Körperliche Bewegung bleibt im Alter oft Theorie
Die meisten Menschen in Deutschland sind sich darüber bewusst, dass man insbesondere im fortgeschrittenen Alter körperlich aktiv bleiben sollte. Doch bei der praktischen Umsetzung dieser Erkenntnis hapert es bislang noch gewaltig.
Bewegungsmangel erhöht bekanntermaßen das Risiko für chronische Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas und Depressionen. Darüber verursacht körperliche Inaktivität hierzulande jedes Jahr Mehrkosten von rund 482 Euro pro Person an direkten und indirekten Gesundheitskosten. Angesichts des demografischen Wandels und der Tatsache, dass sich ältere Menschen weniger bewegen als in jungen Jahren, ist davon auszugehen, dass diese Kosten weiter steigen werden.
Die WHO empfiehlt auch für alte Menschen regelmäßige körperliche Aktivität (siehe Kasten). Verschiedene Studien und Umfragen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sich ältere Erwachsene der gesundheitsfördernden Eigenschaften von Bewegung und der WHO-Empfehlungen bewusst sind und einen aktiven Lebensstil bis ins hohe Alter befürworten. Wie hoch diese Zustimmung ist und ob sie mit dem tatsächlichen Aktivitätsverhalten übereinstimmt, hat eine Arbeitsgruppe um Nils Henrik Pixa von der Medical School Berlin untersucht.
Das empfiehlt die WHO
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt allen Erwachsenen, sich wöchentlich mindestens 150 Minuten mit moderater Intensität bzw. 75 Minuten mit höherer Intensität zu bewegen. Dabei liegt der Fokus auf ausdauerorientierten aeroben Aktivitäten wie Radfahren, Schwimmen, Aerobic oder Rudern. Zusätzlich sollten alle Erwachsenen an mindestens zwei Tagen pro Woche muskelkräftigende Übungen ausführen.
Zunächst wurde bei 986 Frauen und 980 Männern im Alter von 16 bis 96 Jahren erhoben, inwieweit sie die Aussage, dass ältere Menschen körperlich aktiv sein sollen, befürworten. Dabei zeigte sich, dass ältere Menschen dieser Aussage tendenziell mehr zustimmten als jüngere. Die Analyse der tatsächlichen körperlichen Aktivität erfolgte auf Basis der Daten von 11.968 Frauen und 10.740 Männern ab 18 Jahren. Das Ergebnis: Mit steigendem Alter setzen immer weniger Menschen die WHO-Empfehlungen um. Während Personen zwischen 18 und 24 Jahren dies am besten taten, stagnierten die Erfüllungsraten in der Altersgruppe von 35 bis 74 Jahren und sanken bei über 85-Jährigen noch einmal deutlich ab. Ein ähnlicher Trend wurde auch hinsichtlich der Empfehlungen für muskelkräftigende Aktivitäten festgestellt.
Für die mangelhafte Umsetzung der Bewegungsempfehlungen im fortgeschrittenen Alter liefert das Autorenteam verschiedene mögliche Erklärungen. So reduzieren ältere Menschen oft aufgrund von Sicherheitsängsten oder chronischen Beschwerden ihr körperliches Aktivitätsniveau. Viele glauben auch, Passivität gehöre zum Altern dazu. Hinzu kommen psychologische Barrieren wie das Gefühl, mit höherem Alter nicht in ein Fitnessstudio oder einen Sportverein zu passen. Auf gesellschaftlich-struktureller Ebene könnte die verringerte körperliche Aktivität auch auf einen Mangel an alterssensiblen Bewegungsangeboten beruhen, meint das Team.
Pixa NH et al. J Health Monit 2025; 10: e13470; doi: 10.25646/13470