O-Ton Allgemeinmedizin, Folge 82

Tinnitus-Therapie: So werden Ohrgeräusche weniger lästig

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Ohrgeräusche können die Betroffenen mitunter so stark belasten, dass sie suizidal werden. Doch es gibt Möglichkeiten, die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Dies erfordertzwar Geduld, aber die Prognose ist günstig.

Prof. Dr. Berthold Langguth
© medbo KU/Matthias Eckel
Prof. Dr. Berthold Langguth

Wenn jemand mit neu aufgetretenem Tinnitus eine Hausarztpraxis aufsucht, lautet die Reaktion oft: „Da kann man nichts tun, da werden sie wohl irgendwie damit zurechtkommen müssen.“ Für Prof. Dr. Berthold Langguth ist das ein No-Go. Denn Ohrgeräusche sind für Betroffene oft eine große Belastung. Und die Behauptung, nichts helfe, ist einfach nicht korrekt, weiß der Neurologe, Psychiater und Mitbegründer des Interdisziplinären Tinnituszentrums der Universität Regensburg.

Wichtig ist, Betroffene zunächst gut aufzuklären. In der Regel sind Ohrgeräusche harmlos, nur selten steckt eine ernste Erkrankung wie ein Tumor oder eine Gefäßveränderungdahinter. Da dem Tinnitus meist eine Hörstörung zugrunde liegt, ist immer eine HNO-ärztliche Untersuchung anzuraten. Dass sich im Verlauf die Lautstärke des wahrgenommenenGeräusches reduziert oder es komplett verschwindet, kann man nicht versprechen. Aber in fast allen Fällen gelingt es, die Belastung, die mit dem Tinnitus verbunden ist, zu reduzieren. In Deutschland gibt es einer Studie zufolge rund 4,6 Millionen Personen, deren Leben aufgrund eines Tinnitusbeeinträchtigt ist.

Den Tinnitus auf den Beifahrersitz verdrängen

Manche Patientinnen und Patienten von Prof. Langguth berichten: „Der Tinnitus hat mein Leben gesteuert und war verantwortlich dafür, wo die Reise hingeht. Und im Laufe der Zeit ist es mir gelungen, dass ich wieder am Steuer sitze und der Tinnitus auf dem Beifahrersitz.“ Im weiteren Verlauf der Therapie gelingt es oft, den Tinnitus auf die Rückbank und vielleicht sogar in den Kofferraum zu verdrängen, sagt der Experte.

Bestimmte Maßnahmen helfen, den Schlaf sowie die Konzentration zu verbessern und insgesamt im Alltag weniger beeinträchtigt zu sein. Um diese Ziele zu erreichen, ist für viele Menschen ein Umdenken erforderlich. Dass man sich auf das Problemfokussiert, um es zu lösen, ist beim Tinnitus kontraproduktiv. Denn es geht darum, die Aufmerksamkeit von den Ohrgeräuschen wegzulenken. Dabei unterstützen unter anderem verschiedene digitale Gesundheitsanwendungen, aktive Entspannungstechniken und die kognitive Verhaltenstherapie.

Vorsicht ist geboten, wenn vom Tinnitus Geplagte Rat im Internet suchen. Hier gibt es neben Falschinformationen auch einige unseriöse Angebote wie bestimmte Nahrungsergänzungsmittel oder spezielle Geräte, für die jegliche Evidenz fehlt. Wo man seriöse Informationen und Angebote findet und was Hausärztinnen und Hausärzte Menschen mit Tinnitus raten und anbieten sollten, erklärt Prof. Langguth in der neuen Podcastfolge von O-Ton Allgemeinmedizin.

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