Nachtlicht: Gefahr für das Herz

Nachtlicht schadet dem Herzen: Schon Dämmerlicht erhöht das Risiko

Aus der Fachliteratur
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Sabine Mattes
Schon geringe Lichtmengen während des Schlafens können gesundheitliche Auswirkungen haben.

Straßenlaternen, Leuchtreklamen und Standby-LEDs verhindern häufig, dass es in Schlafzimmern nachts richtig dunkel wird. Eine neue Studie zeigt: Schon mehr als drei Lux Licht während des Schlafs können das Herz messbar verändern.

Straßenlaternen, Leuchtreklamen und Standby-LEDs – in vielen Schlafzimmern herrscht nachts eher Dämmerlicht als Dunkelheit. Schon vergleichsweise geringe Lichtmengen können jedoch die Melatoninausschüttung hemmen und den zirkadianen Rhythmus stören, betont ein Team um Jin Dai von der School of Public Health and Tropical Medicine der Tulane University in New Orleans. In ihrer aktuellen Publikation untersuchten die Forschenden, ob eine nächtliche Lichtexposition von mehr als drei Lux* mit strukturellen und funktionellen Veränderungen des Herzens in Zusammenhang steht und ob sie langfristig mit einem größeren kardiovaskulären Risiko einhergeht.

Grundlage waren 11.071 Teilnehmende der UK Biobank ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen. Zwischen 2013 und 2015 maßen am Handgelenk getragene Sensoren sieben Tage lang die Helligkeit während des Nachtschlafs. Je nachdem, wie oft der Schwellenwert von drei Lux überschritten wurde, bildeten die Forschenden Gruppen ohne, mit niedriger, mäßiger oder hoher Exposition. Rund drei Jahre später folgte eine kardiale MRT-Untersuchung. Kardiovaskuläre Ereignisse und Todesfälle wurden bis maximal 2024 dokumentiert.

Wie verändert nächtliches Licht den Herzmuskel?

Bei hoher nächtlicher Lichtexposition zeigten sich im Vergleich zu dunklen Schlafumgebungen subklinische Veränderungen: Die linksventrikuläre Masse war um 2,4 % höher, die mittlere Wanddicke um 1,5 % größer und die Kontraktionsfraktion um 1,9 % geringer. Auch die Verformbarkeit des linken Ventrikels war um etwa 3 % eingeschränkt. Leichte ungünstige Veränderungen fanden sich zudem im rechten Ventrikel und im linken Vorhof. Ein kürzerer Schlaf erklärte statistisch 24 bis 49 % dieser Zusammenhänge.

Weitere Faktoren, die den nächtlichen Schlaf stören und das kardiovaskuläre System belasten:

Insomnie und Schlafapnoe können sich gegenseitig verstärken – warum eine Verhaltenstherapie beiden nächtlichen Störenfrieden entgegenwirken kann.

Atemaussetzer beeinträchtigen auch im Alter den Schlaf und die Gesundheit – welcher Überlebensvorteil in einer Studie mit der Nutzung einer CPAP-Maske verbunden war.

Nach einem Herzinfarkt sind nächtliche Atemaussetzer mehr als ein Schlafproblem – wie sie mit verstärkten Umbauprozessen am Herzen zusammenhängen.

Flugzeuge, Straßenverkehr oder Schnarchen: Auch Lärm kann nachts den Blutdruck in die Höhe treiben.

In einer erweiterten Analyse mit rund 73.000 Personen war hohe nächtliche Lichtexposition über bis zu zehn Jahre mit erhöhten Risiken verbunden: für Vorhofflimmern um 15 %, Herzinsuffizienz um 29 %, Herzinfarkt um 24 %, Schlaganfall um 33 % und kardiovaskulär bedingte Todesfälle um 26 %.

Biologisch erscheinen die Ergebnisse schlüssig, wie eine Gruppe um Prof. Dr. Thomas Münzel von der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz in einem begleitenden Editorial unterstreicht. Licht ist der wichtigste äußere Taktgeber der zirkadianen Uhr. Eine helle Schlafumgebung kann die Hormonausschüttung beeinflussen, was in niedrigeren Melatonin- und höheren Cortisolspiegeln resultiert. Auch der Tag-Nacht-Rhythmus in Herz- und Gefäßmuskelzellen könnte beeinträchtigt werden. Damit verbundene oxidative Stressreaktionen, Entzündungsaktivierung und Stoffwechselstörungen gelten als plausible molekulare Mechanismen, die eine Verdickung der linken Herzkammer und eine beeinträchtigte Herzkontraktion erklären können.

Einfache Schritte für ein dunkleres Schlafzimmer

Die praktische Konsequenz: Licht aus! Verdunklungsvorhänge und abgedeckte Standby-Leuchten sind einfache Maßnahmen, um die Schlafumgebung möglichst dunkel zu halten. Auf kommunaler Ebene empfehlen Prof. Dr. Münzel et al., die Lichtverschmutzung durch Außenlampen und Straßenlaternen mit Blendschutz oder Bewegungsmeldern zu senken. Ob sich die Effekte zurückbilden und welche Rolle die Lichtfarbe sowie Wechselwirkungen mit Straßenlärm und Luftverschmutzung spielen, müssen weitere Studien klären.

* Anm. d. Red.: Drei Lux entsprechen ungefähr der Helligkeit der Dämmerung kurz nach Sonnenuntergang.

1. Dai J et al. Eur Heart J 2026; doi: 10.1093/eurheartj/ehag563

2. Münzel T et al. Eur Heart J 2026; doi: 10.1093/eurheartj/ehag650

Sabine Mattes

Sabine Mattes

Nach ihrem Masterabschluss in International Management war Sabine Mattes unter anderem bei einem großen deutschen Medizintechnikhersteller beschäftigt. Im Jahr 2021 begann sie als freie Autorin bei der Medical Tribune und absolvierte begleitend einen Journalismus-Lehrgang an der Deutschen Journalisten-Akademie in Berlin. Seit einigen Jahren lebt sie mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in der Nähe von Montreal.

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