleitet. Von dort habe ich bis heute weder eine Bestätigung des Eingangs noch gar einen Bescheid erhalten. Kann ich die KV dazu zwingen, meinen Widerspruch zu bearbeiten?

Privatkasse will mir Bürokratie aufzwingen. Muß ich Rechnungen stempeln und unterschreiben?
Ich erstelle die Privatrechnungen mit meinem Praxisprogramm auf Blankobögen. Das ist eine zeit- und kostensparende Vorgehensweise. Jetzt wurde ich von Patienten gebeten, die Rechnung zu stempeln und zu unterschreiben. Sonst will die Kasse (Debeka) nicht bezahlen. Die Kasse befürchtet Mißbrauch mit Blankobögen. Ich lehne den zusätzlichen persönlichen Aufwand ab. Teures Briefpapier will ich auch nicht verwenden, außerdem kommen Betrüger auch an Briefpapier. Nach den Formvorschriften der GOÄ kann mich meiner Meinung nach niemand dazu zwingen, Rechnungen zu stempeln und eigenhändig zu unterschreiben. Stimmt das?

Liegt's an der verzogenen Pupille?
Mein Patient ist 73 Jahre alt. Vor 3 Jahren wurde am rechten Auge eine Kataraktoperation durchgeführt. Bei Verwendung von Healon Drucksteigerung nach einigen Stunden bis auf 75-mmHg, am nächsten Tag nochmalige Kammeröffnung mit Spülung, danach keine Beschwerden mehr. Seit kurzem treten temporal am operierten Auge bei Seitwärtsbewegung des Kopfes Lichterscheinungen auf, es handelt sich um einen 'milchglashellen, leicht gebogenen Stab`, ein immer gleichförmiges Bild, nicht ständig auslösbar, aber auch bei völliger Dunkelheit auftretend. Die augenärztliche Untersuchung ergab eine deutliche Pupillenverziehung, die vor der Operation nicht bestanden hatte. Augendruck und Augenhintergrund waren unauffällig. Deutet das Auftreten auch im Dunkeln doch auf eine noch nicht zu erkennende Retinaerkrankung, oder kann es auch nur an der Irisverziehung liegen?

Wer haftet, wenn´s schiefgeht?
HNO-Arzt
München
und Dr. Herbert Lieske
Internist
Hamburg:
Einer Pressemeldung entnahm ich, daß die Lufthansa einem amerikanischen Passagier 4,1-Mio.-DM Schadenersatz zahlen mußte, weil er bei einem Herzanfall an Bord nur ungenügende Hilfe bekommen hatte. Aufgrund dieses Urteils werden nun Defibrillatoren, wie sie bereits bei einigen Luftlinien üblich sind, gefordert. Um sich vor Haftungsklagen zu schützen, wird von der Lufthansa eine Ausbildung des Kabinenpersonals abgelehnt mit dem Hinweis, daß fast auf jedem Flug ein Arzt unter den Passagieren sei. Kann man es einem Arzt bei solchen Schadenersatz-Forderungen überhaupt zumuten, an Bord freiwillig tätig zu werden? Wird hier nicht eine Verantwortung in ungebührlicher Weise auf Passagiere abgewälzt, die zufällig Arzt sind? Dazu kommt, daß nur die wenigsten Kollegen notfallmäßig erfahren sind, geschweige denn mit einem Defibrillator umgehen können und im Falle eines Behandlungsfehlers noch das volle Haftungsrisiko zu tragen haben.
Ich selbst habe schon 2mal auf einem Flug ärztliche Ersthilfe geleistet. Was soll ich nun als Arzt machen, wenn ich in einer solchen Situation mit Amerikanern konfrontiert werde, die bekanntermaßen regreßsüchtig sind? Soll ich mir von einem mitreisenden Angehörigen einen Regreßverzicht unterschreiben lassen oder den „Kopf in den Sand“ stecken und mich nicht zu erkennen geben? Das würde mir allerdings sehr widerstreben. Könnte auch die Fluglinie den Regreß auf den Arzt abschieben? Oder wie ist die rechtliche Situation, wenn ein Arzt zu einer teuren Zwischenlandung rät und sich später herausstellt, daß die gar nicht nötig war? Kann der Arzt dann von der Fluglinie wegen der überflüssigen Flugkosten in Regreß genommen werden?

Geheimtip für alternde Männer oder Kunstfehler?
Ist die prophylaktische Einnahme von Östrogenen für Männer im Hinblick auf arterielle Gefäßveränderungen sowie eventuelle Prostataleiden, Parkinson und Multiple Sklerose sinnvoll? In Koronarsportgruppen wird die Östrogeneinnahme inzwischen schon als „Geheimtip“ gehandelt. Was ist davon zu halten?