Chronische Wunden

Silber lässt venöse Ulzera schneller heilen

17. Interdisziplinäres Update Gefäßmedizin
|Erschienen am: 
Eine randomisierte Studie belegt den Heilungsvorteil silberhaltiger Wundauflagen beim venösen Ulcus cruris.

Silberhaltige Wundauflagen zeigen bei venösem Ulcus cruris überraschend gute Heilungserfolge. Eine neue Studie belegt: Das Edelmetall wirkt über die Behandlungsdauer hinaus. Außerdem kann man mit einem alten Kompressionstherapie-Mythos aufräumen.

Das venöse Ulcus cruris liegt typischerweise am Innenknöchel und hat scharf begrenzte Ränder. Zusätzlich können andere Zeichen der chronischen venösen Insuffizienz wie Varizen, Hämosiderinablagerungen, eine Corona phlebectatica, eine Atrophie blanche oder Vernarbungen auftreten, erklärte Prof. Dr. Markus Stücker, Venenzentrum der Dermatologischen und Gefäßchirurgischen Kliniken, Ruhr-Universität Bochum. Silberhaltige Wundauflagen werden gerne eingesetzt, um Infektionen vorzubeugen und chronische Wunden abheilen zu lassen. Sind silberhaltige Wundauflagen auch für das venöse Ulcus cruris geeignet? Bisher war man da nicht so sicher, so Prof. Stücker, und stellte dazu eine aktuelle Studie vor. Außerdem räumte er auf mit einem lange praktizierten Mythos bei einer Komplikation der CVI.

Eine Metaanalyse aus dem letzten Jahr zeigte, dass diese Auflagen zu einer signifikanten Heilungsbeschleunigung bei diabetischen Fußulzerationen führen (Odds Ratio, OR, 2,14). Beim Ulcus cruris venosum dagegen wurde die Signifikanz knapp verfehlt (OR 1,32). In einer neueren randomisierten Studie sah das anders aus. Eine Arbeitsgruppe untersuchte die Wirkung einer carboxymethylzellulosehaltigen Wundauflage mit ionischem Silber im Vergleich zu einer Auflage mit Dialkylcarbamoylchlorid ohne Silber bei venösem Ulcus cruris. Die Behandlung wurde bei 203 Personen über zwei bis vier Wochen durchgeführt. Waren die Ulcera bis dahin nicht abgeheilt, erhielten beide Gruppen eine Standardwundbehandlung bis Woche 12. Zu diesem Zeitpunkt waren signifikant mehr Ulcera in der Silbergruppe komplett abgeheilt (75 % vs. 56 %).

Auflagen wirken über die eigentliche Anwendung hinaus

Als bemerkenswert beurteilte der Referent den Umstand, dass die Silberauflagen offenbar über die Dauer der eigentlichen Applikation weiter wirkten. Denn es wurde nur maximal vier Wochen lang behandelt, der Heilungsprozess setzte sich aber bis Woche 12 bzw. bis zur Abheilung unter Standardprogramm weiter fort.

Eine häufige Komplikation der chronischen venösen Insuffizienz (CVI) ist das Erysipel. Früher hat man dann die Kompressionstherapie zunächst abgesetzt, um die Bakterien nicht auszuschwemmen, und sie erst wieder fortgesetzt, wenn die Antibiotikatherapie für eine Abheilung gesorgt hat. Inzwischen weiß man, dass die Kompressionstherapie die Heilung des akuten Erysipels sogar unterstützt. Eine Gefahr ließ sich nicht belegen.

Es gibt keinen Grund, eine laufende Kompression wegen eines Erysipels zu unterbrechen

Maßgeblich für diesen Paradigmenwechsel war eine randomisierte prospektive Studie. Patienten mit Erysipel erhielten dabei zusätzlich zur Antibiotikatherapie eine Kompressionstherapie, eine Kontrollgruppe nur Antibiose. In der Interventionsgruppe besserte sich das Erysipel deutlich schneller. Das galt auch für die Subgruppe mit ausgeprägter Entzündungsreaktion. Es gibt also keinen Grund, eine laufende Kompression wegen eines Erysipels zu unterbrechen, betonte der Experte. Eine neue Kompressionstherapie könne 24 h nach einer ersten Antibiotikagabe beginnen.

Dr. Vera Seifert

Dr. Vera Seifert

Dr. Vera Seifert ist approbierte Ärztin mit Berufserfahrung im Medizinbereich (Kinderklinik und Praxen niedergelassener Pädiater und Allgemeinärztinnen/Allgemeinärzte). Seit 2024 als freie Autorin tätig.

Das könnte Sie auch interessieren