O-Ton Allgemeinmedizin, Folge 81

Das Thema Perimenopause gehört mit zur Grundversorgung

Die hormonelle Achterbahn von PMS bis Postmenopause in den Griff bekommen
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Hormonelle Veränderungen beeinflussen zahlreiche Vorgänge im Körper und können zu ganz unterschiedlichen Beschwerden führen. Manche davon würde man zunächst gar nicht mit Hormonschwankungen in Verbindung bringen, erklärt Prof. Dr. ­Petra ­Stute von der Gynäkologischen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin am Inselspital Bern in der aktuellen Podcastfolge von O-Ton Allgemeinmedizin.

Prof. Dr. Petra Stute
© Inselspital
Prof. Dr. Petra Stute

Anzahl der Beschwerden kein Maß für Therapiebedarf

So kann es beim prämenstruellen Syndrom (PMS) neben den klassischen Anzeichen wie Stimmungsschwankungen, Brustspannen und Müdigkeit auch zu grippeähnlichen Beschwerden oder häufigerem Harndrang kommen. Als behandlungsbedürftig gilt ein PMS, wenn die Symptome den Alltag oder die Lebensqualität der Frau deutlich beeinträchtigen. Dabei spielt es keine Rolle, welche oder wie viele Beschwerden auftreten.

Für die Diagnose eines PMS muss ein klarer zeitlicher Zusammenhang mit dem Zyklus bestehen: Die Beschwerden beginnen in der Lutealphase und verschwinden nach der Menstruation. Als diagnostischer Goldstandard gilt daher ein Symptomtagebuch. Stehen schwere psychische Beschwerden wie Reizbarkeit, depressive Verstimmung, Angst oder Kontrollverlust im Vordergrund, kann eine prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) vorliegen.

Die Perimenopause beginnt für die meisten Frauen mit Anfang 40. Bis zu 80 % erleben Hitzewallungen und Schweißausbrüche, hinzu kommen Schlafprobleme und Gelenkbeschwerden sowie Stimmungsschwankungen. Bei 40–60 % treten Konzentrations- und Wortfindungsstörungen auf. Die Abgrenzung zu Depression und Burnout ist daher nicht immer einfach.Bleibt bei einer Frau im Alter unter 40 Jahren die Menstruation mindestens vier Monate aus und ist der FSH-Wert erhöht, kann eine prämature Ovarialinsuffizienz vorliegen. Bei diesen Frauen ist das Risiko für Osteoporose, Herzinfarkt und Demenz deutlich erhöht, weshalb man eine Hormontherapie einleiten sollte, rät Prof. ­Stute.So vielfältig die Beschwerden sind, so breit ist das Spektrum der Behandlungsoptionen. Bei PMS gelten Antidepressiva als Mittel der Wahl. Eine Alternative sind kombinierte hormonelle Kontrazeptiva, darunter drospirenonhaltige Präparate im 24/4-Schema. Auch Mönchspfeffer und Mikronährstoffe (Magnesium, Kalzium, Pyridoxin etc.) können zum Einsatz kommen. Genügend Schlaf und Bewegung wirken sich ebenfalls positiv aus.

In der Peri- und Postmenopause kommen je nach Symptomatik und individueller Situation eine menopausale Hormontherapie (MHT) sowie nichthormonelle Alternativen wie Fezolinetant oder Phytotherapeutika infrage. Auch Hausärztinnen und Hausärzte können eine MHT grundsätzlich verordnen, erklärt Prof. Stute und betont: „Das Thema Perimenopause gehört mit zur Grundversorgung.“ Welche Indikationen und Sicherheitsaspekte dabei zu beachten sind, für wen die Therapie infrage kommt und wie die Ergebnisse der WHI-Studie aus den 2000ern heute einzuordnen sind, hören Sie im Podcast.    

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